Gesichtet

Transkultureller oder großer Austausch?

Überall werden Studiengänge abgeschafft. Für Migranten allerdings schafft man Ausnahmen. An der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) studieren sie kostenfrei in einem eigenen Studiengang. „Akademie für Transkulturellen Austausch“ nennt man das dann. Am Mittwoch fand eine Benefizauktion für sie statt.

Im September wurde noch beschlossen, fünf Jura-Professuren von Dresden nach Leipzig zu verschieben. Die in Dresden verbleibenden vier Professuren werden wohl kaum in der Lage sein den regulären Studienbetrieb aufrecht zu erhalten. Die Wissenschaftsministerin Sachsens Eva-Maria Stange (SPD) lässt sich damit zitieren, dass Juristen ja „wanderungsfreudig“ wären. Daher weht also der Wind: Heimatverbundenheit wird mal wieder verlacht und die Dresdner, die erfolgreich Frau Dr. Stange von Amt und Würden in ihrer Stadt fernhalten konnten, sind die Leidtragenden.

Die Folgen sind natürlich immens, nicht nur für die TU Dresden, sondern auch für Dresden als Standort. Die ersten beiden Professuren sollen bereits Anfang 2017 an die Leipziger Fakultät wechseln. Diese könnte womöglich mit letztlich 24 Professoren die jährlich vom Freistaat geforderten 300 Absolventen erreichen, allerdings wird dann in Dresden der Studiengang eingestampft.

Und der Exzellenz-Status geht mit ihnen

Günther Schneider von der CDU-Fraktion im Landtag weist auf folgendes hin: „Die TU Dresden ist eine Exzellenz-Universität. Bald steht die Anschlussbewerbung an, um den Status zu erhalten.“ Der Verlust der Fakultät schließt mit jeder Aussicht auf Erfolg endgültig ab. Außerdem feierte die TU Dresden erst im Februar ihren mittlerweile 20-jährigen Status als Volluniversität. Ohne Jura wird 2017 das letzte Jahr gewesen sein, in dem sie sich noch so wird bezeichnen können.

Der Rektor der TU Dresden, Professor Hans Müller-Steinhagen, führt gern Pegida und die Formierung patriotischer Kräfte ins Feld, wenn es darum geht, wer dem Ruf Dresdens und seiner Universität schadet. Die Entscheidungen des Ministeriums und die offenkundige Schwäche des Rektors, der ein Angebot von Juristen aus rund 50 Kanzleien, Notariaten und Steuerberatungsbüros mit einer Million Euro die nötigen Stiftungsprofessuren in Jura zu finanzieren, einfach ausschlug, schaden dem Leumund Dresdens und seiner Universität weit mehr!

Kostenloses Kunststudium für Migranten

In Leipzig, dessen Universität bereits zahlreiche Lehramtsstudiengänge von Dresden übernommen hat und zu denen nun noch die gut ausgebildeten Jura-Studenten kommen, kann man es sich leisten, ein Projekt ins Leben zu rufen wie die „Akademie für transkulturellen Austausch“. Hierbei können Menschen, die vor ihrer Einwanderung nach Deutschland ein Studium in ihrer Heimat begonnen haben, bei der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) unkompliziert und kostenfrei ein Kunststudium aufzunehmen. Dabei handelt es sich um ein viersemestriges Programmstudium, das die Möglichkeit bietet, nach Erreichen des entsprechenden Niveaus der deutschen Sprache jederzeit in das reguläre Diplomstudium zu wechseln.

Elf eingetragene Studenten kümmern sich um die Amtsgänge der 14 Männer und der einen Frau aus Syrien und dem Irak, die bereits seit dem vierten Oktober unter der Ägide von Rayan Abdullah studieren, Professor für Typographie an der HGB, der nicht nur die Figur des aktuellen Adlers des Bundestags gestaltete, sondern daraufhin auch im Blickpunkt öffentlichen Medieninteresses 2006 der taz auf die Frage: „Ihre Tochter/Schwester kommt nach Hause und sagt, sie sei sexuell belästigt worden. Was tun Sie als Vater/Bruder?“, mit: „Sie erst mal über Sexualität aufklären.“, antwortete.

»Irgendwas mit Medien« war einmal, jetzt machen wir irgendwas mit Flüchtlingen

Um das Projekt weiter am Leben zu halten, fand am Mittwoch eine großangelegte Benefizauktion im HGB-Lichthof statt. Durch den Verkauf von 118 künstlerischen Arbeiten wurden 31.400 Euro erlöst. Das Geld soll an die 15 Studenten gehen, deren Bafög-Anträge sich bislang noch verzögern.

Es deutet also alles darauf hin, dass wir es hier mit einer deutschen Ausprägung des seit kurzem so bildlich in vielen Publikationen nonkonformer Denker beschriebenen „Sumpfes“ zu tun haben, bestehend aus Schickeria und Mäzenatentum, einer stark radikalisierten lokalen linksalternativen Szene und politischen Machthabern, die die Schleusen und Geldhähne bei jedem Projekt, das „irgendwas mit Flüchtlingen“ auf dem Etikett führt, bis zum Anschlag aufdrehen und damit auf lange Sicht ganze Landstriche verwüsten.

(Bild: HGB Leipzig 2016, Andreas Krüger, flickr, CC BY-NC-ND 2.0)

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1 Kommentar zu “Transkultureller oder großer Austausch?

  1. Martin Schiller

    Es lebe das Puddingstudium… Auch ein Flüchtling mit Jodel-Diplom ist ein gering qualifizierter Flüchtling.

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