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Oswalt Kolle, ein Konservativer

Was ist die größte politische Herausforderung der Konservativen? In den Bundestag einzuziehen? In Königsberg deutsche Schulen einzurichten? Positive Aspekte an Pinochet nachzuweisen? Den Papst als Retter zu feiern? Gegenfrage: Mal Hand hoch, wer sich für die nächsten fünf Jahre fest vorgenommen hat, eine Familie zu gründen. Und? Noch Fragen?

Für die Auseinandersetzung mit dem Themenfeld der Pornographie kurz vor Ostern, was übrigens keine Provokation war, haben wir unglaublich viel Schelte einstecken müssen. Wie kann es sein, daß wir uns solchen Schmuddelthemen zuwenden, wo andernorts die deutsche Schreibschrift untergeht? Was geht es die BN an, wenn einige Leser Pornos schauen? Was ist daran schlimm und ist das nicht privat? Solche Äußerungen müssen zu denken geben, denn sie verraten zweierlei:

Erstens: Die wenigsten haben verstanden (es besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen verstehen und drüber reden), daß es für den Konservativen die höchste Herausforderung ist, eine Familie zu gründen. Der Islam, der immer wieder von besonders engagierten Facebook-Nutzern verteufelt wird, die im Privatleben übrigens nicht mal einen zugesagten Termin einhalten können, wird seine dominanter werdende Stellung in Deutschland weiter ausbauen, wenn die Deutschen immer weniger werden. Das ist ein nüchterner Fakt.

Zweitens: Seit Felix Menzels Text über die Linken, die die Frauen haben und die Konservativen, die hinterm PC onanieren, hat sich nichts Wesentliches an diesem Zustand geändert, was darauf verweist, daß es ein typischer Zustand sein muß. Der oder die Konservative stehen sich aus ihrem Wesen heraus dort im Weg, wo sie die Bedürfnisse ihres Körpers nicht ernst nehmen oder gar religiös bedingt ablehnen.

Nun kann man natürlich niemandem vorwerfen, wenn er nicht sofort den richtigen Partner findet. Aber darum geht es auch gar nicht. Es geht vielmehr um die Einstellung, die man zu seinem Körper entwickelt, zu dem, was er einem außer dem Drang zu essen und zu schlafen und zu verdauen noch alles anbietet. Es ist keine in die Luft geschossene Behauptung, daß viele Konservative unheimlich verklemmt sind und natürlich spielt das auf dem Hochzeitsmarkt eine Rolle, weil es schlicht negativ auffällt. Dabei gäbe es auch in ihren Reihen Vorbilder, die es anders gemacht haben, die Lebensreformbewegung beispielsweise oder noch wichtiger: Oswalt Kolle. „Was!?…“, wird es jetzt einigen entfahren, „dieser blöde Achtundsechziger, der die Aufklärungsfilmchen gedreht hat? Der soll ein Konservativer gewesen sein?“ Ja war er und was für einer.

Man kann sich noch heute einen Großteil seiner Filme auf DVD bestellen, auch sein Standarddruckwerk Das Wunder der Liebe (1968) ist noch erhältlich. Sein Konzept ist denkbar einfach auf den Punkt gebracht: Die Ehe retten durch sexuelle Aufklärung. Erst, wenn die Partner um ihre Bedürfnisse und Funktionsweisen wissen, sind sie imstande, eine harmonische Beziehung zu führen, aus der dann auch Kinder hervorgehen. Und auch der oder die, die noch solo sind, steigern ihre Attraktivität dadurch, daß sie ihre Bedürfnisse als gesund und vital einstufen.

Oswalt Kolles Filme wurden von den Deutschen millionenfach gesehen. Besonders empfehlenswert sind bis heute die beiden Teile von Das Wunder der Liebe, der Dreiteiler Deine Frau/ Dein Mann/ Dein Kind – das unbekannte Wesen sowie Zum Beispiel: Ehebruch. Mit Kolle hat das Bewußtsein seiner Zeit eine Schwelle überschritten, hinter die niemand mehr zurückkonnte.

Aber der Philosoph Frank Lisson wies auch in seinem aktuellen Buch darauf hin, daß die Trennung in Körper und Geist (und damit oft die Entfernung von der eigenen Natur) eben ein elementarer Kern im Denken und Fühlen des Abendlandes ist. Kolles Gedanken müssen deshalb in jeder Generation aufgefrischt werden.

Ein Autor, der einem Kulturkreis entstammt, dem die Trennung von Körper und Geist unbekannt ist, ist der indisch stämmige Therapeut Keith Sherwood. Trotz leider sehr plakativen Titels ist sein Werk Im Bett mit Shiva. Eros, Sex und Transzendenz mehr als lesenswert. Was dem an Kolle geschulten Leser auffallen wird: Nichts ist so zeitlos wie die vielen Irrwege, die der Mensch auf dem Weg hin zu einer erfüllten Sexualität gehen kann. Sherwood unterstreicht fast 50 Jahre nach Kolle im Kern dieselben Punkte:

Wenn man sich selbst liebt und sich gestattet, seine ganz eigene sexuelle Identität und die dazugehörige Energie zu leben, hat man alles, was man braucht, um sein wahres Selbst zu verwirklichen und es mit dem Partner zu teilen.

Kolles wie Sherwoods Ausführungen unterstreichen einen wesentlichen Kern im konservativen Kosmos: Alles Denken und Handeln ist eben nicht abstrakt, sondern leitet sich immer vom konkreten Lebensumstand her, der Natur des Menschen, seinen Stärken und Schwächen, seinen Bedürfnissen und Fähigkeiten. Nur, wer damit im Einklang lebt, sie nicht verleugnet, wird ein erfülltes, produktives und geerdetes Leben führen können.

Keith Sherwood: Im Bett mit Shiva. Eros, Sex und Transzendenz – vom Vorspiel bis zum Nachglühen. 240 Seiten, Kösel Verlag, 2012. 17,99 Euro.

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27 Kommentare zu “Oswalt Kolle, ein Konservativer

  1. Lion Edler

    Ich fand zwar deinen Artikel »Warum die Angst der Konservativen vor dem Gender Mainstreaming ungerechtfertigt ist« etwas einseitig, da es trotz der richtigen Bemerkungen über verklemmte Konservative m.E. für kultivierte Menschen (du ahnst es, ich meine natürlich mich…) durchaus schwierig ist, sich in die Gesellschaft zu »integrieren«, und das liegt eben nicht nur an den Konservativen sondern einfach auch an gesellschaftlicher Dekadenz. Dennoch: deine Kritik an den Stock-im-Arsch-Konservativen ist vom grundsätzlichen Ansatz her richtig und sehr notwendig, auch in diesem aktuellen Artikel. Auch ich habe ziemlich starke Sympathien für Herrn Kolle, wobei ich mich bisher nicht so ausführlich mit ihm beschäftigt habe. Er zeigt in der Tat, dass Konservatismus und Liberalismus eben sehr wohl zusammen gehen können. Kolle hat ja auch mal gesagt, dass Sex mit mehreren Partnern dazu dienen kann, eine Ehe langfristig zu stabilisieren.
    http://www.youtube.com/watch?v=LR9EXEprYk0&feature=relmfu
    (ab Min. 9:10).

    In jener »Maischberger«-Sendung sagte er auch über die 68er: ,,Die 68er, das waren Tübinger Arschlöcher, Pfarrerssöhne aus Tübingen, die mehr ficken wollten. Und die haben den Mädels erklärt, dass sie politisch richtig liegen, wenn sie ihnen dauernd zur Verfügung stehen. Und wenn sie das nicht getan haben, waren sie abgemeldet, die Mädels.«
    http://www.youtube.com/watch?v=l4J0kDgrvKo&feature=relmfu

    Man kann (und muss) die 68er also auch und gerade vom liberalen Standpunkt aus kritisieren, weil es autoritäre und unaufgeklärte Säcke waren. Ganz im Gegensatz zu modernen Konservativen. Überhaupt ein sehr sehenswerter & interessanter Auftritt von Kolle bei Maischberger.

    Zum Thema, dass Konservatismus nicht spießige Sexualmoral bedeuten muss, zitiere ich im Übrigen mal aus Christopher Clarks Buch ,,Preußen«, wo es auf Seite 224 über den bekanntlich auch unter Konservativen geschätzten Friedrich II. heißt:

    ,,Auch was Fragen der sexuellen Moral betraf, zeigte er sich ungewöhnlich locker. Voltaire erzählt in seinen Memoiren vom Fall eines Mannes, der wegen sexuellen Verkehrs mit einer Eselin zum Tode verurteilt worden war. Das Urteil wurde von Friedrich persönlich mit der Begründung annulliert, in seinen Landen habe man sowohl die Freiheit des Gewissens wie auch die des Penis.«

    Nun kann man dagegen natürlich einwenden, dass das trotzdem aus dem Grunde amoralisch sei, weil man die Eselin ja nicht nach ihrem Einverständnis fragen könne, wegen der sprachlichen Barrieren. Der Punkt ist aber trotzdem: im Gegensatz zu heutigen Konservativen hätte der liberele Konservative Friedrich II. nicht nur keine Debatten über vermeintliche sexuelle »Verlotterung« geführt, sondern auch nicht über die vermeintliche Notwendigkeit von Minarett-Verboten und Moscheebau-Verhinderungen. Und da schließt sich dann der Kreis, da du auch in deinem Artikel die sog. »islamkritischen« Konservativen kritisierst. mfG, L.Edler.

  2. Zum einen denke ich, daß es, solange Sex noch unweigerlich zu Verantwortung in Form von Kindern geführt hat, die Voraussetzungen, die die Kirche für Sex aufgestellt hat, durchaus sinnvoll und geradezu zwingend notwendig waren. Uneheliche Kinder in Abwesenheit von Hartz4, Kinderkrippe und Kindergarten usw. waren ein Schicksal, das auch ohne die damals damit einhergehende Ausgrenzung aus der Gemeinschaft der Rechtschaffenden hart genug war. Es war früher vollständig gerechtfertigt mit allen Mitteln dieses Unglück zu verhindern. Heute, wo Sex ohnehin kaum mehr zu Verantwortung führt, wo man Kinder in die Hände des Staats geben und als Frau auch ohne Mann auskömmlich leben kann, erscheint mir die restriktive Handhabung von Sex außerhalb der Ehe ein Anachronismus. Und wenn es keinen sachlich diskutierbaren Grund mehr gibt, wieso sollte man sich selbst oder anderen diesbezüglich Vorschriften machen wollen?

  3. Vinneuil

    Quatschalarm: Zur Zeiten des Alten Fritzen war sowohl die allgemeine Sexualmoral auch noch recht fest, weswegen er sich darüber den Kopf nicht zerbrechen, wie auch Preußen verschont von Moscheen und Minaretten gewesen war, welche zu verbieten es daher auch überflüssig war und es sich auch leicht schwadronieren von peuplierenden anständigen Muselmanen.

  4. Sebastian

    Wahni:

    Ich bin da anderer Meinung. Ich glaube, dass es ein Fehler wäre, in solchen Fragen mit der Zeit zu gehen, bloß weil der Zeitgeist einem die Grundlage für die Argumentation entzogen hat. Wenn die »Konservativen« sich von den Irrungen und Wirrungen der heutigen Gesellschaft diktieren lassen, welche Themen jetzt noch sachlich diskutierbar sind und welche nicht, dann gibt es keinen Grund mehr, konservativ zu sein. So kann ansonsten doch eine Position nach der anderen aufgegeben werden. Das macht in einer Sackgasse, wie beispielsweise der Frage nach dem Fortbestand des Nationalstaates, vielleicht Sinn, aber bei manchen Themen und gerade wenn es um zwischenmenschliche Beziehungen und moralische Fragen geht, habe zumindest ich ein Menschenbild, das sich fundamental von dem dieser Gesellschaft unterscheidet. Ich bin der Überzeugung, dass meine Vorstellung würdevoller und »besser« ist, warum also Zugeständnisse an die Gegenposition machen? In Zeiten der Alternativlosigkeit kann ein »stockkonservatives« Menschenbild eine echte Alternative sein, nach der die Menschen heute schon suchen. Der ursprüngliche Text von Benjamin zielt ja auch auf etwas anderes ab: Nämlich die überfällige Loslösung von bestimmten burgeoisen Konventionen, die letztendlich nichts anderes waren als der Ersatzkleister, der die traditionellen Strukturen irgendwie vom Landleben in die Städte hinein retten sollte (hierbei ist vor allem an die »traditionelle« Rollenverteilung zu denken).

  5. Lion Edler

    @ Vinneuil:
    Wie definieren Sie eine »recht feste« Sexualmoral? Herr Kolle erklärt in dem von mir erwähnten »Maischberger«-Auftritt, dass z.B. die heutige Jugend entgegen den Clishées faktisch eine äußerst strenge Sexualmoral hat. Dagegen beschreibt eben wie gesagt Clark den Friedrich II. als »locker« in Fragen der Sexualmoral, und ich nannte ja das Beispiel mit der Eselin.

    Und was Moscheen & Minarette betrifft: ich schrieb ja »hätte«, d.h. rein hypothetisch. Und würden es Friedrich II. oder zumindest Preußen allg. heute noch geben, würden diese sich wohl kaum mit solchen egalitären Ultra-Unsinn-Unionen wie »Pro Deutschland« oder »Die Freiheit« solidarisieren, sondern wohl schon eher mit dem konservativen FAZ-Mann Patrick Bahners, der mit seinem sehr lesenswerten Buch »Die Panikmacher« den sogenannten »Islamkritikern« mal gezeigt hat, was eine konservative Harke ist. mfG, L.E.

  6. Vinneuil

    @ Lion Edler

    Die Sittenstrenge von Preußen anno 1740 ist ja wohl kaum mit einer unter Umständen so zu nennenden Privatmoral von heute sinnvoll zu vergleichen. Darüber muß man nun wirklich kein weiteres Wort verlieren, sofern man noch auch nur ein bißchen historische Maßstäbe besitzt. Das Beispiel mit dem Esel zeigt wohl eher, daß Friedrich Sinn für Humor hatte.

    Ja, »hätte« die Königin Eier wäre sie die Königin, aber selbst als Hypothese ist das Unfug. Und Preußen gibt es eben schon lange nicht mehr, insofern ist es müßig zu spekulieren, was die Preußen denn heute getan hätten, denn wenn es die Preußen noch gäbe, dann gäbe es auch keinen Kulissenstaat wie die BRD und deren mentale Gewächse à la Bahners. Das Bahners-Buch für eine harte »konservative« Harke zu halten, und seinen Autor für einen Konservativen ist ein Fall für die Kategorie jenseits von Gut und Böse. Die genannten Parteien sind eher identitär als »egalitär«, denn sie plädieren dafür, die Ungleichen auch ungleich zu behandeln, »egalitär« sind dagegen jene, die sie bekämpfen.

  7. Verklemmter

    Die 68er vom konservativen Standpunkt aus zu kritisieren, hieße also vor allem, sie zu kritisieren, weil sie »autoritäre und unaufgeklärte« Zeitgenossen, also nicht liberal genug waren…
    Das machte einen »modernen Konservatismus« aus oder zeigte, daß »Konservatismus und Liberalismus eben sehr wohl zusammen gehen können«.

    Kolle, der »Konservative«, »hat ja auch mal gesagt, dass Sex mit mehreren Partnern dazu dienen kann, eine Ehe langfristig zu stabilisieren«.
    Aus dem Plädoyer eines »Konservativen« für die Polygamie soll wohl folgen, daß »Konservatismus nicht spießige Sexualmoral bedeuten muss«.

    Wahrscheinlicher ist aber, daß er einfach nur längere ungefüllte Kaufregale und größere leere Vitaminpillenverpackungen bedeutet, einen Liberalismus ohne Paragraphen gegen »Menschenrechtsverletzungen« vielleicht.

  8. Enkel des HJ-Wolf

    So a Schmarn!

  9. Lion Edler

    @ Verklemmter:

    Es muss ja nicht gleich ein »Plädoyer« für die Polygamie sein, sondern nur für Gelassenheit gegenüber diesem Vorgang, und dafür, solche Vorgänge nicht als schlechter oder weniger wertvoll einzustufen als die Monogamie.

    Konservatismus impliziert ja auch das Bewusstsein über den tierischen Charakter des Menschen und der daraus folgenden Notwendigkeit eines Überlebenskampfes (Demographie, Militär etc.). Doch laut Biologen sollen ja nur 3-5 Prozent der Säugetiere monogam leben, bei den nichtmenschlichen Primaten sollen es etwa 15 Prozent sein.

    In der Tat: ich kritisiere die 68er vor allem dafür, dass sie nicht liberal genug waren, sondern de facto waren sie ja extrem anti-liberal & anti-pluralistisch eingestellt.

    In diesem Zusammenhang noch einiges Interessantes zum Verhältnis zwischen Konservatismus und liberaler Sexualmoral: manche alt-konservative Moral-Apostel hatten sich ja bekanntlich stark aufgeregt über die Positionen des Herrn Hans-Christian Ströbele zum Thema Inzest. Ein Blick auf die Weltkarte im Wikipedia-Artikel zum Thema Inzest offenbart jedoch Erstaunliches: danach gibt es entsprechende Verbote in dieser Sache offenbar fast nur in einigen Ländern des dekadent-linken Westens, so etwa in der feministischen und politisch korrekten Linken-Hochburg USA, sowie im Antifa-Paradies und linken Hochsteuerland der BRDDR, weiterhin in sämtlichen Gründungsmitgliedern der neosozialistischen »EUdSSR«. In anderen Teilen der Erde hingegen, die ja im Schnitt eher deutlich konservativer als die genannten Länder sein dürften, kann man(n/frau) es laut der Wikipedia-Weltkarte offenbar weitgehend halten wie ein(e) Dachdecker(in).

  10. Verklemmter

    Nein, ich habe es endlich kapiert.
    Die drei großen Ks, Kommunismus, Kapitalismus und Konservatismus: alles nur verschiedene Wege zum »wahren Liberalismus«, zur »guten Freiheit« und zum »schönen Freiheitsgefühl«.
    Sie alle drängen zu diesem aussichtsreichen Tunnellicht des aussichtslosen Nichts hin. Nur halten sie jeweils verschieden laute und lange Weichflötenkonzerte ab, während sie »vorwärtsmarschieren«.

  11. Verklemmter

    Ein jeder möge nach seiner Facon selig werden; f*** mich nicht, und ich f*** dich nicht…
    Die typische – liberale – Scheißegal-Haltung gegenüber allem, jedem und sogar sich selbst. Die Freikarte für den langsamen Schwingflug einer »Gesellschaft« hinunter in den Abgrund.

  12. Johannes Schüller

    Bei aller Liebe… Aber derart generalisierend zu behaupten, dass Konservative per se oder zumindest in der Mehrheit einen »Stock im Arsch haben« ist schlichtweg schon rein empirisch falsch. Wer auch nur ein paar »konservative« (wenn dieser Stempel denn als Klammer genügen dürfte) Freunde hat, weiß das dies falsch ist. Ich kenne vielmehr Konservative, die eher eine Testosteronbremse bräuchten und gegenüber Damen zu aufdringlich sind. Als Exempel genügt der Besuch des BT, eines BN-Autorenseminars oder des JF-Sommerfestes und das (selbstkritische) Beobachten der 20-35jährigen Männer bei Anwesenheit von ein – zwei Damen auf dem Dampfer!

    Spaß beiseite: Die »Familienunfähigkeit« ist kein genuin konservatives Problem sondern eines, dass einen Großteil der Männer und Frauen unter 40 heute in West- und Mitteleuropa betrifft. Dies mag an Willensschwäche, Unverbindlichkeit, begründeter individueller Ablehnung oder Unfähigkeit liegen, unser Milieu bleibt damit aber nur Bestandteil eines gesamtgesellschaftlichen Phänomens. Wir wachsen nicht in einem mit Dirndl, Keuchheitsgürtel und Pfarrei gesäumten Biotop auf, sondern leben in Städten, haben einen unpolitischen Freundeskreis, haben menschliche Probleme und werden stark beeinflusst von übergreifenden genetischen, soziologischen und kulturellen Entwicklungen. Mit dem Ziel einer kurz- oder langfristigen Familiengründung zu handeln, heisst nicht, diese Einflüsse zu ignorieren oder in pauschalisierende Arroganz zu verfallen, sondern unter den gegebenen Umständen den moralisch und lebensstrategisch sinnvollsten Weg zu gehen, um seine Ziele zu erreichen – ohne in Kolle oder Spenglers Elfenbeinturm zu landen.

    Warum Familien nicht zustandekommen oder scheitern, liegt zumeist an zwei Personen. Insofern kann weder allein der »Konservative, der hinterm PC onaniert« noch die vom bösen Gender-Mainstreaming beeinflusste Frau allein schuldig sein. Dieser Webblog-Eintrag ist eine radikal vermessene Antwort auf die ebenso übertriebene Überschätzung des Minderheitenphänomen »Gender Mainstreaming«. Wenigstens etwas Differenzierung und Vor-die-Haustür-gehen wäre angebracht. Aber offenbar ist es einfach, im Drei-Wochenrhytmus die Leier von den »onanierenden Konservativen« (ja, und?) abzuspulen, anstatt sich mit dem Milieu wirklich einmal differenziert auseinanderzusetzen.

  13. Lion Edler

    @ Johannes Schüller:

    Das mit dem »Stock-im-Arsch« meine ich selbstverständlich NICHT für alle Konservativen, sondern für einen »verklemmten« Teil. Gerade deswegen verweisen Zschocke und ich ja auf Oswalt Kolle, weil solche Personen eben zeigen, dass Konservatismus eben nicht automatisch Sauertöpfigkeit und Lustfeindlichkeit bedeuten muss. Es war deswegen keinesfalls »generalisierend« von mir gemeint, wie du in deinem Kommentar meinst. Auch gebe ich dir völlig recht, dass die »Familienunfähigkeit« natürlich nicht nur an den Konservativen liegt. Ich habe deshalb ja auch in meinem ersten Kommentar ganz oben betont, dass ich den früheren Text von Zschocke zum Thema »Die Angst der Konservativen vor Gender Mainstreaming« etwas einseitig fand. Aber über Dekadenz & Co ist hier schon so viel geschrieben worden. Und in einem Organ wie die BN, die vor allem konservatives Clientel erreicht, ist Selbstkritik logischerweise aufgrund des Publikums effektiver als Kritik am Rest der Gesellschaft, die diese Kritik ohnehin kaum erreichen kann.

  14. Johannes Schüller

    @ Lion

    Meine Kritik bezog sich nicht auf Dich, sondern auf Benjamins Eintrag. Du schreibst ja richtig, dass das Verhältnis zwischen Konservativen und Gesellschaft wechselseitig ist und es dementsprechend auch verschiedene, von konservativen praktizierte Lebensmodelle gibt – eben mehrseitig bedingt.

    »Und in einem Organ wie die BN, die vor allem konservatives Clientel erreicht, ist Selbstkritik logischerweise aufgrund des Publikums effektiver als Kritik am Rest der Gesellschaft, die diese Kritik ohnehin kaum erreichen kann.«

    Das läuft genau auf die »Bauchnabelschau« hinaus, die wir unter den Konservativen bereits zu genüge haben. Ob ich das thematisch mit »konservativem Spießertum« bzw. Sexualverhalten etikettiere, mich sarkastisch über die zigtausendste Anti-Rechts-Kampagne aufrege oder die Facebook-Gammelei mancher Leser oder Autoren kritisiere: Nach aussen weckt das den Eindruck eines permanent mit sich selbst beschäftigten, der Außenwirkung unfähigen oder zumindest unwilligen politischen Lagers und erinnert an die Runden zur wöchentlichen »sozialistischen Selbstkritik« der Komintern.

    Zehnmal besser wären Artikel wie etwa die Neon-Reihe, die sich offensiv mit der gesellschaftlichen Entwicklung auseinandersetzen und zeigen, dass wir zu solchen Themen eine differenzierte, durchdachte und klare Position vertreten. Mit permanenter Bauchnabelei und öffentlicher Einschlagerei auf die eigenen Leute macht man sich schwächer, als man je sein könnte.

  15. würde jemand heute noch ernsthaft die zugespitzten thesen der bild-zeitung kritisieren? könnte da ein prinzip dahinter stehen?

    @ johannes:

    ich finde es »sehr gut«, wenn wir interne themen und probleme in der offentlichkeit breittreten. das sollten wir öfters tun.

  16. Johannes Schüller

    @ Benjamin

    Es macht einen großen Unterschied, ob man interne Meinungsverschiedenheiten zur Sexualität, Politik etc. öffentlich diskutiert (also auch differenziert bespricht) oder ob man im Drei-Wochen-Takt das Gros der eigenen Leute als verklemmte, notgeile Spießer darstellt. Ersteres ist immer notwendig, letzteres ein Eigentor und schlechte PR. Dahinter steckt der Wille, das eigene Lager permanent in Sachen Privatleben erziehen zu wollen. Das mag intern angehen, aber auf einem Webblog irritiert und verschreckt es.

    Niemand wird aufgrund von noch so klugen Blogeinträgen sein privates Sexualverhalten ändern. Wer sich das Ziel gesetzt hat, eine Familie zu gründen und sein (Sexual)verhalten zu reflektieren, dem genügt ein Link zu Oswald Kolle ohne Publikumsbeschimpfung. Der Rest ist Erfahrung, im Schlafzimmer und in den bisherigen Beziehungen. Provokative Blogeinträge ersetzen keine langsamer, aber fundierter wachsende Erfahrung in Ehe und Beziehung: Mit allem Schmerz und aller Freude. Das beste bleibt immer noch, es vorzuleben. Von daher würde ich mich höchstens von jemanden kritisieren lassen, der Kinder und Frau vorzuweisen hat… Alles andere wirkt arrogant und unreif.

  17. Da muß ich Johannes unumwunden zustimmen. Wieviele eheliche/uneheliche Kinder hat denn Benjamin? Die These des verklemmten Konservativen ist fast schon wieder lustig. Und wenn ich mir bei den Linken die Weiber anschaue, naja, lecker sind die meistens nicht wirklich. Aber ist auch egal, gutausehende werden umgedreht nach eingängiger Gehirnwäsche.

  18. ich habe vier uneheliche kinder und drei adoptierte.

  19. Na dann bin ich ja beruhigt und viel Spaß mit ihnen.

    P.S. Ich hoffe es handelt sich aber um drei deutsche Adoptivkinder.

  20. Johannes Schüller

    Die schöneren Frauen haben wir sowieso. Und der Rest kommt, wenn wir aus der Looser-Ecke raus sind. 😉

  21. Johannes Schüller

    Sasha Grey ist doch bestimmt auch liberal-konservativ, oder?

  22. Wat fürn Ecke? Ich stehe auf der Treppe ganz oben.

  23. Johannes Schüller

    Politisch natürlich! Aber der Thilo reisst uns raus, der alte Frauenschwarm!

  24. Mmhhh stimmt, seine Frau ist schon eine ziemliche Schnecke?!?

  25. Der Sexualismus, also das ständige Kreisen um das Thema Geschlechtsverkehr und wie mache ich es mit wem und mit mir selbst und richtig, ist doch auch nur Symptom dekadenter Auslaufmodelle. Verantwortungsunlust, Infantilität, Egozentrik, Langeweile – daraus speisen sich allerhand Entartungserscheinungen, die in ursrpünglichen Gesellschaften nicht auftreten. Gesellschaften, in denen Frauen und Männer spätestens mit 20 verheiratet sind und sich sich um eine Handvoll Kinder kümmern müssen, in denen das Tagwerk so schwer und erfüllend ist, daß für Gayparade und Youporn keine Zeit bleibt.

    Sich dem ursprünglichen Leben zu stellen, wäre doch ein erstrebenenswerters, lebendigeres, sowohl in Traditionen verwurzelteres als auch zukunftsweisenderes Ziel, als die ständige intellektuelle Selbstfindung und Selbstdefinition als Konservativling.

  26. schuler

    kann jetzt bitte mal jemand diesen zschocke entjungfern, damit er nicht mehr so verspannte texte schreibt?

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