Alter Blog

Hartz IV und Heinsohns Visionen

Gunnar Heinsohn ist ein kluger Mann. Viel Richtiges steht in seinem Essay über Hartz VI und dessen Folgewirkungen. Jedem leuchtet beispielsweise ein, dass Einwanderung von Ungebildeten logischerweise durch Sozialhilfeanrecht für jeden Aufenthaltsberechtigten zwangsläufig die Erhöhung der Steuerlast zur Konsequenz haben muss. Verlockend ist da Wohlstand-für-alle! über die Begrenzung der Bezugsdauer der Grundsicherung erreichen zu wollen. Ein Dank an Heinsohn dafür, dass er die Katastrophe der Dummeneinwanderung anspricht, ist sicherlich angebracht. Doch die Behauptung, das amerikanische Modell sei für Deutschland erfolgversprechend, ist mehr als fraglich.

Integrationsmutti Böhmer (CDU) gestand nach dem gestrigen Urteil des Bundesverfassungsgerichtes: »Im Schnitt sind rund 40 Prozent der Hartz IV-Empfänger Migranten“. Das ist doch mal eine klare Kennzahl. Für diese die Auswanderungsanreize  zu erhöhen, wäre selbsverständlich geboten. Doch das allein löste das Problem nicht. Die Linken Kommentatoren weisen zu recht daraufhin, dass die »Bankster« aufgrund ihrer Kapitalmacht viel mehr zu verminderten Staatseinnahmen beigetragen haben, als Hartzies es könnten. Die Branchen (bzw die Leute, die von diesen leben), die aufgrund einer hohen territorialen Flexibilität das Weite suchen können, werden das selbstverständlich beim Anziehen der Steuerschraube tun.  Das Wunschdenken der Linken vom allmächtigen Steuerstaat leidet genauso wie die rechte Marktideologie schlicht an ihrer Theorielastigkeit. In der Praxis fehlt es für Deutschland ganz simpel an einer politischen Zukunftsperspektive. Warum? Weil Deutschland keine genuin politische Führung hat. Die Probleme sind, so verfahren wie sie sind, eigentlich nur noch durch ein politisches Genie zu bändigen.

Heinsohns Konzept ist, isoliert betrachtet, schlichter Unsinn. In einem größeren Rahmen wäre es das keineswegs.

Die Hoffnung der welt-online Kommentatoren, dessen Artikel werde etwas bewegen, ist naiv. Die ethnische Zersetzung Europas (wie auch des Wasp-Nordamerikas) ist entweder gewollt und geplant oder wird als zukunftskonstituierend vorausgesetzt. Oder wie soll man Das noch auffassen? Natürlich nicht von den Familienvätern und -müttern. Die wissen auch noch nichts von »gender«. Heinsohns Irrtum besteht schon darin, dass er verkennt, dass die US-Politik auch für amerikanische Caucasians keine Zukunft vorsieht. Als ginge es nur um die Verschwendung von Steuergeldern…

Verwandte Themen

Zu Ehren des Retters von Wien Die Stadt Wien hat ein kriegerisches Denkmal für den polnischen König Sobieski verhindert und möchte stattdessen um die türkischen Invasoren trauern. ...
Gegen die erdrückende Übermacht der Türken In zahlreichen Schlachten ging es um die Verteidigung der christlichen Identität Europas. Herrscher, Feldherren und mutige Kämpfer trugen dabei ihre N...
Europäischer Heroismus in reinster Form „Anabasis – der Zug der Zehntausend“. Die Überschrift gibt mehr über das Buch preis, als man sich vorstellen kann. Anabasis (Marsch oder Aufbruch ins ...

4 Kommentare zu “Hartz IV und Heinsohns Visionen

  1. Naja. Sieht man mal von dem Einwanderungsproblem ab, dann besteht der Kern dieser Regelung ja wohl die Begrenzung des Rechtsanspruchs auf Sozialhilfe auf fünf Jahre:

    Was nun unternimmt Bill Clintons Gesetz gegen eine schnell zunehmende Jugend, die nicht ausbildungsfähig ist und ihre zahlenden Mitbürger mit Gewalt bedroht? Ab 1. Januar 1997 kürzt es körperlich gesunden Amerikanern den bis dahin lebenslangen Rechtsanspruch auf Sozialhilfe auf fünf Jahre. Diese Entscheidung wird flankiert durch Trainingsprogramme für Mütter und Tagesstätten für ihren Nachwuchs. Entscheidend aber wirkt die Obergrenze von fünf Jahren. Die können am Stück oder in Raten genommen werden, damit selbst mehrere echte Notlagen abgefangen werden können.

    Mehr als ein wenig Phantasie braucht es nicht, um das abzuwandeln.

    Das Ziel wäre Hartz-IV-Karrieren zu verhindern. Wenn jemand nach fünf(?) Jahren keine Arbeit gefunden hat, der bekommt einen Berater zur Seite gestellt, der ihn daheim besuchen kann und ihm dann proaktiv kundenspezifische Vorschläge macht, wie diese Karriere zu beenden wäre. Da ginge schon etwas, gerade auch mit Leuten, die kein Deutsch sprechen. Es macht schließlich einen Unterschied, ob man die Rückkehrprämie einfach nur gezahlt oder richtiggehend aufgedrängt bekommt.

    OT: Generalsekretär der EUdSSR rügt deutsche Exporterfolge

    http://www.handelsblatt.com/politik/international/unkooperative-wirtschaftspolitik-eu-ratspraesident-van-rompuy-attackiert-bundesregierung;2527368

    Der neue ständige EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy möchte Deutschland und die anderen Mitglieder der Eurozone wirtschaftspolitisch an die Leine legen. Künftig werde man sich nicht nur – wie von Deutschland gewünscht – um die Wettbewerbsfähigkeit der Euro-Länder kümmern. Vielmehr wolle er auch „makroökonomische Ungleichgewichte“ ansprechen, schreibt Van Rompuy in einem Strategiepapier für den EU-Gipfel am Donnerstag in Brüssel, der dem Handelsblatt vorliegt.

    Damit rücken erstmals die deutschen Export-Erfolge und der deutsche Leistungsbilanzüberschuss ins Visier der EU. Weniger wettbewerbsfähige Länder wie Griechenland oder Spanien hatten ihre Probleme auch auf die exportorientierte deutsche Wirtschaftspolitik zurückgeführt. Ihre Budgetdefizite seien unter anderem auf die unkooperative Wirtschaftspolitik Deutschlands zurückzuführen, argumentieren Ökonomen.

    Künftig soll der Rat, dem Van Rompuy vorsteht, „spezifische Maßnahmen“ für alle Euro-Länder beschließen und überwachen, schreibt der Belgier. Dabei werde man darauf achten, dass die Wirtschaftspolitik jedes Landes „kompatibel mit den Richtlinien für die gesamte EU“ ist. Dies sei nach Artikel 136 des Lissabon-Vertrages möglich.

    War es nicht die Idee bei der EU, daß alle Länder etwas davon haben, weil der größere Binnenmarkt zu einer allgmeinen Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit führt?

    Wenn Griechenland nicht konkurrieren kann, dann sollen die meinetwegen Importzölle erheben. Das wäre doch sinnvoller, als eine europäische “Wirtschaftsregierung” zur Verhinderung von “Spill-Over-Effekten in der Währungsunion”, die sich dann ständig mit der EU-Wettbewerbsbehörde zofft …

  2. Zu Fasching ein Frohgesang von Karl Kraus (auf unsere Qualitätsmedien)

    Lied des Holzhackers

    Das Holzhacken ist ein bescheidenes Brot,
    Und besser lebt sich’s als Lump und Idiot.
    Das Holz dient der Menschheit zu Nutz und zur Zier,
    Und allerdings auch zu Zeitungspapier.
    Doch darin stimmt alles stolz überein:
    »Lieber Holzhacker, als bei der Presse zu sein!«

    http://wp.me/pzNay-4p

  3. Dass die Ziele hehr sind, will ich gar nicht bestreiten. Natürlich müssen die Hartz-Dynastien weg.

    Der Vergleich mit den Amis hinkt. es ist so eine West-Manie den Amis überschwänglich dankbar zu sein. Zum Beispiel Kewils Höflichkeits-Lobhudelei. Amis sind ja kein Volk, so wie wir Deutschen (außerhalb der entmenschenden Urbanisierung). Die sind ein Siedler-Mischmasch. Natürlich sind sie höflich: »So great!«, »So nice!«, »Wonderful« usw. Aber friendship meint nicht Freundschaft. Die Oberflächlichkeit im Umgang erleichtert den Erstkontakt und mutet als Touri paradiesisch an. Aber ich stehe mehr auf den deutschen Grummel, der es ernst meint, wenn er mich zum Kaffee einlädt.
    Ich halte diese Differenz für eine soziologische Konstante, die auch eine andere Politik erfordert. Wer die Amis so toll findet, soll zusehen, dass er diese Art von Freiheit dort lebt. Für Deutsche ist Befehl und Gehorsam in freier Anhängerschaft zum Befehlenden immer das effektivste Modell gewesen.
    Ich bleibe dabei: Die Deutschen sind als Volk das Beste – fleißig, gehorsam, fähig große Dinge zu tun. Aber die Kehrseite tritt bei schlechter Führung zu Tage. Die Ambivalenz will ich dabei gar nicht abstreiten. Aber das wichtigste scheint mir, dass wir überhaupt einen eigenen Charakter ausgebildet haben. Wenn der Deutsche an seine Arbeit glaubt, schlägt ihn niemand.

    Daraus folgt aber, dass politisch noch ganz andere Maßnahmen nötig wären, um eine Gesundung des Gemeinwesens zu erreichen: Arbeit ist keine Ware, sondern gewinnt metaphysischen Wert im Bezug zum Werk. Das ist ökonomisch aber gar nicht zu fassen. Wer das Ziel eines Volkes in ausgeglichenen Haushalten verortet, hat schon verloren. Dann wirft man dem Ausländer nicht mehr vor, dass er anders ist, sondern, dass er ökonomisch unnütz ist. Das ist doch beides pervers. Hat man aber ein Ziel, ergibt sich die Grenzziehung von ganz allein und man braucht solche absurden Diskussionen nicht zu führen.

    PS: Die Grostadtmasse hat mit Volk nicht allzuviel zu tun.
    PS2: Die EU ist ein Völkerkerker. Dagegen war Großösterreich ein Witz.

  4. @Druide:
    Natürlich sind die dort höflich, aber deren Höflichkeit hat eben etwas Zwanghaftes. Wenn der Kewil sich das eine Zeitlang angesehen hat, wird ihm das sicher auch irgendwann zu viel werden …

    Hinsichtlich der Wesensart der Amerikaner kann ich übrigens die ›Amerikafibel für erwachsene Deutsche‹ von Margret Boveri empfehlen.

    Ihr 1968 erschienenes Buch Tage des Überlebens habe ich erst vor kurzem gelesen. Sie schildert darin die Ereignisse in Berlin 1945 auf Basis von ihr damals geschriebener Briefe und greift zur rückblickenden Erläuterung der Ereignisse auf Memoiren von Schlüsselfiguren aus Militär und Politik, Wehrmachtsberichte, Zeitungsartikel usw. zurück. Quasi der Einstieg in die Geschichte des damals noch ungeteilten Nachkriegsdeutschlands. Emotional stands sie eher auf Seiten der Sowjets, weil Stalin sich ja gegen die Teilung positioniert hatte. Absolut lesenswert!

    Was auch noch sehr gut sein muß, ist ›Der Verrat im XX. Jahrhundert‹. Das scheint mir ihr Hauptwerk zu sein. Hier eine Rezension davon in der Zeit von 1956; damals konnte man noch recht freimütig schreiben.

Kommentare sind geschlossen.

Datenschutzinfo