Rezension

Widerstand gegen die linke Hegemonie

Wir alle kennen diesen einen linken Verwandten, der uns bei jeder Familienfeier mit seinen plump eingeschobenen Moralpredigten an den Rand der Weißglut treibt oder die vegane Lehramtsstudentin aus dem Freundeskreis, die jede Studentenparty nach zwei Gläsern Wein – nein, eigentlich auch nüchtern – mit ihrer feministischen Wachstumskritik in ein Fridays For Future-Camp verwandeln möchte.

Diese Menschen müssen ständig und überall versuchen unser Leben zu politisieren, jedes Wort wird auf die gendergerechte Goldwaage gelegt, für jede Handlung sollen wir uns rechtfertigen. Während die 90er gemeinhin noch als eher unpolitisches Jahrzehnt gelten, greifen die linken Psychosen seit der Jahrtausendwende und insbesondere seit den 2010er Jahren immer tiefer in das gesellschaftliche Leben ein.

Ob Genderismus, Antikapitalismus, Migration, Klimawandel … Überall türmen sich angebliche Probleme, auf deren Grundlage die westlichen Gesellschaften vor sich hergetrieben werden. Der Linke hat den Westen fest im Würgegriff und der Großteil der Menschen unterwirft sich diesem neuen Zeitgeist. Doch wie konnte es dazu kommen und warum sind die Linken so erfolgreich? Oder liegen sie vielleicht sogar mit manchem richtig?

Diesen interessanten Fragen widmet sich der selbsternannte Feminist und Linksextremismusexperte Maximilian Kneller in seinem Werk 20 Gründe, mit dem Linkssein aufzuhören, das gleichzeitig das erste Buch des jungen Blutdruck-Verlags ist, der bisher durch die libertäre Zeitschrift Krautzone bekannt geworden ist.

In 20 Kapiteln, die Namen tragen wie „Alles, was im Leben Spaß macht oder sinnvoll ist, wollten die Grünen schon mal verbieten“ oder „Linke sind Pazifisten – nur nicht in der Regierung“ beschreibt der 28-jährige Autor die Denkweise der politischen Linken anhand zahlreicher Beispiele und Zitate. Was sich bei den meisten Konservativen eher in Form instinktiver Ablehnung oder eines diffusen Widerwillens äußert, bringt Kneller wortreich auf den Punkt. Warum verhalten sich Linke so wie sich Linke verhalten und wieso dulden sie keinen Stillstand. Weshalb geht den Linken die gesellschaftliche Transformation nie weit genug und warum regt sich in der Mitte der Gesellschaft so wenig Widerstand gegen die linke Gesellschaftshegemonie?

Kurzweilig, aber dabei nicht oberflächlich, breitet Kneller dem Leser die Psychologie der modernen Linken aus und geht dabei insbesondere auf die zahlreichen Doppelstandards und Heucheleien ein, die symptomatisch für linkes Denken sind. Man möchte unbegrenzte Einwanderung, aber regt sich gleichzeitig über steigende Mietpreise auf. Man fordert Gleichberechtigung, stärkt aber gleichzeitig den radikalen Islam hierzulande. Man verurteilt Homophobie, feiert aber im selben Atemzug Schwulenhasser wie Che Guevara.

Die Liste ließe sich nahezu endlos fortsetzen. Natürlich dürften dem geneigten Leser die meisten dieser offensichtlichen Widersprüche bekannt sein. Kneller geht allerdings noch etwas mehr in die Tiefe und versucht die Psychologie hinter diesem inkonsequenten Weltbild zu ergründen. Warum ticken die Linken so und ignorieren selbst die offensichtlichsten Widersprüche und warum tun sie das teilweise ganz bewusst.

Natürlich hat Maximilian Kneller mit seinem Werk nicht die Sozialwissenschaften neu geschrieben und einige wenige Passagen wirken doch ein wenig redundant, was bei der Thematik wohl kaum zu vermeiden ist. Insgesamt betrachtet, kann man ihm allerdings zu einem intelligenten und vor allem sehr unterhaltsamen Erstling gratulieren! Gerade dem oft so staubtrockenen konservativen Lager fehlen junge, unbefangene Autoren, die das Herz auf der Zunge oder besser gesagt auf der Tintenfeder tragen. Kneller ist sicher einer von ihnen und man kann sich nur wünschen, dass 20 Gründe, mit dem Linkssein aufzuhören nicht der letzte Streich dieses beherzten jungen Linksextremismusexperten des Blutdruck-Verlags ist.

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