Anstoß

Die Lehren aus Charlottesville

Nach dem allgemeinen Hochschwappen der Gefühle ist es nun an der Zeit, auch Kritik an den Ereignissen bei der Demo in Virginia zu üben. Vor allem muss die Alt-Right einige grundsätzliche Fragen klären.

Die Kundgebung in Charlottesville war ein Erfolg, da man es trotz aller Versuche von Seiten der Landesregierung und der mit ihr unter einer Decke steckenden gewaltbereiten „Gegendemonstranten“ schaffte, die größte außerparlamentarische Kundgebung seit Jahrzehnten zu organisieren und sich dabei auch vor Ort gegen eine feindlich und vermutlich auch rechtswidrig agierende Polizei und ihre Helfershelfer durchsetzen konnte.

Damit hat die Alt-Right nach mehreren kleineren Veranstaltungen bewiesen, dass sie sich auf dem Weg befindet, ein wirklicher politischer Faktor in den USA zu werden. Der Schritt von einer intellektuellen Szene in die Realität des harten politischen Kampfes in der „wirklichen Welt“ bzw. auf der Straße macht jedoch auch die Sondierung der Lage und einige strategische Entscheidungen notwendig.

Trittbrettfahrer müssen abgesägt werden

Bei der „Unite the Right“-Demo zeigte sich wieder das altbekannte Phänomen der Taktik der Trittbrettfahrerei von Vertretern der alten Rechten, bzw. generell des Narrensaums und der „erlebnisorientierten“ Szene, bei weitaus erfolgreicheren neurechten Bewegungen. Ein Teil der Teilnehmer bestand leider aus einigen gleichermaßen überkommenen, wie erfolglosen Gruppen, die in den USA (und sonst wo) noch nie auch nur das Allergeringste zustande gebracht haben. Man muss diesen unnötigen Sumpf von Leuten, die ihr politisches Weltbild aus Hollywood-Spielfilmen über den Zweiten Weltkrieg entnehmen, endgültig abstellen. Dieses Problem hatte auch die Neue Rechte hierzulande am Anfang teilweise, doch wurde es weitgehend durch konsequentes Handeln gelöst.

Es gibt hier bei vielen offenbar auch ein Missverständnis bezüglich des Unterschieds zwischen bewusster und gezielter Provokation, die weiß, wo die Grenze ist, und simpler Blödheit. Rechtssein hat nicht zuletzt auch mit Stil und einem höherem Anspruch an sich selbst zu tun.

Asoziales und primitives Verhalten darf nicht geduldet werden. Wer ein Kämpfer sein will, braucht zuerst einmal Disziplin. Leute, die meinen, das kulturelle Erbe der Südstaaten zu verteidigen, sollten sich an Personen wie Robert E. Lee und seinen Männern ein Beispiel nehmen. Ihre beeindruckenden militärischen Siege, die zuweilen auch gegen eine Übermacht gelangen, hätten nicht ohne große Selbstkontrolle und das Bewusstsein, sich in ein Ganzes einordnen zu müssen, gelingen können.

Die Alt-Right muss sich definieren

Es kann auch nicht angehen, dass sich jeder beliebige Teilnehmer per Eigenermächtigung zu einem offiziellen Sprecher erklärt, sei er auch eine mehr oder weniger bekannte Person. Mir würde es nicht im Traum einfallen, bei einer Demonstration, bei der ich nicht auch als Redner angekündigt wurde, plötzlich das Wort zu ergreifen oder auch nur ein Presseinterview zu geben. Dies ist schon alleine ein Gebot der Höflichkeit und des Respekts.

Bei einer Veranstaltung muss klar sein, wer etwas zu melden hat und wer nur ein Gast ist. Natürlich gehört es zur Taktik der Presse, bevorzugt irgendwelche beschränkten Grobiane zu interviewen und deren bornierte Ansichten als die alleinigen und genuinen Standpunkte der Bewegung darzustellen. Rechts sein bedeutet auch ein gewisses Elitedenken. Für jeden wackeren Kempen gibt es eine sinnvolle Aufgabe zu erfüllen, doch die Wortführerschaft hat die intellektuelle Elite für sich zu reservieren.

Jeder Internet-Nazi ist auf einmal „Alt-Right“

Seit einer Weile hängt sich fast jeder Internet-Neonazi gerne das Attribut „Alt-Right“ um, einfach weil diese politische Strömung derzeit so erfolgreich ist. Sie ist gegenwärtig mit Gewissheit diejenige Szene, welche am meisten für sich beanspruchen kann eine richtige Avantgarde zu sein. Sie hat Grenzen eingerissen und bisher einiges als unmöglich geltende doch möglich gemacht. Als Zirkulationsraum von Ideen, als rein geistige Sphäre, war ein enges Abstecken des Terrains nicht notwendig.

Mit dem Tritt nach außen wird jedoch genau dies erforderlich. Die erfolgreichen Gruppierungen der Alt-Right müssen einen gewissen Konsens finden, welchen Stil man gemeinsam nach außen tragen will. Dies darf natürlich nicht zu einer Beschränkung einer vitalen und fruchtbaren Debatte führen, für die gerade die Alt-Right in solch besonderem Maße steht.

Das Establishment geht über Leichen

Die Schuld an dem tragischen Tod in Charlottesville tragen in erster Linie der Bürgermeister der Stadt und der Gouverneur von Virginia Terry McAuliffe, der sich nach wie vor beharrlich weigert, die linke Gewalt zu verurteilen. Das ist nicht verwunderlich, hat man doch bewusst das Aufeinanderprallen der beiden Gruppen organisiert. Obwohl tausende Polizisten und sogar Soldaten der Nationalgarde im Einsatz waren, wurden die verschiedenen Demonstrationen nicht getrennt.

Linke Gewalttäter und ihre Verbündeten der rassistischen Bewegung „Black Lives Matter“ wurden in keiner Weise von ihrem Tun abgehalten. Sie durften mit Flaschen, die mit Beton und Fäkalien gefüllt waren, werfen, und mit Knüppeln und Pfefferspray auf die Patrioten losgehen. Es wurden lediglich drei Personen verhaftet. Zahlreiche Bilder beweisen, wie die Beamten einfach nur daneben standen und teilweise sogar die Opfer der Gewalt auslachten. Die Alt-Righter wurden mit Absicht eingekesselt und ihrem Schicksal überlassen. Auch die Situation, in welcher der unglückselige Unfallfahrer anscheinend die Nerven verlor, ist dadurch künstlich verursacht worden und hätte verhindert werden können.

Die Linke wird weiter auf Gewalt setzen

Ein Einsehen dieses grob fahrlässigen, wenn nicht gar vorsätzlich kriminellen Verhaltens ist weder von Seiten des Staates, noch von Seiten der linken Krawallmacher zu sehen. Vielmehr scheint die geifernde Einheitspresse sich regelrecht über den sinnlosen Tod dieser Frau zu freuen, da sie nun einen Vorwand hat in widerlicher und pietätloser Form dieses Unglück für ihre Hetze zu missbrauchen.

Als der Veranstalter der Demo, Jason Kessler, eine Pressekonferenz geben wollte, kam es gleich wieder erneut zu einem Ausbruch einer regelrechten Pogromstimmung. Kessler musste von schwer bewaffneten Einsatzkräften evakuiert werden. Auch in Durham wütete ein Mob und riss ähnlich wie die islamistische Terrortruppe ISIS eine Statue ab.

Es bleibt also zu befürchten, dass das Establishment weiter auf Eskalation setzen und auch weitere Tote und Verletzte billigend in Kauf nehmen wird, um dadurch eine Möglichkeit zu finden, die Alt-Right zu kriminalisieren. Für diese verschärfte Situation wird man eine vernünftige Strategie entwickeln müssen. Nicht zuletzt wird dafür auch das Ausscheiden von unverlässlichen Elementen notwendig sein.

(Bild: Karla Cote, flickr, CC BY-ND 2.0)

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Jahrgang 1986, aus Wien, studiert Philosophie (MA) und ist regelmäßiger Autor bei der Blauen Narzisse, Zur Zeit und Der Eckart. Maßgeblich war er beteiligt an PEGIDA in Österreich. Zudem ist er Gründer und Obmann von "OKZIDENT - Verein zur Förderung von Rechtsstaatlichkeit".

7 Kommentare zu “Die Lehren aus Charlottesville

  1. Alt Right

    Am allerschlimmsten ist, daß Trump den Linken in die Falle getappt ist und sich von »Rassisten, Neonazis und dem Ku Klux Klan« distanziert hat bzw. deren »Gewalt« verurteilt hat. Er hat sich damit völlig unnötig von den Roten vor ihren ideologischen Karren spannen lassen. Den die Linken bauen weltweit am Narrativ der »bösen gewaltgeilen Rechten«. So etwas unterstüzt man als Konservativer nicht!

    Warum hat Trump nicht statt dessen der Weltöffentlichkeit die Gefährlichkeit der linkterroristischen Antifa aufgezeigt?

    Es waren in Charlottesville an dem Wochenende mehrere Tausend Rechte und ebensoviele Linke auf den Straßen. Laut Polizei auf beiden Seiten bis zu 5.000 Mann. Für die radikalen Rechten war dies in den USA übrigens die seit den 1960er Jahren größte Zusammenkunft überhaupt! Es sei denn man zählt die Wahlkampfveranstaltungen von Trump mit dazu, wo teils auch Zehntausende zusammenkamen. Aber dies waren eher sehr bürgerliche Leute. In Charlottesville waren es aber wirklich kampfbereite Rechte, darunter viele Veteranen aus dem Irak und Afghanistan.

    Wer die Videos und die Kommentare in den Sozialen Medien der USA liest/sichtet, (was ich nur dringend empfehlen kann!) erkennt, daß die Gewalt fast immer von links ausging. Rechte wurden auf dem Weg zum Versammlungsort gezielt von der Polizei der Antifa geradezu »zugeführt« und zum Zusammenschlagen freigegeben. So etwas kommt einem aus Deutschland nur allzu bekannt vor.
    Diese Bilder zeigen unserer BRD-Medien aber überhaupt nicht.
    Somit wird dem Bürger ein völlig falsches Bild der Geschehnisse übermittelt.

    Wie im übrigen auch unsere Systempresse mit keinem Wort auf den Mordversuch an einem 24jährigen Bochumer IB-Aktivisten einging, der in der Nacht von Freitag auf Samstag von Linksextremen in Bochum beinahe tot geprügelt wurde. Wer hat davon auch nur ein Wort in der Presse gelesen? Der Beinahe-Mord an einem von uns ist wohl nicht wichtig genug…
    Wäre es anders rum gelaufen, würde sich die Lügenpresse wochenlang überschlagen!

    Auch die Story mit dem Auto ist falsch kolportiert. Bevor der Rechte sein Auto in die Gegendemo fuhr wurde er von Linken mit Steinen und Flaschen beworfen; erst daraufhin fuhr er Amok! Und auch als er dann in ein anderes Auto krachte, griff ihn eine linke Zeckenmeute sofort massiv an und hätte ihn wohl gelyncht wenn sie ihn aus dem Auto gezerrt hätten. Ihm blieb aus Selbstschutz kaum etwas anderes übrig als rabiat rückwärts zu fahren. Wer hätte das in vergleichbarer Situation wohl anders gemacht?

    Nun es gab jedenfalls genug linke Gewalt von hunderten bewaffneten maskierten linken Gewaltextremisten auf die Trump aufmerksam hätte machen können und müssen!

    Er hat sich aber der Macht der Systempresse gebeut, statt auf seinen Chefberater S. Bannon zu hören, der ihn zu Recht gewarnt hatte, den linken Schreibtischtätern auf den Leim zu gehen uns sich von seinen treuesten »Fans« zu distanzieren. Den gleichen Fehler begehen hierzulande leider immer wieder auch »gemäßigte« AfD-Politiker.

    Nun verliert Trump also die Unterstützung der radikalen Rechten ohne die er nie Präsident geworden wäre und ist bei den Linken genauso unbeliebt wie zuvor. Ein dummer taktischer Fehler von Trump! Es ist immerwieder zum Haare raufen, wie taktisch dumm manche Rechten sind.

    Trotzdem war und ist es richtig die Rechte überall zu vereinen. Die Linke macht es doch ganz genauso. Auch dort distanziert sich niemand von niemandem, ganz egal wie verrückt, terroristisch und gewalttätig die einzelnen linken Gruppen auch immer sind. Bei Rechten reicht aber schon ein »falsches« Symbol oder ein ungeschicktes Wort und schon setzt eine nie endende Distanzierungsorgie ein. Die Rechte sollte endlich erkennen, daß sie nur vereint und geschlossen eine kleine Chance hat, das Overton-Fenster des Sagbaren in unsere Richtung hin zu verschieben, sonst gewinnen die Merkel., Maas und Roth, die das deutsche Volk als ethnische Einheit für immer auslöschen wollen.

  2. Dem ist nicht mehr allzuviel beizufügen. Letztlich taucht die Frage jedoch auf, warum man die Rechten provoziert, und beim geringsten Widerstand als Bösewichte ins grelle Licht gerückt werden. Man legt es an, mit Geschimpfe und Schuldzuweisungen betreff des Weltkrieges, das deutschsprachige Volk auszurotten, weil es so grausam vorgegangen ist. Dabei hat sich das Spiegelbild aber deutlich verändert, Haßgeschür, Gewaltanwendung gegenüber Andersdenkenden kommen von Links. An dieser Stelle kommt man zum Schluss, gerade diese gegensätzlichen Linksdenker, die uns Nazis nennen, steuern doch in die Richtung der Vergangenheit, die man keinesfalls wiederholen soll und darf?

  3. Southern Rebel

    Vielen Dank, Herr Nagel, für Ihre Anerkennung Robert E. Lee und den konföderierten Soldaten gegenüber und auch für Ihre Berichten über die Vorkommnissen in Charlottesville, Ich muß dabei hinzufügen, daß bei einer Bilderstümerei in New Orleans in April vier konföderierten Denkmäler (ein davon war von Robert E, Lee) heruntergerissen wurden. Dort gab es auch Antifa und einen linken Bürgermeister. Alles wurde in der Juli Ausgabe der Deutschen Stimme berichtet.

    An Alt Right- Es stimmt was Sie gesagt haben, aber bei Trumps Pressekonferenz in Trump Tower am 15. August hat Trump die Gefährlichtkeit und die Gewalttätigkeit der Linken (the Alt-Left, wie er sagte) aufgezeigt.

  4. By the initiative »to broad the horizon of bn – (poor) people«:
    http://africasacountry.com/2017/08/what-about-human-rights-for-non-humans/

  5. „American Politics“

    „Mir sagt diese Analyse mehr zu:
    http://globalguerrillas.typepad.com/globalguerrillas/2017/08/american-politics-bad-boys-vs-mean-girls.html“ (Xerorx, 27. August 2017)

    Für ein besseres Tiefenverständnis amerikanischer Politik, empfehlen wir u.a. das Buch “Linke & Rechte – Ein ideengeschichtlicher Kompass für die ideologischen Minenfelder der Neuzeit” von Rahim Taghizadegan (Kapitel I. 5 Vereinigte Staaten von Amerika, scholarium 2017). In dem Buch geht es eher um die mentalen Grundlagen und bietet eine prägnante Darstellung einer Genealogie von Demokraten und Republikanern in Nordamerika. Wir verstehen diese Empfehlung sowohl komplementär wie auch, wenn man so will, korrigierend zu den unter obigen Link gemachten Ausführungen. Zusammenfassend: die Dinge sind weiterhin nicht so einfach wie sie auf den ersten Blick oft erscheinen. Und auch so ein Begriff wie der einer „Alt-Right“ verweist dabei auf ein amerikanisches politisches Phänomen, wie es der Begriff für den europäischen Beobachter nicht unbedingt nahelegt. So könnte man hier z.B. auch ironisch daran erinnern, daß es die Demokraten waren, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Sklaverei in den Südstaaten gegen die Republikaner aus dem Norden verteidigten; mal davon abgesehen, daß auch Führungspersönlichkeiten der Letztgenannten Sklavenbesitzer waren. Eine weltweit hysterische Linke interessiert sich natürlich nicht für derlei historische Details. Wer die „Moral der Geschichte“ angeblich auf seiner Seite hat, braucht weder Geschichtswissen noch bedarf es einer Selbstkritik (es sei denn, um „Rechtsabweichler“ wieder zur Räson zu bringen) – man ist als Linker einfach immer im Recht, politisch und moralisch sowieso! Und solange die Linke ihre pseudomoralische Deutungshoheit noch behauptet…

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