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Singuläre Perestroika?

Einen interessanten Blick hat Martin Lichtmesz heute auf die uns allen doch recht am Herzen liegende Bewältigungsbewältigung geworfen. Ich stimme zu, dass immer mal wieder entnervte Stimmen medial zugelassen werden, die die logischen Mängel der ritualisierten Neurosen der deutschen Öffentlichkeit dem Leser bzw. Zuhörer fast zum Greifen nahe bringen. Doch mit Logik hat das alles eben nicht viel zu tun, weshalb die Kraft des Arguments in der Summe nicht zählt. Es ist ein religiöser Kult, der von seiner eigenen Diktion lebt. Ein perverser Totenkult sogar.

Ich bin weniger optimistisch in Bezug auf den Gedanken an eine allgemeine, linear einsetzende Perestroika. Untergründig mag das vielleicht zutreffen, insbesondere durch das physische Ausscheiden der vehementesten Singularisten, aber eher ist anzunehmen, dass der Bogen nochmal kräftig überspannt werden wird. Entscheidend ist, wie lange es noch möglich sein wird, in der Öffentlichkeit stehende Persönlichkeiten zu einem Bekenntnis zu zwingen, bzw. bei dessen unterbleiben zu bestrafen. Ein solches Bekenntnis enthält in der Regel mindestens eine der folgenden Wendungen: sechs Millionen, menschenunwürdig, menschenverachtend, singuläre Verbechen, wissen ja bereits, haben ja gesehen, historische Verantwortung, Scham, Schande, sowie den Namen eines oder mehrerer Konzentrationslager; und geht einher mit einer geradezu inbrünstig zur Schau gestellten Verehrung des jüdischen Kultus (bes. durch die FrauInnen), der auch gleich mit zu einer, wenn nicht gar der Wurzel der germanisch-christlichen (vulgo: europäischen) Kultur – quasi als nachträgliche Wiedergutmachung – gemacht wird.

Das deutlichste Zeichen für die selbstverordnete Knechtschaft der deutschen Intelligenz liefern dann diejenigen, die sich nun auch noch einen Juden als Zeugen für die Richtigkeit ihrer Auffassung herbeiholen, um mithilfe seiner allgemeinen Indemnität die intellektuelle Auseinandersetzung zu gewinnen.

Selbstverständlich habe ich auch ein aktuelles Beispiel parat. In der Papierausgabe der Thüringer Allgemeine vom 11.11.2010 (hier online) erschien ein Artikel über einen Betrug iHv 42 Mio. $ zugunsten von Nicht-Entschädigungsbedürftigen, an dem auch Mitglieder der bekannten Jewish Claims Conference beteiligt gewesen sein sollen.

Diese Meldung durfte aber die Redaktionssitzung der TA nicht passieren, ohne dass die entsprechende Bewältigungspropaganda dazugeschaltet worden wäre. Denn gegen den möglicherweise an der Richtigkeit fortlaufender »Entschädigungen« zweifelnden Leser darf der Feullitonist der TA – Henryk Goldberg – leitartikelnd »Die Kraft der Toten« einsetzen:

Ausgerechnet. Es gibt kein anderes historisches Ereignis, das von den Nachgeborenen ein solches Maß an Respekt und Demut einfordert. (Übersetzt: »von Euren Nachgeborenen« oder bloße Propagandafloskel. Vermutlich das Zweite. Respekt für den Holocaust einzufordern, sollte einem Nichtjuden jedenfalls in Deutschland besser nicht passieren.) Und deshalb gibt es auch nichts Vergleichbares, das eine solche moralische Unangreifbarkeit in sich selbst benötigt als eine Art Schutzschild gegenüber den Anwürfen derer, die diesen Respekt und diese Demut verweigern.

Dieser Schutzschild wurde jetzt beschädigt.

Dieses Gaunertum, gewissenlos, hemmungslos, verantwortungslos, beschmutzt in gewisser Weise sogar die tatsächlichen Opfer, obgleich die im Namen Deutschlands beschmutzt wurden auf singuläre Weise. (Die Gauner haben vielleicht beschmutzt, aber nicht singulär! Achtung wichtig, deshalb ist der Satz auch so gestelzt.)

Denn in der öffentlichen Wahrnehmung wird mancher der Überlebenden, laut oder leise, die zutiefst beleidigende Frage auszuhalten haben, ob er nicht schließlich auch nur ein kleiner Geschäftemacher sei. (Richtig!)

Das zynische (wieso zynisch?) Wort von der Holocaust-Industrie wird wieder Konjunktur haben. Denn der Umgang mit diesem deutschen Erbe ist immer wieder ein Thema, nicht nur unter Rechtsradikalen. (Holocaust-Industrie ein deutsches Erbe? Jetzt gehts aber los! Oder worauf bezieht sich dieses deutsche Erbe? Oder etwa deutsch-jüdisches Erbe? Ich bitte Sie Herr Goldberg…)

Es gibt einen Trend zur entspannten Leichthändigkeit, einen Trend, die Freiheit von individueller Schuld zu übersetzen in eine Freiheit von historischer Verantwortung. (Erster Teil des Satzes passt nicht zum zweiten Teil des Satzes, Propaganda)

Die Historisierung des Holocaust wird nicht aufzuhalten sein, irgendwann einmal wird man das betrachten, wie wir die Hexenprozesse betrachten. Aber so lang es noch Überlebende gibt, ihre Kinder und Kindeskinder, haben wir kein Recht auf diese Betrachtungsweise.

(Mit Abstand der deutlichste Absatz und zugleich aufregendste Teil des Artikels. Die Historisierung wird nicht aufzuhalten sein, aber »wir haben« kein Recht zu dieser Betrachtungsweise! Und wie lange? Na solange es Überlebende, Kinder und Kindeskinder gibt. Wessen Überlebende, Kinder und Kindeskinder? Na jüdische UND deutsche (wegen den Hexenprozessen!). Zuerst dachte ich, dass das »wir« besser mit »ihr Deutschen« zu übersetzen wäre, doch das ist ganz und gar falsch. Auch die Juden dürfen den Holocaust nicht historisieren, solange wir Deutschen noch nicht mit dem Verschwinden aus der Weltgeschichte bestraft wurden. Diese Botschaft ist auch an die Mitjuden gerichtet, die zu einer Versöhnung mit uns Deutschen bereit wären (spez. die Russlandjuden, die mittlerweile die Synagogen dominieren). Hier tut sich eine alttestamentliche Tiefendimension des deutsch-jüdischen Schismas auf, das bestimmte jüdische Kreise offenbar als unaufhebbar ansehen. Gerechtigkeit heißt hier »Auge um Auge, Zahn um Zahn.« Die Vergebung ist neutestamentlich. Dass die westliche jüdische Lobby aus wohlbewußtem Eigeninteresse uns das Recht zur Historisierung absprechen will, sollte uns allerdings nicht daran hindern, es einzufordern!)

Diese Millionenbetrüger sind Gauner der gewissenlosesten Art. Es steht nirgendwo geschrieben, dass einer kein Gauner sein kann, nur weil er ein Jude ist. (Richtig!) Doch wir dürfen den Betrügern nicht mehr moralische Prägekraft zubilligen als sechs Millionen Toten.

(Aha! Ergebnis stimmt. Es muss alles so weitergehen wie bisher, die paar Euros an die Falschen haben wir zu schlucken. Die magische Zahl darf am Ende nicht fehlen.)

(Hervorhebungen und farbige Kommentierungen von CR)

BAMM! Da hat er wieder zugeschlagen. In dem Text ist wirklich alles drin. Übrigens gehe ich stark davon aus, dass diese Artikel immer auch eine Botschaft an das eigene (hier jüdische) Milieu enthalten. Der Subtext, den ich versuchte offenzulegen, spricht jedenfalls nicht für einen Hang zur Perestroika. Die Zeiten werden rauher und es ist leicht möglich, dass sich bestimmte Bezugspunkte verschieben werden. Ich vermute aber, dass dazu dann eher äußere Veränderungen Anlass geben werden. Aber das war vermutlich auch eine Vorbedingung für den letztendlichen Erfolg der polnischen Perestroika.

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