Anstoß

Die Eitelkeit der herrschenden Klasse

Das Ringen um Anerkennung kann manchmal absonderliche Formen annehmen. Der Glaube etwas Besonderes, etwas Außergewöhnliches zu sein kann giftige Blüten tragen. Die Selbstdarstellung Einzelner hat zuweilen ungesunde Ausmaße angenommen. Darstellungsmöglichkeiten gibt es viele.

Zum Beispiel: Das scheinbare gesellschaftliche Einbringen der selbsternannten Demokratieverteidiger, bei dem Andersdenkenden die Meinung verboten und ihre Äußerungen untersagt werden. Zahlreiche „Flüchtlingshelfer“, die helfen, um ihr Gewissen reinzuwaschen oder gar einen unerfüllten Traum nach Liebe und Zuneigung zu stillen. Derartiges scheint dieser Tage zum guten Ton zu gehören.

Verfall und Infantilismus

Darüber hinaus gibt es noch jene, welche ihre Einzigartigkeit, ihre besondere Stellung allen Anderen gegenüber durch ein eigens geschaffenes „Geschlecht“ hervorheben und damit selbst eine Opferrolle für sich beanspruchen. All dies sind Anhaltspunkte für eine im Verfall begriffene, kindische und dem Abfall der Sitte anheimgefallene obere Klasse, welche die Wirklichkeit bereits weit hinter sich gelassen hat. Bei all der Selbstbeachtung vergessen sie nur zu gerne, dass die scheinbare neue Freiheit, sein zu können, wer oder was auch immer sie sein wollen, tatsächlich eine Unfreiheit nach sich zieht.

Durch das Hervorheben einzigartiger eigener Merkmale, das wusste nicht zuletzt Foucault, ergibt sich eine neue Spaltung. Der zwanghafte, geradezu religiös anmutende Kampf gegen das angeblich vollkommen Böse in Form der AfD und verschiedenster Abweichler führt zu einer Feindschaft, die einen freien und öffentlichen Austausch von Ansichten und Vorstellungen häufig unmöglich macht. Der Andere wird zu einem verachtenswerten bösartigen Nazi, gegen den jedes nur erdenkliche Mittel recht erscheint.

Was bleibt von Habermas?

Wenn selbsternannte Antifaschisten „Aus der Geschichte nichts gelernt?“ zum geflügelten Satz erheben und dabei sowohl in Kleidung, als auch in Auftreten – und wenn auch nicht in ihren Zielen, so doch im Durchsetzen selbiger – an Mussolinis Schwarzhemden erinnern, dann ist dies das Ende der freien Meinung, der Demokratie und nicht zuletzt des vernunftbegabten Diskurses, welchen ein neulinker Vordenker wie Habermas als das Höchste einer Demokratie sah und so sehr zu suchen bemüht sein wollte.

Doch der Kampf um Straßen, Herzen und Köpfe geht noch weiter. „Bodyshaming“, „Slutshaming“ und andere Verbote sogenannter Diskriminierung dienen vorzüglich dem Schutz der überaus wichtigen „Safe Spaces“ der verkommenen oberen Klasse. „Trigger Warnings“ sollen vor dem Äußern unangenehmer Wahrheiten warnen, um bloß das Verletzen von Gefühlen zu verhindern. Insbesondere der jüngere Teil dieser Klasse, meist durch ein universitäres Umfeld geprägt, will keine Verantwortung übernehmen. Nicht für das eigene Fehlverhalten, nicht für die Gesellschaft.

Veganes Kiffen und der Glaube es besser als die vermeintlichen Nazigroßeltern zu machen beruhigen das Gewissen schon. Die jüngere hippe wohlhabende Klasse zählt das Internet mehr zum guten Leben als eigene Kinder. Angehende Führungskräfte spielen lieber Qudditsch aus Harry Potter nach anstatt Heidegger, Nietzsche oder Platon zu lesen. Drogen, Feiern und bedeutungslose Bekanntschaften für eine Nacht lösen das stabile Familienbild ab.

Wohlstand und das Leben als Einzelkind von Helikoptereltern ließen einen erschreckend großen Teil dieser Generation nicht erwachsen werden. Die Abwesenheit wirklicher Schwierigkeiten ließ Nichtigkeiten und vermeintliche Ungerechtigkeiten zu Widrigkeiten anwachsen, derer als notwendig empfundene wasserkopflastige Lösung sich diese Klasse verschrieben hat.

Unglücklicherweise kommt darüber der Sinn für tatsächliche Missstände und Unwägbarkeiten abhanden. Vielmehr führt diese Entwicklung zu einer Verweichlichung und dem fehlenden Verständnis für das Eigene und die eigene Gruppe. Wer also nach einer Geschlechtsumwandlung schreit, ist nicht zwangsläufig eines von 60 oder wie vielen Geschlechtern auch immer, gefangen im Körper einer Frau oder eines Mannes, sondern im Zweifel ein verzogener kleiner Rotzlöffel gefangen im Körper eines Erwachsenen.

(Bild: Pixabay)


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