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Poseners Papstkritik

Alan Posener, seines Zeichens Korrespondent der „Welt am Sonntag“ und neben Richard Herzinger ein Beispiel dafür, daß Alt-68er bei Springer heute ganz gut unterkommen können, will es wieder einmal wissen. Vor wenigen Wochen gab er dem Portal heise.de ein Interview, in welchem er sich zu dem Thema seines neuen Buches äußerte.

Dieses trägt den Titel „Benedikts Kreuzzug. Der Angriff des Vatikans auf die moderne Gesellschaft“. Das Interview, das wohl bereits einen guten Ausblick auf den Inhalt des Buches gibt, ist ein einziger Angriff auf Papst, Kirche und ihren derzeit vermeintlich vernunftwidrigen (vulgo: freiheits-, menschen- usw. feindlichen) Kurs. Posener spart wirklich keine Pauschalparole, kein abgedroschenes Klischee aus, um seinen Angriffszielen so richtig eins draufzugeben.

Hören wir selbst. Posener gibt bereits zu Anfang seinen Sinn für Humor zu erkennen, indem er auf die Frage, warum er die Kirche hasse (was er bestreitet), tatsächlich behauptet – ist es Ernst, ist es Ironie: er stehe auf einem „guten, alten preußischen Standpunkt“. Na? „Dass jeder nach seiner Facon selig werden soll – der Christ, der Muslim, der Jude, der Atheist. Wer mich in Ruhe lässt, den lasse ich in Ruhe.“

Es ist durchaus fraglich, ob Menschen wie Posener Andersdenkende wirklich gern in Ruhe lassen, wie sich im Folgenden auch andeutet. Wir haben es hier wohl eher mit dem bekannten Typus des intoleranten Toleranzverkünders zu tun.

Hören wir weiter: „Ich greife den Papst an, weil er die Demokratie und plurale Gesellschaft angreift. Er diffamiert sie als ‚Diktatur des Relativismus …’“

Es ist nicht ganz nachvollziehbar, weshalb die Scheinpluralität unserer Tage, in welchen Unterschiede vor allem an der Oberfläche liegen, während echte Personalität kaum geduldet wird, so erhaltenswert sei.

Nun kommt der erste Hammer: Posener behauptet allen Ernstes, der Papst und die Priesterbruderschaft St. Pius X stünden mit Gedanken an eine moralische Institution, der auch die Demokratie unterliege, auf einer Stufe mit den iranischen Mullahs. (Deswegen wohl spricht er auch von „einer Art Wächterrat“.)

Weiß Posener denn von dem grundlegenden Unterschied zwischen christlicher und islamischer Tradition im Politischen: daß nämlich das christliche Abendland seit jeher einen Unterschied zwischen geistlicher und weltlicher Macht kennt und beide in der Regel nicht in eins fallen; anders als im Islam?

Weiter: Posener greift die aufklärungskritische Haltung des Papstes an und moniert dessen angeblichen Drang, selbst zu bestimmen, was vernünftig sei. Woher entnimmt er diese Unterstellung? Wie er selbst sagt, ist es Anliegen des Papstes, die Vernunft durch den Glauben zu reinigen.

Hingegen scheint Posener die menschliche Vernunft, welche die Kirche doch nie in Abrede gestellt hat, zu überschätzen, und offensichtlich kümmert ihn die Wirkungsgeschichte der Aufklärung und der durch sie angestoßenen Selbstermächtigung des Menschen wenig.

Auch bezeichnet Posener die umstrittene Pius-Bruderschaft als „offen reaktionäre Vereinigung, die den kirchlichen Antijudaismus konserviert, die also mehr oder weniger institutionell antisemitisch ist.“ Zack! Mal eben nebenbei bringt Posener die Mär vom so tief verankerten „kirchlichen Antijudaismus“ ins Spiel.

Er präzisiert seinen Vorwurf: „der moderne Antisemitismus“ basiere „seinerseits auf einer zweitausendjährigen antijüdischen Tradition der Christenheit“. Hört, hört! Als ob die theologische Auseinandersetzung mit dem Judentum etwas zu tun hätte mit dem paranoiden Rassenantisemitismus der Nationalsozialisten Die Kirchenväter, Wegbereiter von Auschwitz also …

Weiter wärmt Posener die Legende von der „Schuld des Papstes Pius XII, der zum Holocaust schwieg“ auf. Daß Pius XII. mehreren Hunderttausenden Juden das Leben rettete, verschweigt er aber.

Posener regt sich in diesem Zusammenhang über des Papstes Äußerung auf, die Katholische Kirche sei ein Bollwerk gegen den NS gewesen. Da prüfe man einfach einmal, wie oft in der Tat Nazis und Kirche aneinander gerieten. Häufig genug!

Aber Posener, nachgeborener Held, erwartet vermutlich mehr. Vermutlich hätten sämtliche, zumal deutsche, Katholiken einfach nach Berlin marschieren sollen. Posener selbst hätte es bestimmt besser gemacht.

Wo wären wir aber, wenn hier nicht die deutsche Kollektivschuld ebenfalls bemüht würde? So spricht Posener von der Schuld auch „der Deutschen, die Hitler zur Macht verhalfen.“ So kann Posener auch darauf verweisen, der derzeitige Papst sei in einer Atmosphäre von Verleugnung und Verdrängung aufgewachsen und dadurch geprägt. Benedikt XVI. also erzogen durch den Mief der 50er?

Posener konstatiert witzigerweise: „Hier wird Geschichte umgeschrieben.“

Jawohl, das ist wahr!

Zum Schluß entlarvt sich der feine Journalist als atlantisch gewendeter Alt-Westlinker, wenn er das „reaktionäre System des Kommunismus“ erwähnt. Der Fortschritt soll noch weitergehen. Selbst der Realsozialismus ist da nicht etwa ein Nachweis der Falschheit moderner Grundauffassungen, sondern selbst noch von gestern. Erinnert ein bißchen an Habermas. Also, auf in die westliche Zivilgesellschaft!

Seine humoristische Ader beweist Posener ganz zuletzt wiederum durch den Verweis auf das „Halbwissen“ unserer Zeit. Ist es nicht er, der mit altbackenen Klischees und Halbwahrheiten aufwartet? Ist es nicht er, der eine „Abkehr von der Vernunft“ vollzieht, die er dem Papst im Schlußsatz vorwirft?

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8 Kommentare zu “Poseners Papstkritik

  1. Gotenstimme

    Posener ist ein ressentimentgeladener Judensproß, der seinen persönlichen Willen für global maßgeblich hält. Er gehört zu den Juden bzw. jüdisch sozialisierten, die es einem schwer machen nicht Antisemit zu werden. Michel Friedman ist noch so einer.
    Beide leiden scheinbar darunter den Holocaust »überlebt« zu haben.

    Es gibt auch Gründe, warum Posener nicht mehr bei Achse des Guten mitmischt. Einer dürfte sein, dass man ihn zeitweilig für unzurechnungsfähig halten muss. Bullshit-Posener verkörpert in sich die Arroganz des wurzellosen, marxistisch-dekonstrutivistischen und relativistischen Intellektuellen der Moderne. Er ist quasi die lebendige volkszerstörende und von Antigermanismus besessene Entortung par excellence.

    Aber Marco, man kann Leute wie ihn nicht belehren und man braucht sie nicht im Detail zu widerlegen. Es hat keinen Sinn. Wenn Posener etwas nicht passt, reagiert er wie ein kleines Kind mit lauter werdendem Gekeife. Darauf kann man aber nun sehr wohl hinweisen. Spätestens seit seinen Einwürfen zu Sarrazin, kann man Posener nicht mehr ernst nehmen.

    Man schaue sich mal seine »Publikations«liste an:

    Monographien über:
    - John Lennon
    - JFK
    - Elvis Presley
    - William Shakespeare
    - FD Roosevelt

    und (halt dich fest)

    - Maria, die Mutter Jesu

    und natürlich

    # „Imperium der Zukunft. Warum Europa Weltmacht werden muss“. (Pantheon 2007)
    # „Benedikts Kreuzzug. Der Angriff des Vatikans auf die moderne Gesellschaft“ (Ullstein 2009)

    sowie Schullektüren: „Late Again!“, „School Uniform – No Thanks!“, „The Beatles Story“, „The Shop“, „Oh! Carol and Other Steve Stories“, „The Story Bag“, „Foul!“, „Monster“ (Ernst Klett Verlag) sowie „The Double Life of a Very Black Cat“, „Elvis – the Boy Who Rocked the World“, „Olli aus Ossiland“ und „Märchenland“ (Egmont Verlag, Kopenhagen).

    Der Typ kann nicht viel mehr als fehlerfrei Deutsche Sätze bilden. Er ist nur nach oben gekommen weil sein Vater Jude ist. Da gibt es ganz andere feindliche Kaliber, die wenigstens noch etwas zu bieten haben.

  2. L'ancien régime

    In der Tat, man sollte sich von solchen Leuten nicht die Denkkategorien aufdrängen lassen. Ein Wichtigtuer ist er eben. Darum wird seine halbjüdische Abkunft ja auch gar nicht thematisiert, sie spielt nur insofern eine Rolle, als daß sie psychisch unter den heutigen Umständen in entsprechender Weise relevant ist und demjenigen ein Mittel an die Hand gibt, jenseits aller Argumentationsqualität auf seinem Recht zu beharren, in allem gehört zu werden.

    Gut freilich, daß es auch ganz andere Juden gibt.

    Aber wie gesagt, es geht ja um das letztlich von ihm Gesagte, daß es Unsinn ist, ist klar;

    warum man es im einzelnen widerlegen muß?

    Weil die von Posener angeführten Klischees nicht unwesentlich verbreitet sind.

    Er sagt doch gar nichts Neues. Das ist alles nur aufgewärmter Kaffee der letzten Jahrzehnte. Mich wundert, daß er nicht noch Hochhuth als Kronzeugen angeführt hat für die Behauptung, Pius XII. habe ja so gar nichts gegen die Judenverfolgung getan (obwohl er ja so vieles hätte machen können).

    Aber freilich, wenn ein so einflußreicher Journalist derartiges absondert, dann muß es durchaus auf- und angegriffen werden.

  3. Gotenstimme

    Die Dummheiten, die über die Kirche verbreitet werden, sind schier unendlich. Insofern haben die Freimaurer (und andere Aufklärer wie Humanisten) gute Arbeit geleistet. Insonderheit weil zunehmend »Christen« selbst den Schrott glauben und sich distanzieren.

    Spontan fällt mir ein:

    - Kirche und 3. Reich
    - Kreuzzüge
    - Unfehlbarkeitsdogma
    - Inquisition(srecht)
    - speziell millliardenfache Hexenverbrenungen
    - generelle Pädophilie
    - Zölibat
    - alle Ketzter waren eigentlich die besseren Christen
    - Jesus der Sozialrevolutionär

    Es gibt sicherlich noch mehr populäre Christenschelte. Ich glaube ja, dass wir im Zeitalter des Antichristen leben. Da ist das eben so. Man sollte nur immer überlegen, wie man am wenigsten Energie verschwendet, mithin gegenüber wem es sich lohnt konkret zu argumentieren.

  4. L'ancien régime

    Ich würde mit jemandem auch kein Gespräch über Dinge führen, die derjenige derart schlicht betrachtet. Aber über seine Argumentation schreiben, das kann man doch.

  5. Wäre das nicht schön, wenn der Vatikan wirklich ein ernstzunehmender, zähknochiger Feind der »modernen Gesellschaft« wäre? Leider hat der Tiger keine Zähne mehr…

  6. Ja, das stimmt. Es wäre zu schön. Aber auch in den Amtskirchen wäre das genial und ich wette die Kirchen wären voll.

  7. L'ancien régime

    Unter dem jetzigen Papst hat sich durchaus einiges in die richtige Richtung entwickelt. Weiteres ist abzuwarten; es liegt denn auch nicht allein in Menschenhand.

    Aber man denke nur daran, wie viele Leute an der Nationalwallfahrt der FSSPX nach Fulda Anfang September teilgenommen haben. Bei den »Traditionalisten« ist durchaus etwas los und in der Tat hat dies ja seinen Grund.

  8. ich verstehe die aufregung um diesen großen ingenieur der seele und modernen humanistischen denker nicht. immerhin zeigt sich an leuten wie ihm, wie kurz der weg vom maoisten zum hedonisten sein kann.

    alles übel der welt fing damit an, dass der paradiesische urzustand mit matriarchat, gemeineigentum und freier sexualität zerstört wurde, indem einer sich als erwachsener einen imaginären freund ausgedacht hatte.

    in der folge hat sich eine herrschende klasse gebildet, die der welt zum zwecke der unterdrückung der massen privateigentum, monogamie, patriarchat, ehe und familie, religiös motivierte gängelung, patriotismus, kleinbürgertum, countrymusik und damit die grundlagen für ausbeutung, entfremdung, faschismus und krieg gebracht hat.

    wenn man nun – evan sayet arbeitet dies auch in seiner ansprache über die »modernen liberalen« vor der heritage foundation heraus – all dies so weit herabwürdigt, dass es für niemanden mehr einen wert darstellt (wie zb in john lennons »imagine« dargestellt) und den menschen wieder auf fressen, saufen, f***en und sch***en reduziert, eliminiert man auch alles, wofür menschen bereit wären, zu kämpfen, zu sterben oder zu töten. ist doch genial oder?

    für das autorinnenkollektiv dr. hilde benjamin ist er jedenfalls favorit auf den diesjährigen hermann-axen-ehrenpreis für fortschrittliche publizistik!

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