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Prohibition in Germanien

Sowas war noch nie da. Also wirklich noch NIE NICHT. Und es gibt wenige Dinge von denen man das sagen kann. Ich kann noch gar nicht glauben, dass das ernst gemeint sein soll. Ist das vielleicht auch nur subtiler, satirisch getarnter Psychoterror? Selbstdementiernde Satire quasi als Diskussionsmotor? Also wirklich noch nie seit der Germane sich selbst einen Namen gegeben hat, wäre jemand auf die Idee gekommen das Saufen staatlicherseits zu unterbinden. Hätte man versucht maskuline Abendgesellschaften vom Umtrunk abzuhalten, wäre den Ulknudeln vermutlich regelmäßig der Kopf abgetrennt worden. Dafür sind wir heute wohl zu befriedet. [Oder wie Kubitschek sagen könnte, es fehlt uns ein Stück weit die asoziale Power.]

Heute wird aber für alles gute Gründe gefunden, und sei es nur einen minderjährigen Anwärter auf den Darwin Award, dessen Todesursache übermäßiger Alkoholkonsum war, oder eben das liebe Geld. Aber lest das ganze Ding ruhig selbst. Hier ein Teil der Abhandlung:

Die Zeichen der Zeit sind in nüchternen Statistiken abzulesen. Vor vierzig Jahren haben fast alle geraucht, heute nur noch eine Minderheit. Dass Teile der Kulturelite aus Protest gegen die Rauchverbote in den Prominentenlokalen jetzt noch ein bisschen Helmut Schmidt spielen (einfach mal eine anzünden und schauen, wen der Kellner rausschmeißt und wem er einen Aschenbecher bringt): Das sind kulturelle Rückzugsgefechte, spätrömische Kapriolen. Schon bald, so wollen es Europäische Union wie Weltgeist, wird die Menschheit es sich abgewöhnt haben wie zuvor das Spucken.

Nicht anders ist es mit dem Trinken: Seit seinem Gipfel im Jahr 1980 ist der Alkoholkonsum der Deutschen rückläufig.

Ja und warum? Weil Greise Probleme mit den Tabletten bekommen, wenn sie saufen! Außerdem trinken unsere Moslems eh weniger Alkohol. Die haben doch alle den Arsch offen.

Hier kling es nochmal an, als nähme der Autor sich selbst nicht ernst, aber dann folgt gleich die Wendung:

Wem das nicht passt, der kann das ja als Dystopie auffassen, als Schreckensbild, das ihn jedes Bier ab sofort genießen lassen wird, als sei es sein letztes. Wer aber hofft, dass dies der Punkt ist, an dem dieser Text gewissermaßen in den Feierabend einbiegt und endlich zugibt, dass diese Aussichten nur auszuhalten sind, indem man sich sofort so nachhaltig wie möglich betrinkt (und bei der Gelegenheit gleich auch mit dem Rauchen wieder anfängt), dem kann ich nur sagen: Diese Pointe ist zwar meilenweit absehbar. Aber ich kann sie hier leider nicht liefern. Schon weil Alkohol und Zigaretten das gar nicht mehr leisten könnten.

Das müssten schon andere Drogen sein. Drogen, von denen wir uns heute noch gar keine Vorstellung machen. Zu einem anständigen Fortschrittsglauben gehört allerdings auch die Gewissheit, dass daran längst gearbeitet wird.

Bald beginnt die Saison fröhlicher Standgerichte, in denen die Alkohlverbotsvollzugsbeamten mit leeren Schnapsflaschen an ihren unrechtlichen, diktatorischen Zwangsmaßnahmen gehindert werden. Ich meine, das wärs doch: Die Konservative Revolution ausgelöst durch die Prohibition.

PS: Dann sehen sich die Burschis vielleicht auch mal angehalten, etwas Sinnvolles zur Sache beizutragen.

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3 Kommentare zu “Prohibition in Germanien

  1. L'ancien régime

    Das Trinken kann man sich vom Arzt verbieten lassen. Oder von den Eltern in entsprechendem Alter. Auch von der Ehefrau(oder meinethalben auch andersherum).

    Und jeweils gern vom Dienstherrn im Dienst und vom Schaffner im Zug, wenn es sich um einen »Metronom« handelt.

    Aber ganz sicher nicht, niemals allgemein von öffentlichen Behörden.

    Wenn ein Volk in Wein oder Bier versinkt, ist das Dekadenz. Wenn es Wein oder Bier (oder auch Branntwein) gar nicht mehr zu sich nehmen kann und will, ist auch gehörig etwas nicht in Ordnung.
    Abgesehen auch von gesundheitsförderlichen Aspekten: soll uns die Alkoholabstinenz Pestizide und Elektrostrahlungen besser ertragen helfen, d. h. indem eine Belastungsfront genommen wird?

    Nun, Fortschrittsglaube, in technischer Hinsicht… sicher kann man auf die Idee kommen, sich auf synthetische Weise ganz andere Stoffe zusammenzukleistern.

    Dann lieber ein ordentliches Starkbier. Prosit!

    Ach noch etwas: zum christlichen Glauben gehört das besinnliche wie büßende Fasten ebenso wie das dankende Feiern. Deswegen fasteten die Jünger Jesu auch nicht, als er da war, dann freilich schon. Man denke da auch an die Hochzeit von Kana. Einiges an Wein wird es gewesen sein.
    Der Weinstock und Weinberg spielt in den Gleichnissen des Herrn zuweilen eine Rolle und es ist Wein – und wirklich Wein und nicht unvergorener Traubensaft – den Christus in sein Blut verwandelt, was in der Heiligen Messe entsprechend getan wird.

    Grundsätzliche Prohibition ist Puritanismus. Und im heutigen Falle ist er nicht einmal in entsprechender verzerrender, aber auch insofern teils verständlicher Reaktion auf Übermaß oder Zeitgeistfrönerei Weise vorhanden, sondern ganz humanistisch und nabelschauartig und progressiv und steril.

  2. Nils Wegner

    Der Seitenhieb auf die »Burschis« war klar! 😀

    … stimmt aber leider.

  3. L'ancien régime

    Auf einige Landsmannschafter trifft das wohl auch zu. 😉

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