Gesichtet

Zweireichelehre vom -phone

In den neunziger Jahren wurden mit dem Ende der Knuddelkultur der Dreizehn- bis Fünfzehnjährigen Millionen Tamagotchi zu Elektroschrott. Der Mobilfunk brachte ihnen ein neues Faszinosum: das -phone.

Leider verschwinden die -phones nicht mit den Pickeln im Gesicht wie damals die Tamagotchi. Überhaupt hat die Faszination, die von ihnen ausgeht, nicht das Geringste mit der Pubertät zu tun. Das -phone scheint allgemein im Menschen etwas anzusprechen, ein spezifisches Bedürfnis zu befriedigen. Es ist schwer zu sagen, was das -phone, einst „Handy“ oder „Mobiltelefon“ genannt, dem Menschen bedeutet.

Mensch und -phone

Rein äußerlich besehen hat mit dem -phone die Knuddelkultur  ihre Wiederauferstehung gefeiert und zwar in dem Sinne, dass hier wieder jemand rund um die Uhr betreut werden muss. Es sind aber nicht mehr (nur) Teenies, sondern Menschen jeglichen Alters – die Achtzig- oder Neunzigjährigen vielleicht ausgenommen –, die alle Lebensfreude verlieren, wenn sie von ihrem -phone getrennt werden.

Im Gegensatz zum Tamagotchi aber sind die -phones wirklich interaktiv. Das -phone und sein Menschen bedienen und befriedigen sich tatsächlich gegenseitig: Das -phone benötigt Aufmerksamkeit und Zuwendung, der Mensch braucht Unterhaltung, Beschäftigung, Zerstreuung, Trost … Die Symbiose ist perfekt. Beide geben und nehmen voneinander. Mensch und -phone sind untrennbar miteinander verbunden, sie gehören zusammen wie der Dotter zum Ei.

Dem himmlischen -phone hinterher

Bei alledem geht es niemals um dieses oder jenes -phone, sondern grundsätzlich um DAS -phone, um das definitive -phone – was will das besagen? Das will besagen, je mehr und öfter ich mich nach dem -phone umschaue, welches am besten dazu geeignet ist, mir meine Bedürfnisse zu befriedigen, desto mehr und besser diene ich dem definitiven, dem allmächtigen -phone, alles klar?

Mit „das definitive -phone” ist hier dasjenige -phone gemeint, das pausenlos der menschlichen Begehrlichkeit vorschwebt, ähnlich wie eine lebensspendende Oase als Fata Morgana, oder Vorstellung, die dem Verdurstenden in der Wüste vorschwebt. Egal, was für ein -phone sich zufällig in meinem Besitz befindet, treu anhängen, ihm ewig hinterher rasen werde ich nur dem definitiven -phone. Dieses, und nur dieses, ist dasjenige -phone, das ich wirklich begehre, auch wenn ich ihm nicht habhaft werden kann.

Hier ist keine pubertäre hormonelle Achterbahnfahrt, sondern eine umgekehrte Skischanze, die man hochspringt ins Unendliche, gen dem definitiven, dem himmlischen -phone, ohne es dabei jemals erreichen zu können. Die Leute leiden wahre Sisyphusqualen dieses himmlischen Apparats wegen.

Irdische Annäherungen an das himmlische -phone

Obschon das -phone selbst nicht zu erreichen ist, ist es doch ein reizend Ding, ein reizender und darum höchst wirksamer Stachel im Ehrgeiz von Menschen, die sich nach ihm sehnen. Im Spannungsfeld von Ehrgeiz und Sehnsucht wird dem Menschen aber keine Befriedigung zuteil. Ständig hungert und dürstet es ihm nach mehr und besser. Der Mensch, der bekanntlich nicht nur vom Brot allein lebt, sondern auch von guten Hoffnungen und frohen Lockungen, kommt niemals in den Genuss des definitiven -phones.

Dabei werden die profanen, zufälligen und irdischen -phones ihrem ewigen himmlischen Urbild immer ähnlicher und sogar gleicher. Die jetzige Generation von -phones ist diesem inzwischen näher als die vorangegangene. Die nächste wird ihm noch näher sein, die übernächste noch noch näher, die überübernächste noch noch noch näher usw. – Es tun sich Abgründe auf, die ein Achill nicht zu überspringen vermag, und die selbst ein von diesem mit größter Kraft abgeschossener Pfeil zu überfliegen niemals imstande wäre.

An der Mesalliance von endlichem Menschen und unendlichem -phone wiederholen sich augenscheinlich die Paradoxien des Zeno von Elea: die Schildkröte, die vom hinterher sprintenden Achill nicht eingeholt werden kann, der Pfeil, zwischen dem und seinem Zielpunkt, während er sich ihm nähert, sich Abgründe auftun …

Himmlisches -phone, irdisches -phone

Paradoxer als alle Paradoxien des Zeno ist aber der Mensch, der sich in seinem Ehrgeiz – sollten wir diesen nicht besser Irrsinn, Wahnsinn, Unsinn, Blödsinn, kurz -sinn nennen? – auf Unmögliches einlässt: mit jedem neuen normalen-profanen -phone, welches die Begierde nach mehr vom richtigen, vom wahren -phone nur vergrößert, freut sich der Mensch über diesen vergänglichen-erschwinglichen-tatsächlichen Gewinn am himmlischen.

Handelt es sich doch tatsächlich um ein zu ihm heruntergezogenes und, somit, entweihtes, verdiesseitigtes und vergegenständlichtes Stück Himmlichkeit, um verzeitigte Ewigkeit in Gestalt eines -phones. Die Freude am so Gewonnenen dauert leider nur so lange wie der Eindruck des Gewinns dauert. Die Begierde nach mehr vom richtigen ist nicht mit demjenigen zu sättigen, was tatsächlich zu erreichen ist – es ist und bleibt eben bloß irdisches Manna –, gerade weil es begrenzt ist und eben darum nicht „richtig” sein kann. Geht es doch schließlich um grenzenlosen Genuss, und den gewährt, verspricht nur das definitive -phone. Und das ist nicht von dieser Welt.

Vom Himmel über die Herzen auf die Erde

Eigentlich zum Verzweifeln, wenn man sich nicht mit dessen minder vollkommenen, sich aber dennoch immer mehr vervollkommnenden, Abbildern zufrieden geben könnte. Das unnachahmliche himmlische Original ist genauso unfassbar wie unerschöpflich. Egal, wie viel wir von ihm zu uns herunterziehen und verwirklichen, es selbst wird dadurch nicht weniger und büsst auch nichts von seiner eigenen überweltlichen Wirklichkeit ein.

Hier unten auf Erden, wo Rost und Motten unsere Schätze fressen, werden wir nie zum definitiven -phone kommen, wie sehr sich auch unsere -phones diesem annähern mögen. Dennoch besteht Hoffnung: Auch wenn wir das definitive -phone nicht (niemals) haben können, weder aus unserer Vorstellung noch aus unserer Begierde ist es zu verbannen. Es hat seinen festen Platz in unseren Herzen genauso wie im Himmel. Also ist es in gewisser Hinsicht doch auf Erden, nämlich in uns. Amen.

Das -phone, ein Scheiß

In den Neunzigern waren es oft die Lehrer, die durch ihr beherztes Eingreifen vorzeitig Schluss machten mit dem Tamagotchispuk: Die kleinen Störenfriede wurden kurzerhand einkassiert. Käme doch ein großer Lehrer, käme der größte jemals dagewesene Lehrer und zöge uns das verfluchte -phone aus den Köpfen! Um das zu bewerkstelligen müsste dieser Lehrer die Fähigkeit besitzen, tatsächlich in unsere Köpfe greifen zu können sowie unsere Begierden zu fesseln.

Allein damit wäre es noch nicht getan. Er müsste das himmlische -phone selbst von eben diesem seinem Himmel auf die Erde stürzen und sogar noch durch den Dreck ziehen. Er müsste es in seiner Unerreichbarkeit zu erreichen wissen, es in seiner Unendlichkeit zu packen vermögen. Entblößt von menschlichem Wahnwitz und englischem – d.h. engelsgleichem – Antlitz entpuppte es sich dann als das, was es wirklich ist: ein Scheiß. Und dem soll unser Wahn gegolten haben, unser ganzes Weben und Streben? Nein, dem gilt unser Wahn, unser ganzes Weben und Streben. Einem Scheiß.

(Bild: Pixabay)

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20 Kommentare zu “Zweireichelehre vom -phone

  1. Robert Wagner

    Zuerst zeichnet der Autor in einem jüngst in diesem Internetmagazin erschienenen Artikel (und in der Diskussion zu diesem) ein Zerrbild vom Veganismus, den er als moralisch verwerflichen (»unwerten«) und ökologisch gar gefährlichen »Unsinn« charakterisiert und – intellektuell sehr gewagt – als Neuauflage des spätantiken Manichäismus darstellt; und nun wird in Anlehnung an die protestantische Theologie ein Alltagsgegenstand wie das moderne Smartphone bzw. das »himmlische« Idealbild davon zum unerreichbaren spirituellen Sehnsuchtsort allen menschlichen Strebens stilisiert. Ich muss schon sagen, dem Autor ist kein Vergleich zu (a)historisch – oder schlicht unangemessen…

    Es mag ja sein, dass das Smartphone – oder »-phone«, wie der Autor aus welchen Gründen auch immer schreibt – für viele Menschen eine quasi existenzielle Bedeutung hat und im praktischen Alltagsleben unerlässlich geworden ist; manche Leute treiben sogar einen regelrechten Kult um das neueste iPhone bzw. um jedes designverliebte Appleprodukt und zahlen ein kleines Vermögen dafür. Aber deshalb das Smartphone an sich – das in der deutschen Umgangssprache eigentlich immer noch Handy genannt wird – als ein »entweihtes, verdiesseitigtes und vergegenständlichtes Stück Himmlichkeit [und] verzeitigte Ewigkeit« zu bezeichnen, ist völlig abwegig und eigentlich schon ein bisschen irre – oder einfach nur Unsinn, um ein Lieblingswort des Autors zu verwenden.

    Allem Anschein nach empfindet der Autor ein tiefes, bis zur Verbitterung ausgewachsenes Unbehagen mit den gesellschaftlichen und technologischen Entwicklungen der Gegenwart, das ihn dazu bringt, Unproblematisches in abfällig-arroganter Weise zu problematisieren und zu verteufeln. So wird aus der Entscheidung zu einer veganen Ernährungsweise, die jeder Mensch für sich allein trifft und die er/sie in einem freien, demokratischen Land vor niemandem rechtfertigen muss, moralisch »unwerter«, von »veganistischer Propaganda« begleiteter, quasireligiöser »Unsinn«; und aus einem für die Erfordernisse und Möglichkeiten des modernen digitalten Zeitalters zentralen Gebrauchsgegenstand wird ein blödsinniger spiritueller Fetisch, der letztlich aber nur »ein Scheiß« ist. Und auch hier führt der Autor keine echten, nachvollziehbaren Argumente für seine Haltung an, sondern beschränkt sich darauf, seiner Verachtung für den in Rede stehenden Gegenstand in möglichst intellektuell daher kommenden Worten Ausdruck zu verleihen.

    Das erinnert ein bisschen an Sieferles zu trauriger (und unangemessener) Berühmtheit gekommenes Büchlein »Finis Germania«, das man mit einem einzigen Satz zusammenfassen kann: Früher war alles besser. Ob diese in neurechten Kreisen anscheinend häufig zu findende Geisteshaltung die richtige ist, um den gesellschaftlichen und technologischen Herausforderungen des 21. Jhs. zu begegnen, darf bezweifelt werden.

  2. Das Relikt

    Eine technische Neuerung als Christus-Ersatz? Kann man machen, dann bitte aber auch klar begründen. Leider verzichtet dieser bei seiner Größe beeindruckend inhaltsarme und konfuse Text darauf. Ich habe verstanden, dass der Autor Leute, die von ihrem Smartphone abhängig sind oder zu sein scheinen, nicht leiden kann. Inwiefern das eine neue Qualität hat, gegenüber der Abhängigkeit, den meine Elterngeneration von Kühlschrank, PKW und Fernseher entwickelte, wird leider nicht entschlüsselt. Ob die Abhängigkeit tatsächlich diese metaphysische Dimension hat, wird auch nicht belegt.

    Sehr geehrter Herr Versategui, ihre Texte haben in letzter Zeit den Boden von Journalismus und Wissenschaft verlassen und nähern sich der Predigt, leider einer wirren und gehetzten Fußgängerzonenpredigt. Vielleicht sollten Sie ihren Ideen mehr Reifezeit gönne. Zumindest obiges Thema ist sicherlich einer tieferen Betrachtung wert.

  3. So einen Text kann man schreiben…aber dann bitte nicht den wirklich hervorragenden 2teiligen Text von Johannes Poensgen kritisieren, nur weil dort Dinge stehen, welche diejenigen, die auf der dunklen Steite der Macht stehen, schon länger kennen! Noch dazu mit Stürmer/Streicher Andeutungen, da fragt man sich schon, was das soll?
    Alleine das emotionale female Geheule im Kommentarbereich, hat gezeigt, wie dieser Text direkt ins Schwarze getroffen hat. Sollen sie halt alle kotzen, wer das in dieser BRD nicht täglich macht, dem geht es sowieso noch viel zu gut. Wenn man gerade lesetechnisch von Roger Devlin kommt, ist man zwangsläufig der Meinung, daß dieses Thema deutlich wichtiger ist, als der Kult ums Handy.

    PS Robert Wagner, ich weiß, daß ich keine ehrliche Antwort erwarten darf, aber hast Du Sieferle selbst gelesen, oder war das die Essenz einer linken Amazon Rezension? Ich gebe zu, daß ich es nicht gelesen habe und mir wurde auch eher sein Buch: »Das Migrationsproblem: Über die Unvereinbarkeit von Sozialstaat und Masseneinwanderung« empfohlen, das angeblich deutlich besser und leserfreundlicher sein soll, als Finis Germania.

  4. Carlos Wefers Verástegui

    @ Das Relikt

    wird dankend zur Kenntnis genommen!

    Beste Grüsse

    I

  5. Das Relikt

    Beste Grüße zurück! Würde mich freuen, wenn Sie das Thema weiter bearbeiten.

  6. Robert Wagner

    @ xerox:

    Wieso solltest du keine ehrliche Antwort erwarten dürfen? Jetzt bin ich ein bisschen gekränkt, unterstellst du mir, ich sei ein Lügner? Du wirst es kaum glauben, aber ich gehöre zu den wenigen Menschen, die dieses Buch tatsächlich gelesen haben; ansonsten würde ich mir auch kein Urteil darüber erlauben und wagen, es in einem Satz zusammenzufassen. Der eigentliche Skandal an diesem Buch war – neben der fragwürdigen Reaktion der Spiegel-Redaktion – in meinen Augen übrigens die Tatsache, dass es trotz seines verbitterten »Früher war alles besser«-Duktus und seiner Gestrigkeit (kein Historiker spricht heute mehr von einem »deutschen Sonderweg«) überhaupt in eine Liste von Buchempfehlungen Eingang finden konnte.

  7. Carlos Wefers Verástegui

    @xerox

    Erst einmal: Was bitte soll genau »die dunkle Steite der Macht« bedeuten?

    Dann: Dass der von mir als »politischer Schamverletzter« denuzierte Autor – »Andeutungen« waren es nicht – vorgibt, ein gutes Verhältnis zur »Macht« zu haben, bestreite ich gar nicht, er sogar noch weniger. Meinen Sie ernsthaft, »wir« bräuchten eine solche Mythologisierung der Macht, noch dazu dadurch, dass eine »dunkle Seite« derselben beschworen wird? Und immer noch weiss keiner, was diese »Macht« ist, bzw. sein soll!

    Niveau: Wer genau wie Julius Streicher im »Stürmer« die »Schande« pornographisch ausbreitet, sie »politisiert«, der ist einfach nur schamlos zu nennen. Vielleicht ist besagter Autor sogar noch stolz auf diese seine Leistung, es zu solcher Schamlosigkeit gebracht zu haben?

    Relevanz: Wer weiss, was »wichtig« bzw. »wichtiger« ist? Ich kann höchstens Teilbereiche von einiger Wichtigkeit beleuchten. Was irgendjemand einmal für wichtig hält kann es schon mal auch sein, wichtig, muss es aber nicht!

  8. Robert Wagner

    @ Carlos Wefers Verástegui:

    Dass sie auf meine fundierte Kritik künftig gar nicht mehr eingehen wollen, ist ihr gutes Recht. Nur steht eine solche Debattenverweigerung einem „rechtsintellektuellen“ Internetmagazin, das neben anderen Akteuren daran arbeitet, die kulturelle Hegemonie im Sinne Gramscis zu erobern, nicht gut zu Gesicht.

    Ich kann mich nur wiederholen: So wird das nichts mit der „Kulturrevolution von rechts“ 😉

  9. @Robert Wagner
    Du kennst sicher das Phänomen, daß Menschen im Internet Dinge behaupten, die man auch bei großzügiger Auslegung der Wahrheit, eher im Bereich der Lügen ansiedeln würde? Die Behauptung Bücher gelesen zu haben, die ganz offensichtlich nicht zu der persönlichen Präferenz des Lesers zählen, gehört sehr oft in diese Kategorie. Besonders auffällig bei 1 Stern Kritiken bei Amazon. Die allermeisten Menschen haben gar keine Zeit um Bücher (Mehrzahl!) zu lesen, deren Standpunkt ihnen zutiefst zuwider ist. Also entweder gibt es da einen konkreten Grund für dieses Handeln oder es ist schlicht gelogen. Die Behauptung, einer der wenigen gewesen zu sein, die ein Buch von der Bestsellerliste gelesen zu haben, finde ich dennoch ein wenig arg vermessen. Auch ein Kritiker urteilt subjektiv, er wird also seine Gründe gehabt haben (auch wenn sie Dir verschlossen bleiben), warum er das Buch auf die Liste gesetzt hat.

    Natürlich war früher, wenn auch bestimmt nicht alles, vieles besser. Nur mal als Beispiel, vor 40 Jahren ( so erzählt man mir jedenfalls) war es nicht nötig Plakate und Schilder mit der Aufschrift: »Rettungskräfte sind tabu« aufzuhängen, weil niemand auf die Idee gekommen ist, Sanitäter und Feuerwehr anzugreifen. Weitere nette Beispiele kannst Du z.B gerne selbst Klonovskys Acta Diurna Beitrag vom 9.3.18 entnehmen. Stimmt, Kriminalität hat es immer gegeben, die dort aufgeführten Straftaten sind in ihrer Art aber doch recht neu. Kann man bestreiten…wenn man sich unbedingt lächerlich machen will. Aber vielleicht findest du diesen Preis ja gerechtfertigt, für all die Vielfalt und Buntheit die wir jetzt erleben dürfen?

  10. @Carlos Wefers Verástegui

    Die dunkle Seite der Macht, war ein popkultureller Scherz, doch ich hätte wissen müssen, daß Konservative nicht für Scherze zu haben sind. Nur für die eigenen, über die man dann eine Woche nachdenken muß.

    Ich kann mit dem Konzept Schamverletzter, schamlos und pornographisch in diesem Zusammenhang nichts anfangen. Das wäre vielleicht anders, wenn er von Akif wäre? Doch ich bin sowieso ein Freund des klaren Wortes. Ich kann keine Schamlosigkeit darin erkennen, wenn man die hässliche Wahrheit so ausspricht wie sie ist: HÄSSLICH! In der Sache ist ihm nicht zu widersprechen. Sinnlose und kurzfristige Empörung ( die ich tatsächlich zum kotzen satt habe) sowie Aktionen von »rechten« Frauen die selbst schon vom Hirngift des Feminismus völlig vernebelt sind, werden nutzlos verpuffen. Das muß man mal deutlich sagen dürfen, damit später keiner ankommt und meint: wer hätte das ahnen können? Noch vor 25 Jahren wären Probleme wie in Cottbus direkt gelöst worden. Heute stehen da grauhaarige Bürger mit Pappschildern und betteln den Staat an, doch endlich seiner Pflicht nachzukommen. Eine Gesellschaft (die westliche) die so etwas wie Rotherham mit einem Achselzucken geschehen lässt ( oder besser noch aktiv durch inaktivität unterstützt) sollte sogar besser untergehen.

    Ja was schon wichtig? Wer weiß, vielleicht überfährt einen Morgen ein Auto? Was war dann wichtig? Ich habe auch kein Problem, den modernen Handykult mal zum Thema zu machen. Auch wenn ich einen anderen Zugang gewählt hätte. Aber mir ist die Kritik drüben, schon aufgestoßen.

  11. Robert Wagner

    @ xerox:

    Ich kann deinen Verdacht nachvollziehen, will aber an dieser Stelle betonen, dass ich nicht zu lügen pflege. Der Vorwurf meinerseits war vielleicht auch etwas vorschnell. Ich hätte übrigens präzisieren sollen, dass ich einer der wenigen Nicht-Rechten bin, die dieses Buch gelesen haben. (Zumindest habe ich bisher nur Unverständnis geerntet, wenn ich erzählt habe, dass ich dieses Buch, das sich übrigens schnell nebenbei lesen lässt, gelesen habe.)

    Die Gründe, die den Spiegel-Journalisten dazu getrieben haben, das Buch zu empfehlen, waren womöglich eher politischer Natur. Laut Wikipedia wollte er ein (verständliches) Zeichen gegen die Merkelsche Flüchtlingspolitik setzen. Spricht auch nicht unbedingt für die Qualität des Buches…

    Und nein, wenn ich Wefers Verástegui oder Sieferle eine schreckliche Rückwärtsgewandtheit vorwerfe, heißt das nicht, dass ich alle Entwicklungen der letzten Zeit gutheiße. (Du wirst es kaum glauben, aber ich bin kein Fan offener Grenzen oder von Merkel).

  12. Robert Wagner

    @ xerox:

    Ich muss mich korrigieren, mein Vorwurf war keineswegs vorschnell. Dass du a priori davon ausgehst, keine ehrliche Antwort von mir erwarten zu können, bleibt in meinen Augen eine Unverschämtheit.

  13. Mein Motto lautet: On the internet, nobody knows you´re a dog. Ich traue im Internet niemandem, also kein Grund das zu personalisieren.
    Laut Bolschewiki, könnte es unter Umständen….
    Vermutungen, genau daß, was Du anderen nicht durchgehen lässt? Wie gesagt ich kenne es nicht, aber ganz so dumm, wie Du es hier darstellst, soll es wohl nicht sein.

    Wer das eine liebt, muß das andere mögen! Schon mal davon gehört?

  14. Carlos Wefers Verástegui

    @ xerox

    Ich habe ein sehr unterentwickeltes Sinnesorgan für Humor, da haben Sie recht, wobei ich gerne lache und mir auch gerne Witze anhöre. Aber, wie gesagt, ich habe da ein Defizit.

    Akif ist was anderes, das sehen Sie doch selbst. Wenn ich »Scheisse, Fotze, Kotze, Rotze, Maden« zusammenpacke, ist die Aussage nicht moralisch verletzend. Mit »Moral« meine ich nichts Subjektives. Wenn ich aber wertneutral, aber nicht ohne freudige Brutalität so »wissenschaftliche« Dinge von mir gebe, so ist das schlimmer, als die Menschen durch Unflat beleidigen. Sie wissen das doch, Sie sind intelligent, gebildet, belesen usw., ich brauche Ihnen da keine Leseanleitung zu geben.

    Über meinen Artikel und seine Qualität urteilen Sie mit vollster Berechtigung, aber, ich wollen Ihnen auf das andere Antworten.

  15. Carlos Wefers Verástegui

    @ Robert Wagner

    Ich verweigere keine Debatte, wie meine zahlreichen und langen Antworten beweisen. Sie aber wollen gut unterhalten sein und brillieren. Bravo! Sie haben mich geschafft, dem Rückwärtsler Wefers Verástegui, dem haben Sie´s echt gegeben, das GUTE hat gesiegt 😉 😉

    Suchen Sie sich jemanden kongenialen, Typus pensionierte, kurzhaarige, graumelierte und rotwangige Gymnasiallehrerin, die lädt Sie vielleicht sogar zum Tee ein.

  16. Robert Wagner

    @ Carlos Wefers Verástegui:

    Nicht »das Gute« hat gewonnen, sondern der bessere Diskutant, das bessere Argument – sie könnten ja auch mal damit anfangen, ihre interessanten Thesen zu begründen.

    Mit den pensionierten, rotwangigen, grau melierten Gymnasiallehrerin scheinen sie es ja zu haben. Wie kommen sie eigentlich darauf, solchen verdienten Menschen pauschal jede intellektuelle Ebenbürtigkeit abzusprechen?

  17. Wo ich noch bei der Scham bin, da sind Sie schon bei der Moral und damit wieder bei einem Konzept, mit dem ich nicht soviel anfangen kann. Für mich ist das jedenfalls nicht deckungsgleich. Gibt es heutzutage überhaupt noch ein allgmeingültiges Normensystem? Muß man sich den, meisten Dingen, nicht über die kritischere Reflexionsebene, also der Ehtik annähern? Weshalb auch »moralische« Diskussionen über die Todesstrafe vergeudete Zeit sind?

    Ich denke der Text war auf das Publikum abgestimmt und vielleicht ist er der Meinung, daß man denen öfter mal »das Rotweinglas aus dem Gesicht schlagen muß«. Ich kenne seine Intention natürlich nicht, könnte diese Denkweise aber nachvollziehen.
    Ich habe auch kein Problem damit, daß Sie den Text kritisiert haben. Dazu ist die Kommentarspalte ja offen. Was mich selbst betrifft, bin ich auch ziemlich schmerzfrei. Mir wären solche Streicher Vergleiche völlig egal, aber in Bezug auf Hr. Poensgen fand ich sie doch deutlich überzogen.
    Wobei mir sowieso nicht klar ist, wie man von solchen Texten persönlich beleidigt sein kann? Entweder man erkennt sich darin selbst und das Ergebnis gefällt einem nicht, dann hat man was zu tun. Oder es betrifft einen nicht.

  18. Carlos Wefers Verástegui

    @ xerox

    Nein, ich war nicht persönlich beleidigt, es geht mir – wie so oft – um grundsätzliches. Ich verstehe, dass viele Leser wie Sie es einfach satt sind, von einer humanitätsduselnden Umgebung mit doppelsaurem Moralin dauerberieselt zu werden oder aber »für sich« moralisch höher stehende Menschen wie Robert Wagner auszuhalten. Aber – und dieses »Aber« ist wichtig – man soll nicht über das Ziel hinaus schiessen und um Zynismus enden. Ich halte Herrn Poensgen für einen sehr zynischen Menschen. Heutzutage ist es ja billig, Zyniker zu sein. Ich halte den Zynismus für eine sehr grosse Gefahr, gerade im rechten Lager sollten wir aufpassen, und Provokation nicht zu einer Attitüde machen. Leider habe ich da bezüglich des Zynismus noch nicht gründlich nachgeforscht, das werde ich tun müssen wenn ich etwas mehr Zeit habe. Denke, in Sloterdijks »Kritik der zynischen Vernunft« sind viele Belegstücke zu finden, habe ich mir auch schon vorgemerkt.

  19. Carlos Wefers Verástegui

    @Robert Wagner

    Ich sehe, Sie sind ein bescheidener Mensch der noch dazu ein sehr realistisches Selbstbild pflegt. In Spanien sagt man, es gibt Menschen, denen muss man einfach Recht geben, wie man es sonst mit den Dummen zu tun pflegt. Ich lasse Ihnen gern, dass Sie der bessere Diskutant sind, Sie haben ein Lebkuchenherz gewonnen. Dankbar bin ich Ihnen ebenfalls, Menschen wie Sie liefern mir doch auch viel Material, schliesslich muss man ja wissen, warum solche Diskutanten wie Sie so gut sind und worin eigentlich ihre/Ihre Güte besteht. Ich weiss nun um Ihren Wert 😉

  20. Robert Wagner

    @ Carlos Wefers Verástegui:

    Bescheidenheit ist eine überschätzte Tugend. Ich persönlich habe es in der Vergangenheit mit ihr übertrieben, was mir wenig eingebracht hat. Und wenn meine Kritik dazu beiträgt, dass ihre Artikel besser werden, freue ich mich für Sie.

    Ich kenne da übrigens eine andere Tugend, die wahrlich nicht überschätzt wird: Die, sich als ein guter Verlierer zu erweisen.

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