Rezension

Eine freundliche Geschichtslinie

Dieses Buch sollten Sie unbedingt lesen! Es ist in unseren Zeiten bitter notwendig, wo allenthalben an- und geklagt wird, welche Verfehlungen und Verbrechen es in der deutschen Geschichte – zumal in der jüngsten Vergangenheit – gegeben hat. Unbenommen, das ist nötig, um daraus zu lernen, um Gleichartiges nicht wiederholen zu lassen.

Gleichwohl: Die Vergangenheit ist nicht zu ändern und die Nachgeborenen sind nicht für das verantwortlich und zu strafen, was ihre Altvorderen Mißliches getan haben. Umgekehrt aber muß die freundliche Geschichtslinie, das reichhaltige Erbe an materieller, geistiger und politischer Kultur ebenso dringend erinnert, vor allem aber bewahrt und fortgesetzt werden. Es ist Verpflichtung und Ansporn! Wer das mißachtet, wäre durchaus zu strafen.

Wir sind keine Untertanen!

Gerd Habermann liefert mit seinem Buch gleichsam einen Parforceritt durch die deutsche Geschichte, von den Germanen bis in die Gegenwart: Ununterdrückbarer Freiheitsdrang, Vielfalt der Ideen und Institutionen, Gegensätze in einer Einheit, die die deutsche Kulturentwicklung so erfolgreich haben werden lassen. Ja, auch von Hemmnissen und Niederlagen ist da zu reden. Aber ist es nicht unsere größte Niederlage, daß das Wort von Martin Luther kaum noch zitiert wird?: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem Untertan.“ (De libertate christiana)

Freilich, der wußte auch, daß er gleichwohl Untertan war (schrieb es ja auch im nächsten Satz), besonders daheim seinem Herrn Käthe, die klug, wortgewandt, geschickt, umsichtig und resolut den Haushalt führte. Und „Herr“ meint hier bei Luther die Herrschaft und keinen Mann, sondern eben eine Frau Das sei gegen alle gesagt, die die Sprache genderistisch sexualisieren wollen.

Angeln statt Fische verteilen!

Apropos Frauen: Allen Feministinnen, allen die sich für die Gleichberechtigung der Frauen einsetzen – ja, das ist leider immer noch nötig – sei das Unterkapitel „Frauenstaaten“ (S. 125-128) empfohlen. Wir brauchen keine Frauenquoten, die sie weiter in Abhängigkeit davon halten wie Bettler mit dem Almosen in der Bedürftigkeit gehalten werden. Wir sollten eher Konfuzius folgen und Angeln statt Fische verteilen.

Und wir sollten uns besinnen, was Frauen mit eigenständigen Kleinstaaten, in Politik und Wirtschaft während der oft langen Abwesenheit ihrer Männer als Krieger und Kaufleute, in Kunst und Wissenschaft geleistet haben.

Entnehmen Sie diesem Buch die vielen guten Beispiele an freiheitlichem Selbstbewußtsein. Gewinnen Sie damit Stärkung und sagen Sie es weiter.

Gerd Habermann: Freiheit in Deutschland. Geschichte und Gegenwart. Lau-Verlag Reinbeck 2020, 284 Seiten, 24 Euro


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