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Interview: Als Türke in der Jungen Alternative

Ali ist 16 Jahre alt, hat einen türkischen Migrationshintergrund und ist Mitglied der Jungen Alternative. Waren vor der Abspaltung von Bernd Lucke und Co. noch einige Türken in der AfD aktiv, sind sie heute kaum noch präsent. Wir haben mit Ali gesprochen und ihn zu seinen Beweggründen befragt. Ali heißt in Wahrheit anders, da er noch minderjährig ist, wurde das Interview unter Pseudonym geführt.

BlaueNarzisse.de: In Deinem Alter interessieren sich Jugendliche meist für andere Sachen als Politik. Was hat bei Dir ein politisches Interesse geweckt?

Ali: Ich bin in einem christlich geprägten Dorf aufgewachsen, in dem es fast gar keine Migranten gab. Dadurch hatte ich schon im Kindergarten einen Bekanntenkreis, der nur aus ethnisch deutschen Kindern bestand. Dementsprechend bin ich auch wie ein deutsches Kind aufgewachsen. Jene Komponente, die eine Gesellschaft ausmacht, wurde mir angeeignet – wie einem deutschen Kind.

Ich wurde mit deutschen Werten erzogen, habe christliche und deutsche Traditionen kennengelernt und auch gefeiert und habe mir die deutsche Kultur ans Herz gelegt. Somit war das einzige, was bei mir türkisch war, mein Ursprung. Wenn man jahrelang in einer Gesellschaft lebt und Teil dieser Gesellschaft ist, baut man eine gewisse Bindung zu dieser auf. Mit 14 habe ich dann angefangen zu merken, dass in diesem Land einiges schief läuft. Für mich war schon damals eindeutig klar, dass die Einwanderungspolitik von Frau Merkel fatale Folgen für unser Land haben kann. Die massenhafte Einwanderung von kulturfremden Menschen habe ich schon damals massiv kritisiert. Durch die Flüchtlingskrise ist es auch bekanntlich zur gesellschaftlichen Umstrukturierung gekommen.

Ein Beispiel dafür ist, dass viele christliche Traditionen wie beispielsweise Weihnachtsfeste einfach abgesagt wurden. Grund: Toleranz gegenüber andersgläubigen Menschen. Das war für einen Menschen in meinem Alter unfassbar. Jedoch wollte ich niemals zu den Leuten gehören, die meckern und einfach nichts tun. Somit bestand schon damals das Interesse an der Politik, die mir jedoch von meinen Lehrern indirekt ausgeredet wurde. Die AfD wurde in meiner Schule immer als rechtsextrem und ausländerfeindlich dargestellt. Somit war es für mich mit 14 unvorstellbar, in die Partei und deren Jugendorganisation einzutreten. Mit der Zeit wird man aber reifer und schlauer. Als ich mich dann weiter informiert habe und merkte, dass über die Partei und deren Jugendorganisation viele Lügen verbreitet wurden, bin ich vor der Bundestagswahl an den AfD-Stand gegangen und habe mich informiert. Von diesem Zeitpunkt an war klar: Die AfD ist die richtige Partei. Kurze Zeit später, also mit 16, bin ich in die JA eingetreten und will auch AfD-Mitglied werden.

Wieso gerade die AfD?

Es gibt für mich keine andere Partei, die meine politischen Ansichten so vertritt, wie es die AfD tut. Ich bin nationalkonservativer Patriot und auch stolz darauf. Für mich wird es keine andere Partei und Jugendorganisation geben, der ich meine Loyalität mehr entgegenbringen könnte, als ich es bei der AfD und der Jungen Alternative tue.

André Poggenburg hat jüngst eine Aschermittwochsrede gehalten, in der er die Vertreter der Türkischen Gemeinde in Deutschland e.V. wüst beschimpft hat. In den Medien wurde der Sachverhalt so dargestellt, als hätte er alle Türken gemeint. So oder so waren die Aussagen starker Tobak. Wie siehst Du das?

Ich muss zunächst anmerken, dass ich Herrn Poggenburg sehr sympathisch finde und seine politischen Ansichten teile. Dennoch muss man klar sagen, dass seine Aussagen sehr unüberlegt waren. Die Beleidigungen gegenüber der türkischen Gemeinde finde ich einfach unangebracht. Man kann die türkische Gemeinde in Deutschland kritisch sehen und das tue ich ebenfalls. Jedoch sollte ein Herr Poggenburg nicht auf ein Vokabular zurückgreifen, was nicht seinem Niveau entspricht.

Was sagt Dein familiäres und schulisches Umfeld dazu? Wissen sie Bescheid?

Meine Eltern wissen von meiner politischen Aktivität und kennen auch meine Meinung zu verschiedenen Themen. Auch, wenn es nicht ihrem Meinungsbild entspricht, unterstützen sie mich. Anders wird es in der Schule. Dort musste ich meine politische Aktivität unfreiwillig bekanntgeben. Seitdem ist mein Leistungsniveau gewissermaßen gesunken und auch meine Freunde haben damit zu kämpfen. Jede Person, die annähernd was mit mir zu tun hat, kriegt Probleme. Das beste Beispiel ist mein bester Freund, der sich weder politisch engagiert, noch eine genaue Meinung besitzt.

Dieser wird von meinem Klassenlehrer als „rechtsradikal“ eingestuft und hat sogar ein Gespräch mit seinen Eltern verordnet. Es ist einfach traurig, dass genau die Personen, die täglich von Meinungsfreiheit und Demokratie reden, Menschen wegen ihrer Meinung diffamieren und ihnen einen schlechten Ruf zufügen. Was mich auch wundert, ist, dass viele Lehrkräfte, vor allem PoWi-Lehrer, sich nicht mit unserer Gesetzeslage auskennen und falsche Informationen verbreiten, um Fakten einfach zu verdrehen.

Wirst Du wegen Deines Migrationshintergrundes in AfD und JA irgendwie anders behandelt?

Nein, ich werde weder bevorzugt, noch benachteiligt. Es kommen innerhalb der JA Mitglieder zu mir und interessieren sich für die Beweggründe. Und genau mit solchen Menschen kann man auch offen reden, ohne komisch angeschaut zu werden. Innerhalb meines Kreisverbandes arbeite ich im Vorstand als Beisitzer und wir sind ein eingespieltes Team. Ebenso halte ich viel Kontakt mit anderen Mitgliedern und kann auch sagen, dass innerhalb von drei Monaten viele Freundschaften entstanden sind, bei denen die Personen einem auch ans Herz gewachsen sind.

Glaubst Du, dass es unter türkischstämmigen Jugendlichen ein Potential für die Junge Alternative und die AfD geben könnte?

Menschen, die unserem Grundsatz folgen, sich jedoch nicht trauen: Ja, die gibt es. In der Gesellschaft wird man wegen einer politischen Meinung immer mehr abgestoßen. Viele Menschen, auch mit einem Migrationshintergrund, haben großes Potential und trauen sich nicht, sich zu engagieren. Die Angst möchte ich den Leuten aber nehmen. Es ist besser, sich von Menschen zu entfernen, die einen nur wegen politischer Meinung oder Neutralität mögen. Ich selbst habe sehr viel Erfahrung damit gemacht und bereue meinen Weg ganz und gar nicht.

Vielen Dank für das aufschlußreiche Gespräch!

(Bild: Franz Ferdinand Photography, flickr, CC BY-NC 2.0)

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6 Kommentare zu “Interview: Als Türke in der Jungen Alternative

  1. Der Artikel stellt einen absoluten Ausnahmefall dar. Ich kenne einen Türken der eine ähnliche Sozialisation erlebte wie der oben beschriebene Fall. Als dieser vom Lande in die Stadt Wien zog und einmal in den Park ging, geschah folgendes. Im Käfig begann ein Fußballspiel, Türken gegen Österreicher. Mein Bekannter mit türkischen Wurzel dachte sich Türken gegen Österreicher? Wir sind doch alle Österreicher(ja österreichische Staatsbürger)! Heute ist jener Mann, der sicher ein perfektes Beispiel für Assimiliation ist und seine türkische Kultur nur noch im Elternhaus auslebt, ein überzeugter Grünwähler und sieht sich selbst als Linksliberal. Er erinnert mich ein wenig an Efgani Dönmez, was seine politische Einstellung anbelangt.

    Solche Leute beweisen lediglich das Assimilation manchmal bei Türken funktioniert und sonst gar nichts. Aber was sich in jenem Beispiel im Artikel zeigt ist eine gewisse Verschiebung der Ethnien. Die Ethnien der Gastarbeiterfamilien bekommen eine gewisse Konkurrenz, unabhängig davon ob sie integriert, assimiliert oder seit 30,40 jahren in Europa leben und nicht die Landessprache beherrschen. Afghanen und »Nafris« kommen und der Kuchen um Sozialleistungen wird kleiner. Auch kommt es zu einem Wertekonflikt. Der Türke der noch immer Moslem ist muss sich nun rechtfertigen warum er vielleicht mal ein Bier trinkt oder warum seine Schwester kein Kopftuch trägt. Die »Refugees« packen iHn an der »Ehre«, wie immer diese auch zu verstehen ist. Die meisten Türken werden deshalb sich an Erdogan orientieren, als mentales Gerüst gegen kommendes und nicht Unterstützung bei der AfD suchen.

    Außerdem was ist mit dem Konvertiten Arthur »Ahmad« Wagner aus der AfD? Wieso wurde der Türke nicht zu diesem befragt? Warum ist der Konvertit ein Problem und der Türke mit deutschem Pass in der AfD ist unproblematisch?

  2. Robert Wagner

    Interessantes Interview. Abgesehen davon, dass man sich fragen muss, ob dieser Jugendliche mal darüber reflektiert hat, inwiefern Traditionen und v. a. Werte eigentlich spezifisch deutsch sind: Wenn ich mir vor Augen führe, was man an rassistischem Gedankengut aus manchen AfD bzw. JA-Kreisen hört (etwa von diesem Rassehygieniker Lars Steinke, Landesvorsitzender der JA in Niedersachsen, oder von dieser Gauland-Büromitarbeiterin, die nicht möchte, dass im Falle ihres Todes ihr Herz in den Körper eines Türken transplantiert wird), stellt sich mir schon die Frage, ob hier nicht ein Fall von politischer Selbsttäuschung vorliegt. Vermutlich wird er mit zunehmendem Alter schon noch begreifen, dass Menschen wie er von vielen Anhängern des »konservativ-revolutionären« Milieus nur ausnahmsweise als Deutsche akzeptiert werden können, da sie prinzipiell eine Bedrohung der ethnischen Homogenität und der ethnokulturellen Identität darstellen. Und das Streben nach deren Reinerhaltung ist dem völkischen Denken, dass gerade »der Flügel« in der AfD um Höcke und Poggenburg repräsentiert, inhärent. Diese Reflexionsprozesse habe ich selbst auch schon vollzogen.

  3. Auch wenn ihr mich zensiert, das Interview ist so glaubwürdig, wie ein afghanischer Raketenwissenschaftler, der hier im Schwimmbad, nach der großen Liebe sucht.

  4. kosmonaut:
    Beim Konvertiten »Ahmad« Wagner kann man davon ausgehen, daß er dem Islam ganz und voll im Sinne von Koran und nach dem Vorbild Mohammeds folgt. Das bedeutet: Islam über alles, totalitäres Denken, Rassismus gegen Nichtmoslems (wie Allah JEDEM Mohammedanern befiehlt), Gesetze, Bildung, Demokratie, Menschenrechte gelten nur so weit sie der Scharia entsprechen (also garnicht)…
    Der junge Türkischstämmige AfD-ler wuchs mit deutschen Werten auf, die auf christlichen Werten basieren: »Liebe deinen nächsten wie dich selbst«… Sein Umfeld ist und war nie eine abgeschottete Gemeinschaft von Deutschlandhassern und Absahnern.
    Soviel zu den Unterschieden die mir dabei aufgefallen sind.

  5. Kosmonaut

    Egon Samu: 1.Der junge Türke wuchs mit türkischen Werten auf und ist so säkularisiert, dass es mit deutschen Werten kompatibel ist. 2.Dann kannst du ja froh sein dass Ahmad Wagner weiter AfD-Mitglied ist. 3. Nicht jeder Konvertit ist wie Pierre Vogel. Ich denke da an Andreas Abu Bakr Rieger, Mitbegründer des Compact Magazin. Dieser steht zwar Pegida kritisch gegenüber aber meint dass man Deutscher und Moslem sein kann. Er selbst ist übrigens ein absoluter Goethe Fan.

  6. Ein guter, anständiger Mann. Mein Dank an ihn, dass er sich in der AfD engagiert.
    Großes Lob.
    Ich wünsche ihm und allen AfDlern viel Erfolg.

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