Gesichtet

Erst die Kirche zerschlagen – dann die Demokratie?

Oh Fortschritt – immer mehr Bundesbürger wissen, wie man die Hürden und Fußangeln überwindet, die Microsoft und andere Menschheitsgeißeln teils aus Bosheit, teils aus Dummheit in Geräte und Netz eingebaut haben.

Leider sind denselben Zeitgenossen einst selbstverständliche Erkenntnisse verlorengegangen: Erstens gibt es keine vollkommenen Heiligen unter uns, sondern nur Menschen, die ihr Leben lang mit sich, ihrem Gewissen und ihren Sünden kämpfen; zweitens kommt jeder – und erst recht jeder, der eine Institution oder Organisation vertritt – immer wieder einmal in die Situation, wo er Unwahres sagt: Aus Vergeßlichkeit und Fehlerinnerung, mit voller Absicht um höherer Werte willen oder aus niedrigen Beweggründen.

Warum ich das schreibe? Weil es mich als Christ und als kirchenkritischer Lutheraner zutiefst empört, wie gegenwärtig von der Alpenprawda bis zum öffentlich-schwächlichen Rundfunk die Medien über die katholische Kirche und deren letzte Konservative herfallen. Auch an diesen habe ich meine Kritik, aber die ist momentan drittrangig. Was mich empört, ist die hirnrissige Rabulistik angeblicher Gläubiger, die androhen, ihren nicht vorhandenen Glauben zu verlieren, wenn nicht Papst, Kleriker und Co. sofortestens ein komplettes Kollektivschuld-Bekenntnis abgeben.

Wo haben diese Schäfchen ihr Denkvermögen gelassen? Seit 2.000 Jahren sind alle christlichen Kirchen (von den anderen ganz zu schweigen) Vereinigungen voller Sünder. Immer mal wieder wird der Saustall gesäubert, aber ganz sauber wird er nie. Schon die Jünger Jesu sind eine Truppe voller Wackelkandidaten (Petrus! Thomas!). Die Christen sind Sünder, aber das Christentum ist keine Sünde, sondern unser geistiges, moralisches und kulturelles Fundament – für uns alle, für Religiöse, aber auch für Agnostiker und Atheisten. Was aber wird aus einer Gesellschaft, deren Fundament ausgehöhlt und zerstört wird? Jeder von uns kennt die Antwort.

Die Warnzeichen sind unübersehbar. Die Angriffe von Islamisten, Psychopathen und linkelnden Terrorfreunden auf Christen wie auch auf Juden nehmen zu. Immer wieder werden Kirchen geschändet, Gottesdienste gestört, Kunstwerke geraubt, ohne daß angemessen berichtet und strafverfolgt wird. So wenig wie wir Deutschen gegen die Islamistenhetze („Köterrasse“ etc.) geschützt werden, so wenig wird aktiver Christenschutz praktiziert.

Kein geistig gesunder Mensch wird behaupten wollen, alle Muslime seien Kinderschänder und Frauenmörder, nur weil es solche unter ihnen gibt. Und auf einmal soll für die Kirche eine solche Kollektivbeschuldigung gelten, erhebt sich Geschrei, wenn man sagt, daß es sich um schlimme Einzelfälle handelt? Hinzu kommt das Dilemma der Kirche: Sie ist weder Staatsanwaltschaft noch Polizeibehörde, sie kann nur begrenzt Beweise erheben, darf nicht in Denunziantentum verfallen, und sie ist an das biblische Gebot der Vergebung für Sünden gebunden.

Im Übrigen lassen die Haltungspresse und Benedikts kirchliche Gegner jeden Respekt gegenüber seinem Amt und seiner Person vermissen – von einem Respektieren der Unschuldsvermutung ganz zu schweigen. Daß der Münchner Intrigantenstadl um Herrn Marx, daß angebliche Reformer wie Bätzing und der Aachener Bischof Helmut Dieser mit der Meute kläffen, war nicht anders zu erwarten. Dieser Dieser ist verantwortlich für eine Dichte an Regenbogenfähnchen im Bistum Aachen, als sei es des Kaisers oder des Führers Geburtstag. Er sagt von sich, er habe von den Queeren „dazugelernt“. Im Grundkurs Kirchenliquidation? Seltsam auch, daß gerade heute 125 queere Katholiken öffentlich presse- und fernsehgestützt echt denglisch als #OutingChurch aufkreuzen, die ihrem verdrehten Minderheitchen zuliebe das Christentum zwingen wollen, die Bibel umzuschreiben und die Glaubenslehre zu ändern. Daß sie gegen das Grundgesetz handeln, geben sie offen zu.

Ginge es hier nur um einen Streit in der Kirche und mit ihr, wäre es schlimm genug, aber noch relativ harmlos. Aber es geht um weit mehr: Um den Versuch von großen Teilen der machthabenden Clique, jene Christen auszuschalten, die als Opposition gefährlich werden könnten. Die Muster dazu hat man aus der Geschichte übernommen: Man verbündet sich mit denen in der Kirche, die aus ideologischem Fanatismus oder aus karrieregeilem Opportunismus als Judasse bereitstehen. Man greift sich Skandale und Missetäter heraus und suggeriert „Die sind alle so.“

So haben die Stalinisten gearbeitet, so arbeitet Chinas Regime heute, so haben die Nazis die Politiker der „Systemzeit“, antifaschistische Priester und Prediger, aber auch die Juden zu „Volksfeinden“ erklärt. Tatsächliche, maßlos aufgebauschte und frech erlogene Vorkommnisse lassen sich immer finden. Nur, wer würde behaupten, daß das Vorhandensein einzelner jüdischer Verbrecher, die es zweifelsohne gab, die Judenverfolgung rechtfertigte?

Die Parallelen zur heutigen Situation sind auffällig – und hier muß tatsächlich den Anfängen gewehrt werden. Und zwar europaweit! Wenn heute in Finnland die christdemokratische Abgeordnete Päivi Räsänen, Innenministerin von 2011 bis 2015, von Denunzianten und Christenhassern wegen eines Bibelzitats, das völlig korrekt die Tradition wiedergibt, vor Gericht gezerrt und mit Gefängnis bedroht wird, dann wird deutlich, was die Stunde geschlagen hat.

Noch einmal: Es geht um die große Linie, um die Faschisierung Schritt für Schritt. Man konnte 1933 mit Fug und Recht an der Weisheit der KPD, an der Unbestechlichkeit etlicher SPD- und Gewerkschaftsführer, an der Moralität etlicher Politiker und Kirchenleute zweifeln – und doch mußte man sie alle verteidigen gegen den antidemokratischen und antichristlichen Generalangriff des Staates, der noch dazu abgesichert wurde durch die Kumpanei Hitlers mit den „Deutschen Christen“ und sein Reichskonkordat mit dem Vatikan.

Was gegen das Christentum geschieht, hat eine enge Verbindung mit dem Angriff auf die Freiheitsrechte in Sachen Corona-Proteste und mit den propagandistischen Kriegsvorbereitungen gegen Rußland. Vizeadmiral Kay-Achim Schönbach, zurückgetretener Generalinspekteur der Marine, hat in Sachen Rußland nichts Falsches gesagt. Die mehrheitlich russische Bevölkerung der Krim hat sich für die Rückkehr zu Rußland entschieden und der korrupten Demokratur in Kiew wird es nie gelingen, das zu ändern.

Genauso wenig wird Moskau es akzeptieren, daß die Ukraine die mit Rußland kulturell verbundenen und politisch verbündeten Volksrepubliken Donezk und Luhansk („Neurußland“) mit über drei Millionen Einwohnern militärisch liquidiert. Daß Rußland keine NATO-Truppen und Atomraketen in der Ukraine will, ist mehr als legitim. Legitim ist, daß Deutschland Frieden und Zusammenarbeit mit Rußland – auch durch Nordstream 2 – anstrebt. Legitim ist auch, daß der ukrainische Botschafter in Berlin, Andrij Melnyk, nun im Auftrag seiner Regierung nach Waffen schreit. Das ist sein Job. Aber ebenso legitim wäre es, wenn eine deutsche Regierung solchen Kriegstreibern dauerhaften Heimaturlaub bescheren würde.

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