Alter Blog

Hermeneutik

Wenn sich die richtigen Leute aufregen, ist alles in Ordnung. Unser geliebter Dauerstalker Röpke, feuchter Traum kleiner Antifa-Dirnen, ist so großzügig die Unschuldsvermutung für mich, den frühsenilen Doofen von der BN, gelten zu lassen. Da bin ich aber beruhigt – und auch unendlich DANKBAR.

Natürlich bin ich dumm. Muss ich ja, weil ich ja schließlich auch nicht links und progressiv eingestellt bin. Es ist wohl eine Form der mentalen Behinderung, den Segen der linken Modernität nicht zu empfinden. Quasi die Entfähigung zur Warnehmung des historischen Materialismus und des Fortschritts ins irdische Himmelreich.

Aber im Anschluss an diese kleine Polemik kommen natürlich noch echte Gedanken, die unser Publikum interessieren dürften:

Es handelt sich nämlich hier um ein hermeneutisches Grundproblem, wenn der Autor (Ich) eines gedrängten Beitrags für die Stammleserschaft eine kleine Linksammlung verzapft, ihr den roten Faden beimengt und dann ein unfreundlich Gesinnter (der Flori) die Deutung vornimmt. Dass die antifaschistische Stammleserschaft seines Blogs den Beitrag nun wahrscheinlich unter gemeinsamem Vorverständnis zerpflückt, verwundert nicht, ist aber mindestens erkenntnistheoretisch problematisch.

Das Studium des hermeneutischen Zirkels dürfte hier das Verständnis erleichtern. Dieser erklärt auch, weshalb von konservativer Seite eigentlich alles gesagt bzw. geschrieben werden kann, das Ergebnis aber immer faschistoid, rechtsextrem, extrem rechts und die IDEOLOGIE des Konservativen MENSCHENVERACHTEND sein muss.

Der gewöhnliche Antifant, beseelt von unendlicher Wahrheit und unglaublicher moralischer Überlegenheit, hat – den Anfängen wehrend (!) – nämlich das Faschistoide, Ideologische und vor allem Menschenverachtende bereits (bspw. anhand des Publikationsortes) in den Text hingelegt, bevor er ihn gedeutet hat. Und oh Wunder, das Ergebnis könnte nicht überraschender sein, der Text des Konservativen kann nur menschenverachtend, usw. sein. Bestärkt wird dieser Vorgang dadurch, dass der Antifant überzeugt ist den Leibhaftigen bzw. Ergüsse des Leibhaftigen vor sich zu haben.

Man kann das Herrschaft des Verdachtes nennen. Man kann aber auch sagen, dass die Existenz des hermeneutischen Zirkels im Politischen zwangsläufig die steigende Wahrscheinlichkeit der Unmöglichkeit eines herrschaftsfreien Diskurses mit dem steigenden Grad der Unterschiedlichkeit der Grundüberzeugungen der Kommunikationspartner bedingt.

Konservative denken zum Teil heute noch, dass die Anpassung an den Jargon des Feindes etwas bringen könnte. Dem ist aber nicht so, weil die Deutungshoheit nicht gleichmäßig verteilt ist, und gut und böse vorher festgelegt sind.

Dass das auch umgekehrt gilt, steht außer Frage. Sich in den Gegner argumentativ hineinzuversetzen, galt daher in vergangenen Tagen als Grundbedingung für eine ernsthafte Kommunikation. Ich glaube es war jesuitische Tradition, bevor man antwortet zunächst die Thesen des Gegenübers widerzugeben, um das eigene Verständnis zu überprüfen. In der Massengesellschaft mit Massenkommunikationsmitteln, ist das nicht möglich. Ein entscheidender Nachteil anonymer Kommunikation und der Vorzug des persönlichen Gesprächs.

Für den, der den Blog als Emittent nutzt, heißt das aber zwangsläufig einerseits auf eine gewisse Selbsterklärlichkeit seiner Beiträge zu achten (was aber nach Jahren der Lektüre, die auch das Verständnis des benutzten Wortes prägt, schwerer wird), aber auch auf die Wohlgesonnenheit seiner Leser zu vertrauen.

Verstandenwerden setzt Verstehenswillen voraus.

PS: Dass die Konsequenz aus dem Wissen um den hermeneutischen Zirkel ein gewichtiges Argument für das Königtum, dem alle gesellschaftlichen Gruppen gleichermaßen verpflichtet sind, enthält, sei hier nur am Rande erwähnt.

Verwandte Themen

Die Paradiese der Wissensgesellschaft Als Gesellschaft, Menschheit und Zeit wäre uns am besten damit gedient, wir blieben historisch anonym. Naturwissenschaftliche Methoden befreien u...
Frankfurt ist der Spatzen Tod Für Klimaexperten war die Sommerhitze 2003 die größte je da gewesene Naturkatastrophe. Mitteleuropa verzeichnete damals etwa 70.000 vorzeitige Todesfä...
So funktionieren die Google-Manipulationen Google zensiert munter weiter. Eines der größten Unternehmen der Welt hat sich der „political correctness“ verschrieben. Mit verheerenden Folgen für J...

5 Kommentare zu “Hermeneutik

  1. Hier wird er behandelt, auf sezession.de auch … dieser kleine Trittbrettfahrer muss jetzt mit Stolz geschwellter Brust vor seinem Computer sitzen … bekommt er doch endlich etwas Aufmerksamkeit.

    Beim kurzen Durchstöbern seines Blogs und der Darstellung auf der Antifanten-Seite viel mir nur das Lied der Ärzte »stummer Schrei nach Liebe« ein …. nur stumm ist er halt eben nicht.

    Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass die Ergüsse des F.R. auch nur einen Satz von G.K. oder Ihnen und (wenns hier auch nur der Aufhänger für den Beitrag war) wert gewesen sind.

  2. Was macht der Mann den ganzen Tag? Hat der keine Arbeit oder wenigstens ein Studium?

  3. Nils Wegner

    Also wirklich!!!

    Als ob der hochheilige KgR keine Lebensaufgabe wäre!

  4. Herr Rothämel, mit Verlaub, Ihre Wortwahl ist unter aller Kanone. Sie tun damit weder der Bn noch sich selbst einen Gefallen. Und warum dieser Terz um die ungelenken Auswürfe eines Sich-selbst-zu-wichtig-nehmenden? Weil man auch von der Sorte ist? Seien Sie also froh, daß sich jemand Ihrer angenommen hat, gleich und gleich gesellt sich gern.

  5. Herr Stechlin,
    glauben Sie mir, dass ich auch gar nicht erst darauf eingehen wollte. Die polemisierenden Anwürfe sollten nicht als Hauptteil verstanden werden und Röpkes »ungelenke Auswürfe« lediglich den Aufhänger bilden, um das Problem des hermeneutischen Zirkels darzulegen.
    (Verzeihen Sie meine Giftigkeit, aber manchmal frage ich mich schon: Wieso höflich sein, wo es doch keine Höfe mehr gibt?)

    Das dargelegte hermeneutische Problem ist aber »im Diskurs« eklatant, weil die Gegenseite immer behauptet, er fände statt bzw. er könne überhaupt stattfinden.
    Sie haben das Problem doch auch, wenn Sie jemanden, der keine Ahnung von Religion hat, etwas über Islam, Scharia, Christentum, usw. erzählen.
    Oder wie wollen Sie mit einem historischen Materialisten (und glauben sie mir das sind fast alle, die sich zu Geschichtsthemen äußern) über Geschichte diskutieren, ohne vorher metakommunikativ das eigene Verhältnis zur Geschichte erklärt zu haben? Das klarzulegen, war die Intention!

    PS: Mit Ihrem letzten Satz, ließe sich ihre Argumentation nun auch auf sie selbst anwenden. Ich bin da aber nicht so.

Kommentare sind geschlossen.

Datenschutzinfo