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Feldbeobachtung II: Esst mehr Nazis

bergaZugfahrt. Nur knapp über Schrittgeschwindigkeit nähert sich der IC 1948 dem Bahnhof Berga-Kelbra. Der Zug hält, wie ich später erfahre, versehentlich. Der Bahnhofsschuppen ist verwahrlost. Auf den nackten Steinen und den Preßspanplatten, mit denen die Türen verrammelt sind, stehen Graffiti: »Nazis haut ab«, »Nazis verpisst euch«, »Berga bleibt bunt«.

Ein Minimum an Kreativität hat jemand aufgebracht mit dem Spruch »Esst mehr Nazis«. Es besteht Ähnlichkeit mit der Art, wie Hunde ihr Revier markieren. Dass dieser Ort offenbar in der Lage ist bei manchen Leuten Begehrlichkeit auszulösen, erzeugt amüsierte Trauer. Der Zug fährt weiter. Es war der kürzeste Halt auf der ganzen Strecke. Er beschleunigt und verlässt Berga deutlich schneller, als er angekommen war. Hinter dem Bahnhof steht ein Straßenschild. Es zeigt eine Sackgasse an. Darunter steht: »Letzte Wendemöglichkeit rechts.«

(Bild: Bahnhof Berga-Kelbra, Michael Bienick, CC, Wikipedia)

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3 Kommentare zu “Feldbeobachtung II: Esst mehr Nazis

  1. Warum fahren sie ic und seit wann kommen die durch berga aber macht nigs einfach nur rechts wenden und dann seit ihr ja links gruß ecki. ein bergaer

  2. Sieht eher aus wie ein RE oder so ein ausgemusterter Fernbus auf Eisenrädern. Daß das Kaff überhaupt angefahren wird …

    »Berga bleibt bunt« ist aber der genialste Spruch für die trostlose Tristesse. Vielleicht auch eine trutzige Beschwörung: Daß man, wenn man dem hippen MTV-Welteinheitsquark nacheifert und sich die vom politisch-industriellen Komplex aufgeschwatzte pinkrosa Haarfarbe über die Birne kippt, etwas gegen die immer grassierende Eintönigkeit der realexistierenden Lebenswelten getan habe.

  3. Duke Nukem

    Where the Hell is Berga? Klingt wie ein Weiler gleich hinter Klein-Krotzenburg. Wenn ich dort leben müsste, würde ich sogar darum betteln, das mich jemand isst. Das da überhaupt Schienen lang führen, ist schon ein Menschheitsrätsel für sich.

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