Anstoß

Der Wischiwaschikurs der FPÖ

Georg Immanuel Nagel analysiert die Nationalratswahl in Österreich und den Absturz der Freiheitlichen in metapolitischer Hinsicht.

Der vorhersehbare Absturz der FPÖ bei der gestrigen Nationalratswahl ist eingetreten. Die Blauen fielen von 26 auf 17,3 % hinunter. Wie von allen erwartet, wurde die ÖVP mit 38,4 % zum großen Sieger. Zu befürchten ist, dass durch die Wahlkarten das Ergebnis noch weiter verschlechtert wird. Dieses Mal gab es mit fast einer Million Wahlkarten einen neuen Rekord an Briefwählern.

Koalition mit Sozis oder Grünen

Interessanterweise ist es, dass diese stets auffallend nach links tendieren, besonders zu den Grünen. Laut Prognosen dürften die Freiheitlichen dadurch auf 16 % abfallen. Sebastian Kurz kann sich jetzt also aussuchen, ob er mit den auf 21,5 % geschrumpften Sozis oder doch mit den von den Toten auferstandenen Grünen (12,4 %) koalieren will.

Eine andere mögliche Strategie, nämlich die Verweigerung der freiwilligen Auflösung des Nationalrates, um damit bis zum Ende der Legislaturperiode Zeit zu gewinnen und somit den perfiden Plan von Kurz zu durchkreuzen, fand keinerlei Gehör. Stattdessen spielte man wie gewünscht mit und ließ sich brav an der Hand aufs Schafott führen.

Die „Strategie“ der FPÖ, um in diese denkbar ungünstige Wahlkampfsituation zu gehen, war einerseits „Hurra“ zu schreien und Durchhalteparolen auszugeben und andererseits, alles zu tun, was die Linken wollen, vor allem sich noch weiter von jedem zu distanzieren und die ehemalige, erfolgreiche Parteilinie durch einen schlenkrigen Wischiwaschikurs zu ersetzen. Während man in der Regierung so gute Arbeit geleistet hatte wie noch nie zuvor, versagten die Freiheitlichen völlig im Bereich der Metapolitik und das hat ihnen das Genick gebrochen.

Die Begriffe der Gegner wurden übernommen

Doch die Metapolitik steht über allem. Dass man auf diesem Feld keinerlei Kenntnisse besitzt, hat die Partei nun hinreichend bewiesen. Der große Irrtum der Partei war es zu glauben, dass sie nun irgendwie angekommen und akzeptiert und jetzt auch dem Club der Etablierten beigeträgen wäre. Doch das war ein Irrtum. Sie wurde lediglich hereingelegt und dann von hinten erdolcht.

Unser politisches System hat in Wahrheit einen wirklichen Macht- und Kurswechsel gar nicht vorgesehen. Wir kämpfen gegen eine Hydra, deren nachwachsende Köpfe jederzeit zurückbeißen können, kaum dass man sie abgeschlagen hat. Notwendig ist also eine völlige Umwertung der Werte, der allgemeinen gesellschaftlichen Vorstellungen, bevor man sich in Ruhe sachpolitischen Fragen widmen kann.

Mit der Regierungsbeteiligung der FPÖ setzte jedoch ihr Umschwank hin zur demonstrativen Unterordnung unter die Vorstellungen und Begriffe der Gegner ein. Auf einmal fing man an überall „Rechtsextreme“ zu sehen und am Ende wurde es obligatorisch den Großen Austausch zu leugnen, stattdessen kryptisch von einer „Änderung der Struktur der Bevölkerung“ (Norbert Hofer) zu faseln und nicht einmal mehr feststellen zu dürfen, dass „Mischkulturen kein Vorteil“ sind, ohne deshalb vom Parteichef öffentlich wie ein Taferlklassler gemaßregelt zu werden.

Man übernahm vollständig das ideologische Framing des politischen Gegners und ließ sich von der Lügenpresse, der man stets leidenschaftlich gerne den Hintern küsste, ununterbrochen auf Trab halten. Kurzum: man wurde von der dynamischen, tonangebenden Partei des Landes zu einer gehetzten Truppe von Cuckservatives, welche so akrobatisch wie eine Schlangenlady wurde, um die abenteuerlichsten Selbstverleumdungs-Verrenkungen anzustellen.

Verrat zahlt sich nicht aus

Begleitet wurde dieses Trauerspiel von einem durchgehenden Dauerfeuer aus der medialen Stalinorgel. Ein absurder Skandal und Aufreger nach dem anderen wurde inszeniert, um damit FPÖ Mandatare pseudomoralisch anzupatzen. Die Anwürfe bestanden dabei durchgehend aus Lügen und Verzerrungen, was die Partei nicht davon abhielt, sofort eilfertig die eigenen Leute abzuschießen.

Der Wendepunkt bzw. Abwendepunkt für sehr viele FPÖ-Unterstützer war wohl die Hetzkampagne gegen die Identitäre Bewegung, die monatelang von den gleichgeschalteten Massenmedien quasi als Terrororganisation dargestellt wurde. Die daraufhin getätigte Behauptung, dass man ja mit den Identitären eh gar nichts zu tun habe, war der schwerwiegendste politische Fehler der Parteiführung. Mann kann eben nicht leugnen, was hundertfach belegt ist und sowieso jeder weiß. Ab diesem Zeitpunkt war es für die Linken ein ständiger Spaß, wieder weitere Kontakte zu präsentieren und die FPÖ dadurch am laufenden Band zu demütigen.

Doch als auch das noch nicht reichte, griff man wiederum auf kriminelle Netzwerke und den korrupten Tiefen Staat zurück, um die von langer Hand vorbereiteten Skandale über die Suff-Gespräche auf Ibiza und die angeblichen unkorrekten Spesenabrechnungen von Heinz-Christian Strache zu veranstalten.

Die „Strategie“ der FPÖ, sich auf Befehl des politischen Gegners vom ganzen Vor- und Umfeld nicht nur zu distanzieren, sondern es mitunter infam zu verleumden und wüst zu beschimpfen, hat natürlich nicht funktioniert. Man wurde nicht akzeptiert, sondern einfach mit immer kriminelleren Mitteln bekämpft. Dafür hat man einen erheblichen Teil der einst treuesten Wähler vertrieben. Das einzige, was noch unsympathischer ist als ein Cuck, ist ein Cuck, von dem man verraten und verkauft wird.

Kommt jetzt ein Kickl- oder ein Hoferkurs?

Dem Anbiederungs- und Weichspülungskurs folgend, wurde dann nicht der bei den Parteimitgliedern und Unterstützern beliebteste Politiker, also Herbert Kickl, sondern der unweit angepasstere Norbert Hofer zum Parteichef ernannt. Damit verbunden war wohl die Hoffnung, so für die ÖVP ein akzeptabler Koalitionspartner zu bleiben.

Das demonstrative Anschmeicheln an die Türkis-Schwarzen erfolgte auch durch den sofort nach dem Verrat durch eben diese eilfertig verkündeten Wunsch, doch bitteschön weiter zusammen regieren zu wollen. Da wollte man wohl den allseits verteufelten Kickl nicht zu sehr nach vorne stellen und hoffte anscheinend, mit dem sanften Hofer einen Sebastian Kurz 2.0 zu haben, der als Stimmenmagnet für bürgerlich-fade Konservative wirkt. Das Gegenteil war jedoch der Fall.

Herbert Kickl ist der letzte prominente FPÖ-Politiker, der bei den Stammwählern noch nicht allen Kredit verloren hat. Die anderen Mandatare sind entweder nur in den Bundesländern verwurzelt und auf Bundesebene wenig etabliert oder schlichtweg nicht sehr bekannt. Es bleibt der Partei also nur über, einen Kickl-Kurs einzuschlagen. Die Partei muss jetzt wieder ihre Stammwähler begeistern lernen und die wollen Kickl und sonst niemanden. Selbst diejenigen, die nur noch auf die FPÖ schimpfen, loben trotzdem noch Österreichs besten Innenminister aller Zeiten.

Jede Partei braucht ein vitales Umfeld!

Da wird man sich nun entscheiden müssen. Einige Parteisoldaten hatten vor der Wahl schlaubergerisch verkündet, dass eine Spitze aus Hofer und Kickl überoptimal wäre, da man ja so jeweils einen Kandidaten für jede Klientel hätte, Hofer für die weichen Konservativen und Kickl für die eingefleischten Freiheitlichen. Das Duo sollte also quasi wie eine Prostituierte wirken, die einfach alles macht, die also jeden Kunden gerade so verwöhnt, wie er es haben will, zart oder auch hart, Hauptsache es wird gezahlt. Diese lockende Nobeldirne wirkte aber wohl auf viele eher wie eine syphilisverseuchte Bordsteinschwalbe. So eine Schizophrenie verträgt eine Partei nicht. Es muss einen Kurs, eine Linie und ein Programm geben.

Zum Schluss einige Thesen zu notwendigen strategischen Einsichten:

1) Absolut alle Personen, Organisationen und Medien, die von der FPÖ auf Befehl der Linken abgeschossen und verleumdet wurden, sind ausschließlich anständig und seriös. Jede einzelne „Distanzierung“ war absolut unnötig und ein Desaster. Ausgenommen hiervon sind Strache und Gudenus, deren Amtsverzicht bis zur Aufklärung der Affären sinnvoll war. Es wäre angebracht, sich zu entschuldigen.

2) Die FPÖ muss die absurde Vorstellung aufgeben, dass sie alleine das Dritte Lager sei und es außer ihr keinerlei Akteure geben dürfe. Automatisch reagiert die Partei auf das Auftreten von metapolitischen Akteuren wie auf eine parteiförmige Konkurrenz. Das muss aufhören. Jedes politische Lager hat sein Umfeld aus Journalisten, Intellektuellen und Aktivisten. In den anderen Lagern käme niemand auf die Idee, sich dafür zu rechtfertigen, was irgendein Verein macht oder was irgendein Autor schreibt. Anfragen zu Akteuren, die nicht zur Partei gehören, sind pauschal zurückzuweisen, genau so, wie das alle anderen Parteien auch machen.

3) Die Parteigranden müssen folgende Sätze auswendig lernen: „Das interessiert mich nicht.“, „Danke für ihre Anfrage, im nächsten Monat ist wieder eine Parteitagung, da werden wir das intern besprechen und nachher geben wir ihnen gerne Auskunft.“, „Es ist mir egal, ob sie mich als Nazi, als Rassist oder als Antisemit beschimpfen, ihre Lügen werden dadurch nicht richtiger und ich werde mich deshalb nicht davon abbringen lassen das zu tun, was jetzt richtig und notwendig ist.“

4) Der primäre Gegner der FPÖ ist die ÖVP. Man darf sich nicht an sie anbiedern, sondern muss sie bis aufs Blut bekämpfen. Diesbezüglich gibt es einen häufigen Irrtum bei Rechten. So äußerte etwa der AfD-Vorsitzende Alexander Gauland bei einer Pressekonferenz, dass die Grünen seiner Meinung nach der „Hauptfeind“ seiner Partei wären. Das ist jedoch falsch. Die Grünen sind am meisten von der Alternative für Deutschland entfernt, der Hauptfeind ist folglich die CDU, die Deutschland genauso zerstört wie die Grünen, dies jedoch mit den Wählerschichten im Rücken, die auch zur AfD gehen könnten.

Die gleiche Lage haben wir in Österreich, wo ÖVP-Wähler ein FPÖ-Programm wollen, dann aber doch bei den Cuckservatives ein Kreuzchen machen, die dann ihr naives Stimmvieh routiniert verraten. Der parteiförmige Konservatismus ist seit Jahrzehnten nichts anderes als eine riesige Betrugsmasche, die aufgedeckt und zerstört werden muss. Man kann die Cucks nicht besiegen, indem man selber ein Cuck wird.

(Bild: Norbert Hofer, FPÖ, von: Franz Johann Morgenbesser, flickr, CC BY-SA 2.0)


Jahrgang 1986, aus Wien, Studium der Philosophie, begreift sich als Vertreter der deutschen Alt-Right (Alternative Rechte) und ist seit 2014 als Journalist bei diversen Medien tätig und veröffentlichte mehrere Bücher. Maßgeblich war er beteiligt an PEGIDA in Österreich. Zudem ist er Gründer und Obmann von "OKZIDENT - Verein zur Förderung von Rechtsstaatlichkeit". - www.georgimmanuelnagel.at

3 Kommentare zu “Der Wischiwaschikurs der FPÖ

  1. Gerold Althaus

    Lieber Georg

    Die Alt-Right existiert seit charlottesvillet praktisch nicht mehr und wird nur als Gespenst von den Linken weiterpropagiert. Du kannst den Titel fallen lassen. Ansonsten, guter Text.

  2. Für die AfD bleibt die Hoffnung das dieser Anschauungsunterricht auf fruchtbaren Boden fällt und für unser Nachbarland das nicht der Hofer sondern der Kickl den Kurs setzt.Jetzt fehlt natürlich der Jörg Haider.
    Gauland,Meuthen und Pazderski werden nichts lernen vermute ich mal.Zu sehr haben sie in der Vergangenheit die Abgrenzeris gepflegt vom »Flügel,Idenditären,Pegida obwohl die genau das sind was wir brauchen.
    Klare Kante gegen die Versager.
    Mit den Pseudoneoliberalen ist KEIN Blumentopf mehr zu gewinnen.Ein Blick auf die Gemengelage sollte doch einem Meuthen die Scheuklappen abnehmen.

  3. Charles Magnier

    Wenn ihr es jetzt richtig macht, und die FPÖ zu Kreuze kriechen lasst, könnt ihr die Republik und die Partei noch retten. Dafür würde eine Bündelung ALLER rechtskonservativen Kräfte im BZÖ notwendig, um der FPÖ zu zeigen: 5-10% der Freiheitlichen können auch ohne euch! Die Partei und ihr erfolg sind von UNS abhängig. Nicht anders herum. Deswegen: Ruhig eine Tracht Prügel verabreichen. Das hat bei Haider schon funktioniert. Dann sind die ganzen Chiki-Micki Wiener und Selbstbediener auch raus aus der Partei und ein Kickl wird Parteiobmann. Wenn das Dritte Lager jetzt den Hoferschen Kurs der »Erneuerung und Modernisierung« mitträgt: Gute Nacht, Österreich! Gute Nacht FPÖ!

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