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Neues Mediengesetz in Ungarn: Interview mit Gergely Pröhle

Etwas besonders Originelles durften die Hörer des Deutschlandfunks heute Morgen erleben. Moderator Christoph Heinemann griff die Protestform des ungarischen Radiojournalisten Attila Monk auf, der auf das neue ungarische Mediengesetz mit einer Minute Schweigen reagierte. Heinemann schwieg dann nur 15 Sekunden, was Gergely Pröhle, den stellvertretenden Staatssekretär im ungarischen Außenministerium, nicht sonderlich beeindruckte.

Die Fragen waren dagegen äußerst unoriginell. Das Gespräch drehte sich im Kreis. Pröhle vertrat selbstbewusst seine Position, daß bisher noch keine konkreten Änderungsvorschläge bzw. Beanstandungen gemacht worden seien. Wenn diese kämen, könne man auch darüber reden:

Wenn konkrete Kritikpunkte kommen – das wiederhole ich jetzt schon zum vierten Mal vielleicht –, dann können wir mit denen genau was anfangen. Das ist nicht Erpressbarkeit, das ist Rechtsprechung, das ist Rechtsstaat, das ist Pressefreiheit, das sind europäische Werte, und genau die sind für die ungarische Regierung und für die Ungarn, die ja mit Deutschland eben in den letzten paar 100 Jahren sehr verbunden sind, sehr, sehr wichtig.

Zum Ende hin wurde es sogar noch ganz amüsant als Christoph Heinemann den Rapper Ice T mit Don Giovanni verglich und fragte, ob dieser angesichts seiner Sittenwidrigkeit überhaupt noch aufgeführt werden dürfe:

Darf ein solcher Mistkerl in Ungarn noch auf die Bühne?

Pröhles souveräne Antwort:

Ja, wissen Sie, das ist wiederum so: Mille Tré kenne ich auch sehr gut, und das passt sehr gut zum europäischen Trio mit der spanischen Präsidentschaft. Und ich glaube auch, dass Kleinkinder auch nicht in den „Don Giovanni“ gehen. Gut, wissen Sie, es gibt natürlich immer Dinge, die für Erwachsene da sind, die für Kinder da sind. Übrigens, wenn Sie sich die amerikanische Rechtsprechung und die Geschichte von Ice-T in den Vereinigten Staaten angucken, wo ja die Pressefreiheit in der Tat nicht beschränkt ist, dann können Sie aber ähnliche Regelungen finden. Insofern würde ich diese Ice-T-Geschichte wirklich nicht so hoch aufhängen, dafür viel dafür tun, dass die Kinder vielleicht mit Dornröschen anfangen, aber später auch zu „Don Giovanni“ gehen, und wie Sie die Geliebten zählen, das ist dann wieder ein anderes Kapitel.


5 Kommentare zu “Neues Mediengesetz in Ungarn: Interview mit Gergely Pröhle

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