Anstoß

Der Verrat der Bürgerlichen

Nein, hier soll es nicht um Rechte gehen, die sich der Distanzierung und den Werten der Aufklärung verschrieben haben, wie sie weder Kant noch Rousseau im wahnhaftesten Fiebertraum gedacht hätten. In erschreckend großer Zahl bewegen sich diese in rechten Kreisen und versprühen dort ihr Gift. Es soll in diesem Aufsatz um ein ähnliches Problem auf linker Seite gehen.

Die Tagespolitik ist ein alltägliches Aushandeln und findet meistens in den Parlamenten und den Behörden, aber auch den wirtschaftlichen Einrichtungen sowie bei jedem Käufer an der Supermarktkasse statt. Doch wo und wie soll denn die Linke, so vielschichtig und zuweilen uneinig sie auch sein mag, das gleiche Problem haben? Die zahlenmäßig häufigsten Vertreter einer linken Weltanschauung sind größtenteils Menschen mit einem überdurchschnittlich hohen Einkommen und Bildungsgrad und das schlägt sich auch in deren Lebenswandel nieder.

Die Identitätspolitik der Linken

Kurzum wer die größte offen neulinke Partei, die Grünen wählt, der hat ein in vielerlei Hinsicht besseres Leben und ist sehr viel kosmopolitischer als der deutsche Durchschnitt. Besonders – und das mag gerade die Marxisten interessieren – in wirtschaftlicher Hinsicht. Es ist daher nur wenig verwunderlich, dass es kaum einem Streiter für Gleichheit und Gerechtigkeit, welcher ja eben meist aus jener bessergestellten Klasse kommt, auffällt, dass die Arbeiterschaft zugunsten sehr viel kleinerer Gruppen, die sich wenig oder gar nicht über ihre, ganz in marxistischer und altlinker Sichtweise, wirtschaftliche Bedeutung, sondern ihre Herkunft, ihren PoC-Status oder ihre sexuelle Orientierung, also ihre Identität definieren.

Dabei wird die Individualität betont, das große Kollektiv fällt zuungunsten einer zersplitterten Landschaft an Klein- und Kleinstkollektiven verschiedenster Prägung hinten runter. Der Kampf der meisten heutigen Linken hat sich, entgegen aller Verlautbarungen und Beteuerungen größtenteils weg vom Kapital, hin zu den tatsächlichen und angenommenen Gegnern der Alles-für-alle-umsonst- und Sei-was-auch-immer-du-willst-Lebensweise entwickelt.

Bunter Haufen bei den Rechten

Spätestens seit Ausbruch der politischen Corona-Pandemie hat das Ganze geradezu groteske Züge angenommenen. Vielerorts gehen – ob schon seit Langem oder erst seit Kurzem – von den Machthabern in diesem Land Enttäuschte auf die Straße. Wirtschaftliche Sorgen, Furcht vor zu viel staatlicher Macht und teils schon länger bestehende neurechte Anliegen treiben viele der Protestierenden an. Wobei auch hier ein eher bunter Haufen zusammenkommt, bei dem nicht jeder jede Forderung mitträgt.

Ein großer Teil der linken sogenannten Gegenöffentlichkeit, nicht wenige in mehr oder minder staatlichen Abhängigkeitsverhältnissen, stellen sich nun auf die Seite der Regierungen, von denen weder im Bund noch in den Ländern auch nur eine einzige tatsächlich altlinke Ziele verfolgt, geschweige denn sich für die Arbeiterschaft oder den „kleinen Mann“ interessiert. Die nennenswerten Gründe dafür sind der vermeintliche Einsatz für die Gesundheit und, der wohl wichtigere Grund, das Gegenhalten gegen die Rechten.

Was aber bleibt übrig von jener politischen Gruppierung, die einst angetreten war um dem Kommunismus in aller Welt zum endgültigen Durchbruch zu verhelfen? Neben einigen sich dem guten alten Kommunismus, einige würden hier auch vom Bolschewismus sprechen, verschriebenen Stammtischen und Parteien, die vor allem dadurch glänzen, dass sie ihr Propagandamaterial zu horrenden feststehenden Preisen an Interessenten verkaufen, nicht viel.

Dies habe ich selbst bei der MLPD beobachtet. Viel eher ist es der Sieg des Kapitals, um beim bärtigen Weltverbesserer aus Trier zu bleiben, auf ganzer Linie. Das Woke Capital, das sich mehr oder minder der Minderheitenpolitik der SJWs hingegeben hat, wobei es mehr Schein als Sein ist, fährt unbehelligt Gewinne ein. Die als weiß-gelesenen Menschen und ihre Interessen, wie es heute so schön heißt, besonders wenn sie männlich sind, sind dabei kaum von Belang.

In den Elfenbeintürmen der Guten hören sie nicht den Schrei derer, die da nicht mitmachen wollen, derer, die trotz ihrer vermeintlich Privilegien verschaffenden Hautfarbe und Sexualität nicht viel von den Privilegien mitbekommen, derer, die verlacht und verspottet werden. Die ja schon auf die Idee gekommen zu sein scheinen, dass sie nichts als ihre Ketten zu verlieren hätten.


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