Anstoß

Grautöne gegen den Totalitarismus

Haben Sie auch das Gerücht vernommen, daß Sie in den nächsten 14 Tagen den Bundeskanzler straffrei umbringen dürfen? Leider muß ich Ihre Attentatswünsche enttäuschen – das Gerücht bezieht sich auf Wladimir Putin und es ist kein Gerücht.

Facebook, also die höchste medial-theologische Instanz aus Gottes eigenem Land, hat – auf begrenzte Zeit, wie man hört – den russischen Präsidenten zum Abschuß freigegeben, zum Üben zunächst im Netz, später … Ja, später kann man dann sagen, so sei es nicht gemeint, das sei nur virtuell und spirituell gewesen. Aber daß Leichen den Weg des Helden pflastern, das ist nun einmal von Wyatt Earp bis Sleepy Joe ein Traditionskontinuum der USA.

Da kann auch die Führerauslese der katholischen Kirche in Deutschland auf ihrem Weg zu immer neuen moralischen Tiefpunkten nicht zurückstehen: Sie tritt dafür ein, daß die Ukraine Waffen erhält. Für den Frieden eintreten und beten, das war gestern und läuft heute allenfalls nebenher, denn heute wird auf Teufel komm heraus Politik gemacht.

Nur so wird man lästige Gläubige los, die den Kirchhofsfrieden in der Restkirche stören könnten, nur so kommt man dank Maria-Zwei-Punkt-Null der Null näher. Völlig zu Recht spricht der bei der „Neuen Zürcher Zeitung“ gecancelte Publizist Milosz Matuschek davon, daß die von Russenhaß und „Russen-Cancelculture“ angefressene deutsche Gesellschaft, die keine Grautöne mehr kennt, „zwangsläufig totalitär“ ist.

In Lessings Tragödie „Emilia Galotti“ bittet die Titelheldin ihren Vater, sie zu töten, um sie vor dem sie begehrenden Prinz Gonzaga zu bewahren. Daß die deutsche Wirtschaft etliche amerikanisch finanzierte deutsche Politiker gebeten hätte, doch bitte um die Ecke gebracht zu werden durch sofortigen Importstopp für russische Energie und Rohstoffe, ist unwahrscheinlich. Aber das hindert diese nicht zuletzt aus der FDP stammenden Handlanger fremder Interessen keineswegs daran, Deutschland den ökonomischen Selbstmord als Therapie zu empfehlen.

Es reicht ihnen nicht, daß dank der Überforderung durch Sozial- und Coronakosten die mittelständischen Unternehmen schwer angeschlagen dem K.O. entgegentaumeln – nun soll dem Volk auch noch der Mühlstein eines neuen Kalten Krieges gegen Rußland aufgebürdet werden. Statt daß unverzüglich alle Ausreisepflichtigen abgeschoben werden (wohin auch immer, zur Not nach Brüssel oder New York in die Bürotürme der Asylverwalter), kommen in großer Zahl Afrikaner und Asiaten als angebliche Ukrainer, wie etwa Anton Speer, Landrat von den Freien Wählern in Garmisch, dem „Münchner Merkur“ mitteilte.

Dirigiert von den Gutmenschlern der NGOs, der Nix-Gutes-Organisationen, behaupten diese Leute von Farbe, die weder Ukrainisch noch Russisch oder Englisch sprechen, frech, sie hätten in der Ukraine studiert. Nonverbal Bettelogie? Pantomimisch Taschendiebstahlskunde? Die dummen Deutschen glauben ja alles und wenn sie es nicht glauben, dann haben sie Angst vor den schlagkräftigen Argumenten der Antifanten von Eskia Saskens & Co. Wobei die Antifa momentan schwer depressiv ist, denn die Handvoll Neonazi-Deppen aus Deutschland, die als Hiwis der Ukrainer in den Krieg ziehen, beweisen doch unwiderlegbar, daß militante und terroristische Neonazis hierzulande zu den seltenen und eher aussterbenden Arten gehören. Wie soll man da den Kampf gegen rechts rechtfertigen?

Statt die mörderischen Feuer des Krieges weiter anzuheizen, statt den Ukrainern noch fünf Minuten nach zwölf ihre einzige Überlebenschance, die Finnlandisierung, ausreden zu wollen, sollte Deutschland als ehrlicher Makler zwischen der Ukraine und Rußland vermitteln. Das wäre Realpolitik im Interesse des Weltfriedens und im deutschen Eigeninteresse. Wir haben die Welt nicht gemacht und sind nicht schuld daran, daß sie nicht ideal beschaffen ist.

Natürlich würden in einer idealen Welt Selbstbestimmung und Humanität uneingeschränkt herrschen. In der tatsächlichen Welt gelten Geopolitik, Machtunterschiede, Militärpotentiale nun einmal mehr als papierene Rechte. Wenn Ihnen in der Hamburger Hafenbar ein Muskelprotz das Bier übers Hemd kippt und Ihnen auf die Füße tritt, finden Sie das zu Recht ungerecht und gemein. Aber rufen Sie deshalb Ihre egoistischen Verwandten aus Unteritalien zu Hilfe, appellieren Sie an den Bundesgerichtshof und die Den Haager Juraprofessoren? Oder spendieren Sie lieber freundlich lächelnd eine Lokalrunde und ziehen sich still zurück?

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