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Dunkle Täler und steile Abgründe

Lange galt die Schweiz als Idyll: Bezaubernde Berglandschaften, leckere Schokolade und Käse, ein Hort der Demokratie. Verkommt die Eidgenossenschaft nun zu einem ausländerfeindlichen Schurkenstaat?

Nicht nur Asylbewerber werden in ihren Freiheitsrechten, das Freibad aufzusuchen, eingeschränkt, nun gab es einen neuen Rassismus-Skandal: Der afroamerikanischen TV-Talkmasterin Oprah Winfrey wurde in Zürich keine Handtasche verkauft!

Mit den Worten »Die ist zu teuer! Die können Sie sich nicht leisten« wurde Winfrey von einer Verkäuferin abgewiesen, als diese sich eine 35.000 Franken (ca. 28.400 Euro) teure Handtasche anschauen wollte. Der Promi wittert nun Rassismus. Und die Boutique-Betreiberin leistet gleich Abbitte: Es sei ein Mißverständnis der Verkäuferin gewesen, man habe ja nicht gewußt, welch hoher Besuch da in den Laden komme. Und auch der Schweizer Tourismusverband ist peinlich berührt.

Vielleicht hätte sich Oprah vorher ankündigen sollen. Nicht weil sie schwarz ist, sondern weil in Europa nicht jeder ihre Quasselshow guckt und kennt. Dem Moslem Franck Ribéry würde in Detroit sicher auch nicht sofort ein roter Teppich ausgerollt. Aber nicht weil er Moslem ist, sondern weil in den USA sich kaum jemand für Soccer (Fußball) interessiert. Mit seinen markanten Narben, Folgen eines Autounfalls, würde ihn dort vielleicht sogar ein schwarzer Türsteher eines Luxushotels für ein Mitglied einer brutalen Gang halten und den Eintritt verwehren.

Doch weder die Verkäuferin noch die Schweiz sind rassistisch. Sie sind kapitalistisch. Die Verkäuferin hat sich ja nicht geweigert, die weit gereiste Kundin überhaupt zu bedienen. Selbstverständlich hätte sie die Tasche aus dem Sicherheitsglaskasten herausholen können. Schließlich hätte es der Dame eine Menge eingebracht, wenn sie gewußt hätte, daß ihr Gegenüber über geschätzte 2,7 Milliarden US-Dollar verfügt. Es war also keine Frage der Hautfarbe, sondern des Portemonnaies, welches man Menschen eben nicht immer ansieht. Denn wenn jemand denkt, der Kunde könne die Leistung eh nicht bezahlen, wird er dafür auch keinen größeren Aufwand betreiben. Rassismus wäre es, wenn man Schwarzen keine Handtaschen verkaufen würde, obwohl sie sie bezahlen könnten.

(Bild: Alan Light/flicker.com/CC)

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2 Kommentare zu “Dunkle Täler und steile Abgründe

  1. Arminius Arndt

    Ich kaufe der Dame diese Story nicht ab …

  2. Nun, in Berliner Freibädern funktioniert der Rassismus schon. Deutsche Familien trauen sich dort nicht mehr hin.
    http://rundertischdgf.wordpress.com/2013/08/07/rassismus-im-freibad-oder-nur-erhalt-der-badekultur/

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