Gesichtet

Sichtungen in Deutschland, 2018

Am 17. November wandte sich Leserin A.S. mit folgendem Hilfeschrei an den Moralphilosophen Rainer Erlinger, der für das SZ Magazin Gewissensfragen beantwortet:

„Mit meiner linksgerichteten Einstellung kann ich nicht mit jemand befreundet sein, der AfD-Gedankengut in sich trägt und verbreitet. Meinen Freunden geht es genauso. Nun hat eine Freundin aus dieser Gruppe eine Affäre mit einem solchen Menschen. Müssen wir ihn in unser Leben – Partys, Urlaube – integrieren?“

Man könnte zwischen Meinungen und Menschen bzw. deren Einstellungen und Verhalten unterscheiden, um sachlich zu antworten. Nur was verbirgt sich hinter der so typisch selbstgerechten linken Einstellung? Ist es die Überzeugung, dass der Klimawandel menschengemacht ist, Großkonzerne böse sind und unsere Asylgebung wie eine Monstranz vor uns herzutragen ist?

Selbst der betulichen Tante aus München, der Süddeutschen Zeitung, ist mittlerweile aufgefallen, dass in Deutschland anerkannte Asylbewerber zu Zehntausenden Urlaub in ihren Heimatländern machen. Sie schreibt zu Eritrea:

„Wer durch die Hauptstadt Asmara läuft, sieht wenig, was es rechtfertigen würde, das Land als Nordkorea von Afrika zu bezeichnen. Es sieht hier eher so aus wie in der Toskana, vor der Kulisse italienischer Kolonialarchitektur wird flaniert und Espresso getrunken. Man trifft auf Eritreer, die seit Jahren als anerkannte Asylbewerber in Stuttgart leben, in der alten Heimat aber eine Disco betreiben. Tausende kehren in den Ferien zu Verwandten zurück. Sieht so ein Unrechtsstaat aus, dessen Bürgern Unterschlupf gewährt werden sollte?“

Die Anerkennungsquote der Asylbewerber aus Eritrea liegt bei 68,7%. Nur Syrer bekommen häufiger Asyl zugesprochen. Die beiden anderen Themen haben sich längst Linksextreme gekrallt: „Insbesondere junge Menschen sollen über das populäre Thema ‚Klimaschutz‘ sowie über die Protestaktionen gegen die ‚Profitmaximierung der Großkonzerne‘ angesprochen, politisiert und langfristig an die linksextremistische Szene gebunden werden“, schreibt in einer Einschätzung das Bundesamt für Verfassungsschutz. Das spricht nicht notwendigerweise gegen die Protestierenden.

Doch eine aktuelle Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) zur Verbreitung extremistischer Einstellungen und Verhaltensweisen unter Jugendlichen in der Schweiz macht mich stutzig. Im Schnitt 17- bis 18-jährige – also politisch unreife Menschen – stimmen folgenden, für die Verfasser des Berichts linksextremen Aussagen in Prozent zu:

  • Die Wirtschaftsbosse zerstören den Lebensraum der einfachen Menschen in den Städten. (33.6)
  • Die Reichen und Mächtigen beuten die einfachen Menschen immer mehr aus. (68.8)
  • Heutzutage bestimmen nur noch die weltweiten Großunternehmen, wo es langgeht. (65.6)
  • Die weltweiten Großunternehmen sind verantwortlich für Armut und Hunger in der Welt. (49.0)

Aber weist sich nicht genau mit diesen Bekenntnissen der durchschnittliche Deutsche aus, während er sich als vorgeblich Wissender von seinen Mitmenschen abzuheben versucht? Doch wie kann es sein, dass politisch unreife und politisch reife Menschen im Prinzip Deckungsgleiches denken? Was hatte ich schon mit 17 Jahren im Kopf?

Vor ein paar Tagen würdigte die Access to Seeds Foundation, eine unabhängige, gemeinnützige Organisation mit Sitz in den Niederlanden, das Engagement von Bayer für Kleinbauern in Asien mit dem zweiten Platz. Im Ranking wird betont, dass global operierende Unternehmen gegenüber regionalen Saatgutunternehmen nachhaltigere Erfolge bei der Ernährungssicherung in der Region erzielen. – Das nur als Kontrapunkt.

Die zwei bedeutendsten Fragen der Umweltforschung sind: Wie groß ist der menschengemachte Anteil am Klimawandel? Und wie gefährlich ist der Klimawandel? Nach Ansicht von Spiegel Online gehen die Meinungen der Wissenschaftler hier weit auseinander. Der angebliche Konsens von 95 % der Wissenschaftler darüber, dass der Klimawandel menschengemacht sei, wäre auch kein Argument, da Konsens mit seriöser Wissenschaft nichts zu tun hat.

Schließlich entstanden neue bahnbrechende wissenschaftliche Erkenntnisse stets gegen den herrschenden Konsens. Es ist eine postmoderne Spielart anzunehmen, dass wissenschaftliche Wahrheit allein dadurch ersichtlich wird, indem ein Konsens unter Experten festgestellt wird. Dann könnte man auch gleich dazu übergehen, Erkenntnisse in der Forschung über Abstimmung zu erzielen.

Wahr ist zweifellos, dass die Anzahl der wissenschaftlichen Arbeiten, die den Konsens über anthropogenen Klimawandel zurückweisen, einen verschwindend geringen Teil der öffentlichen Forschung ausmachen. Liegt es daran, dass Klimaskeptiker kein Geld für ihre Forschungen erhalten? Es müsste also geklärt werden, ob Wissenschaftler, die den menschengemachten Treibhauseffekt bestreiten, im gleichen Maße Forschungsmittel und die Möglichkeit zur Veröffentlichung haben wie ihre Gegner.

Deutschlands Energiewende ist teuer und klimapolitisch wirkungslos

Immerhin: Dank der Energiewende liegt der deutsche Strompreis jetzt um etwa die Hälfte über dem EU-Durchschnitt. Würden die Menschen in der Dritten Welt, die zur Überwindung der Armut noch lange auf günstige Energie angewiesen sind, den Hirnriss der deutschen Energiewende kopieren, bedeutete es für Millionen Menschen von jetzt auf gleich das existentielle Aus.

Aber wen interessiert das schon im linken deutschen Wohlstandsmilieu? Wer intelligent ist, passt sich dem natürlichen Klimawandel an. Die Grünen sind wie eine wirre Ufo-Sekte im Weltuntergangsfieber, wenn sie glauben, der Mensch könne und müsse den Klimawandel stoppen. Es ist erstaunlich, wie viel Zulauf sie in Deutschland haben.

Übrigens: Laut Schweizer Radio und Fernsehen SRF gab es 2017 in der Schweiz 12,5 (!) Mal so viele linksextreme Ereignisse mit der Bereitschaft zur Gewalt wie rechtsextreme. Und in Deutschland ist jetzt alles ganz anders? Wie manipuliert sind wir eigentlich?

(Bild: Pixabay)

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