Anstoß

Deutschland den Deutschen?

Deutsche Kultur. Leitkultur. Was bedeutet dies? Anstatt der noch nicht mit einer einheitlichen Würdigung beantworteten Frage nach dem Inhalt nachzugehen, wird nur selten nach den Kulturträgern gefragt.

Wer zeichnet für Entstehung und Verbreitung der deutschen Kultur verantwortlich? Und ist die deutsche Kultur puristisch, in sich homogen, in ihrer Entwicklung losgelöst von äußeren Einflüssen historischer Ereignisse und anderen Kulturen?

Das Grundgesetz als Ausdruck des Deutschtums?

Das Grundgesetz wird gerne als elementarer Bestandteil einer deutschen Leitkultur   in die Diskussion eingebracht. Manche hingegen definieren die deutsche Gesellschaft, das Deutschtum, lediglich als Träger jener Rechte und Pflichten – unabhängig der ursprünglichen Nationalität, der eigentlichen Zugehörigkeit zu einem Sprachraum sowie phänotypischer Merkmale. So macht sich das Volk unbewusst eine nicht aus seiner Mitte heraus geborene Idee zu eigen, die ihm die obere politische Kaste unter Aufsicht des Alliierten Kontrollrates auferlegte.

Ebenso wenig war es das gemeine Volk, das Kaiser und Könige krönte, Kathedralen und Dome erbauen ließ, Entstehung und Expansion des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation formte und die deutsche Einigung mit Schaffung des Deutschen Kaiserreiches oder die Wiedervereinigung 1990 möglich machte. Letzteres wäre nebenbei angemerkt, wie auch die Verabschiedung des Grundgesetzes, ohne die Einwilligung der politischen Führung der Sowjetunion, der USA, Großbritanniens und Frankreichs nicht erfolgt.

Das Zusammenspiel zwischen Bildungsbürgertum und Aristokratie

Auf heutige Verhältnisse übertragen, hatte deutsche Kultur nie ihren Ursprung im Prekariat, sondern stets in der bildungsaffinen, strebsamen und weltgewandten Mittelschicht. Jedoch, die großen Werke der Musik, Literatur, Philosophie und der Baukunst hätten ohne Anstellungen bei sowie Auftragsarbeiten für Monarchen, Kurfürsten und Herzöge zum großen Teil niemals die Menschheit bereichert. Es war das sich gegenseitig befruchtende Zusammenspiel der geistigen, politischen und ökonomischen Elite, die ein Jahrhunderte überdauerndes kulturelles Erbe geschaffen hat.

Der Pöbel aber, damals wie heute, bleibt für Fortschritt und Zivilisiertheit bedeutungslos. In früheren Jahrhunderten konnte er freilich nichts für den Ausschluss von Bildung und Kultur. Beides war ein Privileg der Bourgeoisie, der Adelsgeschlechter und Herrscherdynastien.

Linker und rechter Pöbel

Der rechte Pöbel von heute, der den zeitgenössischen Patriotismus in Hoffmann von Fallerslebens „Lied der Deutschen“ mit tumbem Nationalismus verwechselt, ist genauso verachtenswert wie der Muselman, der Koran und Hadithen nicht in den historischen Kontext einzuordnen vermag. Von der Unverrückbarkeit der angeblich durch Mohammed intonierten Worte Allahs ganz zu schweigen.

Gleichfalls ist der linke Pöbel ein bemitleidenswerter Haufen, der aus der aktiven Ansiedlungspolitik durch Friedrich Wilhelm I., der hugenottische Flüchtlinge nach Preußen holte, eine gerechtfertigte Willkommenskultur für Nordafrikaner und Araber ableitet. Oder ebenso wahnwitzig der Neugierde auf die Welt eines Alexander von Humboldts eine Beliebigkeit der Nationen, gar Zersetzung des deutschen Volkes, als Kontrapunkt entgegenstellt.

Das Deutsche ist ohne das Europäische undenkbar

Fakt ist, insbesondere Renaissance und Aufklärung beflügelten die Europäisierung der einzelnen Reichskreise des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation auf politischer, wirtschaftlicher und kultureller Ebene. Der durch Heirat untereinander verflochtene europäische Hochadel, die europaweiten Handelsströme, die Unterrichtung der oberen Gesellschaftsschichten in Latein und Französisch — immer tanzten auch die deutschen Eliten im Konzert europäischer Mächte.

Französische Gärten, englische Gärten, sowohl künstlerische Anleihen an die antike griechische und römische Architektur, die Vorliebe der feinen Gesellschaft für italienische und französische Haute Couture, italienische und spanische Einflüsse in Arien und Opern, intellektueller Austausch mit englischen und französischen Philosophen — Kultiviertheit des deutschen Bildungsbürgertums und der Aristokratie war stets europäisch geprägt.

Kosmopolitisch und heimatverbunden

Ja, nur die Eliten hatten das ästhetische Empfinden, die Errungenschaften eines bis zu zweitausend Jahre alten europäischen Vermächtnis zu würdigen. Sie waren kosmopolitisch und zugleich zutiefst heimatverbunden, fasziniert von europäischer Vielfalt und zugleich höchstinteressiert am Schutz und Erhalt des Eigenen.

Insofern ist der mit der NPD in Verbindung zu bringende Claim „Deutschland den Deutschen“ nicht nur inhaltlich plump, sondern auch historisch zu kurz gedacht. Der Schlachtruf der Linksextremisten „Deutschland, du mieses Stück Scheiße, verrecke!“ wiederum ist schlichtweg geisteskrank.

Heutzutage verkörpern weder die rechten, die linken, noch die radikal-islamischen Lautsprecher den anmutigen Stil, das treue Pflichtbewusstsein gegenüber der Heimat und den intellektuellen Stolz eines wahrhaftigen Patrioten.

Nein, selbst die heutige geistige, politische und ökonomische Elite vermag in keinster Weise mehr in den Fußstapfen ihrer längst zu Staub zerfallenen Ahnen zu wandeln. Sie verrät geradezu den Geist eines Europas der Vaterländer.

(Bild: Hoffmann von Fallersleben)

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9 Kommentare

  1. Georg Kramer

    Ich möchte anmerken, dass aus den aristokratischen Tugenden eine Pflicht gegenüber Schwächeren und Hilfesuchenden erwächst, die auf die Flüchtlingskrise übertragbar ist. Ob es eine tatsächliche Überfremdung gibt wie sie von „volksnahen“ Gruppen wie Pegida beschworen wird ist statistisch gesehen fraglich. Fest steht, dass wir einen Teil unserer Identität aufgeben müssten sollten wir hilfesuchenden Menschen ebenjene verweigern und nicht umgekehrt.

  2. „Ob es eine tatsächliche Überfremdung gibt wie sie von „volksnahen“ Gruppen wie Pegida beschworen wird ist statistisch gesehen fraglich.“ (Georg Kramer, 23. Juni 2017)
    Als New Yorker würde ich Sie an dieser Stelle fragen: Wann sind Sie eigentlich das letzte Mal mit der Stadt-Untergrundbahn gefahren? Es gibt eben Statistiken und, man soll es kaum glauben, die Wirklichkeit!

    „Nein, selbst die heutige geistige, politische und ökonomische Elite vermag in keinster Weise mehr in den Fußstapfen ihrer längst zu Staub zerfallenen Ahnen zu wandeln. Sie verrät geradezu den Geist eines Europas der Vaterländer.“ (Christoph Facius, 23. Juni 2017)
    Die „heutige geistige, politische und ökonomische Elite“ hat nichts, aber auch gar nichts mit den alten aristokratischen Eliten Europas zu tun. Und wo es doch noch genealogische Verbindungen gibt, da herrscht schon lange, ganz lange Dekadenz und Korruption vor.

    „Insofern ist der (…) Claim „Deutschland den Deutschen“ nicht nur inhaltlich plump, sondern auch historisch zu kurz gedacht.“ (Christoph Facius, 23. Juni 2017)
    Man muß kein Anhänger der NPD sein, um hier festhalten zu können, daß Propaganda, und das ist Parteiwahlwerbung auf allen politischen Seiten, keine Kulturphilosophie ist und je war. Und darüber hinaus ist zu bemerken, daß es durchaus Zeiten gibt, wo auch mit dem Hammer philosophiert werden darf.

  3. Humanity needs to go into a Dark Age for a few hundred years and think about what it´s done!
    Jack Donovan

    Im August 1919 wurde der Adel in Deutschland praktisch abgeschafft. Es ist also etwas spät, hier aristokratische Tugenden einzufordern.
    Wer die Überfremdung hierzulande abstreitet, ist entweder dumm, blind oder lügt bewußt aufgrund seiner politischen Agenda. Einen Exkurs zum Thema, die offizielle Statistik als Herrschaftsinstrument, erspare ich mir, erinnere aber gern daran, als hier aus 3 Mill. Ausländern über nacht auf einmal 15 Mill. Migrationshintergründler wurden. Da dies schon einige Jahre her ist, kann man sich vorstellen, wie es inzwischen ist. Es wurde schon tausendmal geschrieben, aber da ihr Gutmenschen ja auch ständig mit dem selben Sermon kommt, hier das 1001x:
    Wer halb Kalkutta aufnimmt, hilft nicht etwa Kalkutta, sondern wird selbst zu Kalkutta!
    Eigentlich eine bestechende Logik, falls man für Logik empfänglich ist. Man muß euch Flüchtlingsliebhabern doch mal mitteilen, daß es a bisserl unverschämt ist, sich das schlechte Gewissen auf Kosten anderer zu reinigen. Euer utopistischen, verantwortungslosen Gesellschaftsexperimenten ist ein Blinddarm im Trail and Error System der Evolution, da kommt noch nicht mal was raus, der entzündet sich nur und platzt.

  4. Carlos Wefers Verástegui

    Man darf auch Fichtes „Reden an die deutsche Nation“ gelesen und verstanden haben.

  5. Mortagner

    „Grundgesetz als Ausdruck des Deutschtums?“

    Das wäre ja genauso absurd, als wie wenn die Menschen im 2ten Weltkrieg behauptet hätten
    „Hakenkreuz als Ausdruck des Deutschtums“

    Aber machen wir uns nichts vor… die linkesten Antifas glauben das Deutschtum beschreiben zu können:
    Rassismus, Gaskammer und Mord sind für diese Leute Deutschtum.
    Kein wunder dass sie laut schreien: „Deutschland verrecke. Deutschland Du mieses Stück Scheisse“

  6. Carlos Wefers Verástegui

    Eine hübschte Stelle (Fussnote zum „giftsprühenden“ antiamerikanischen Kommentar Kürnbergers: „Aus Rindern macht man Talg, aus Menschen macht man Geld“) aus Max Webers „Protestantische Ethik und der „Geist“ des Kapitalismus“, gibt ebenfalls Aufschluss: „(Ferdinand Kürnberger) »Der Amerikamüde« (Frankfurt 1855), bekanntlich eine dichterische Paraphrase der amerikanischen Eindrücke Lenau’s. Das Buch wäre als Kunstwerk heute etwas schwer genießbar, aber es ist als Dokument der (heute längst verblaßten) Gegensätze deutschen und amerikanischen Empfindens, man kann auch sagen: jenes Innenlebens, wie es seit der deutschen Mystik des Mittelalters den deutschen Katholiken und Protestanten trotz alledem gemeinsam geblieben ist, gegen puritanisch-kapitalistische Tatkraft schlechthin unübertroffen. – Kürnbergers etwas freie Uebersetzung der Franklinschen Traktate ist hier nach dem Original korrigiert.“

  7. Udo Mann

    Zitat…

    Georg Kramer

    23. Juni 2017

    „Fest steht, dass wir einen Teil unserer Identität aufgeben müssten sollten wir hilfesuchenden Menschen ebenjene verweigern und nicht umgekehrt.“

    Stimmt, aber ebenso verändern wir durch die Mengen auch unsere Identität,
    das ist bei Leibe keine Einbandstraße!

  8. Georg Kramer (23/06/2017):
    „…anmerken, daß aus den aristokratischen Tugenden eine Pflicht gegenüber Schwächeren … .erwächst, die auf die Flüchtlingskrise übertragbar ist…“
    Nein, das ist zu sehr vereinfacht, denn wenn auch unstrittig ist, daß „noblesse oblige“ generell auch gegenüber den Schwächeren gilt, so muß erst einmal festgestellt werden, daß es sich bei der großen Mehrheit der sogenannten „Flüchtlinge“ um kräftige junge Männer handelt, die ihre Familien im Stich lassen, um ihr (wirtschaftliches) Glück vorwiegend dort zu machen, wo es ihnen quasi in den Schoß fällt und die auch gerne auf Urlaub in ihre „gefährlichen“ Herkunftsländer zurückkehren. Zum anderen hat sich der Adel eines Volkes immer auch dadurch ausgezeichnet, daß er es sich zur Pflicht machte, eben genau dieses zu beschützen. Vor allem vor Eindringlingen, vor Feinden also, die von außen den Bestand seiner Nation bedrohten. Und das wären heute z.B. solche, die ihre deutschen Gastgeber lediglich als Milchkühe und Schlimmeres betrachten.

  9. Gorch Fock

    Wem denn sonst, wenn nicht den Deutschen? Was soll das? Japan den Chinesen? Oder wem? Lesen Sie die 16 Punkte der Alt-Right, die Vox Day auf seinem Blog in beinahe 30 Sprachen anbietet. Die Alt-Right ist für jedes Volk interessant, das selbstbestimmt und souverän in seinem eigenen Land leben möchte. Das gilt auch für die Deutschen.

    Es scheint, daß einige SJWs die BN aufsuchen, anders kann man den läppischen ersten Kommentar nicht verstehen. Hilfe vor Ort, ansonsten kann man es gleich bleiben lassen. Außerdem muß die Geburtenkontrolle in der Dritten Welt durchgesetzt werden. Nach Heinsohn hat sich der islamische Kulturkreis verachtfacht (!). Syrien hatte in den 60er Jahren ca. 6 Millionen Einwohner, nun sind es an die 23 Millionen.

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