Rezension

Warum die Linken keinen Erfolg mehr haben

Mir ist ein kleines Heft in die Hände gefallen. Es trägt den Namen LUXEMBURG und ist die Spezialausgabe der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Das Magazin beschäftigt sich mit der „Neuen Klassenpolitik“ und wartet mit schickem Layout sowie durchaus intellektuellen Texten auf. Ich gebe mir einen Ruck und fange an zu lesen. Ob ein Linker wohl einen Blick in die Blaue Narzisse wagen würde? Also aus Erkenntnisinteresse und nicht nur Denunziationsgründen? Ich bezweifle es.

Analyse der Entfremdung

Los geht’s also!

„Diese Schieflage in der gesellschaftlichen Zusammensetzung gilt auch für die Partei die LINKE, die mittlerweile stark akademisch geprägt ist – trotz teilweise besserer Verankerung bei sogenannten Abgehängten. Die Partei erreicht große Teile der populären Klasse nicht mehr und verliert sie an die Rechten.“

Das klingt doch gar nicht mal verkehrt. Die Autoren scheinen das Problem zu erkennen. Die einst so stolze Linke hat sich seit den 70er-Jahren sukzessive von ihrer eigenen Klientel entfremdet. Einer der letzten I-Pünktchen war der vorläufige Rauswurf des AfD-Mannes Guido Reil aus der Arbeiterwohlfahrt, weil er die Probleme der muslimischen Einwanderung offen ansprach.

Man muss sagen: Die meisten Autoren sind clever. Sie begreifen gesellschaftliche Zusammenhänge und moderne Problemstellungen: das Entstehen und Etablieren der neurechten Bewegungen, eine autoritäre und zwanghafte Politik aus Berlin und Spaltungen im linken Lager. Ein anderer Schreiber kritisiert die Prekarisierung der Arbeiterschaft und die zu geringen Reallöhne, die Ökonomisierung der Familien, die für ihre Arbeit zu wenig Gegenwert bekommen.

Realos gegen Träumer?

Selbst wenn man das nicht so sieht: Das alles ist nachvollziehbar. Da gibt es aber ein Problem. Niemand traut sich auch nur annähernd in die Nähe der heiligen Kühe der modernen Linken. Niemand kritisiert künstliche Gleichberechtigung, also nichts anderes als staatlicher Wettbewerbsverzerrung und Frauenförderung. Niemand kommt auf die Idee, dass ein durchschnittlicher Linkswähler sich einen Scheißdreck für die Rechte von queeren LGBT*innen mit 72 Geschlechtern interessiert.

Eines der schönsten Beispiele diesen Jahres war ein Kommentar aus dem amerikanischen Wahlkampf, der die Janusköpfigkeit der Linken auf den Punkt brachte: (sinngemäß) „Wenn man einem eigentlichen Demokraten, der am Existenzminimum lebt und verschuldet ist, erzählt, dass er als weißer christlicher Mann eigentlich privilegiert sei und er mit seiner baren Existenz Frauen, Schwarze und Transpersonen unterdrückt, dann wechselt er eben zu Trump.“

Und scheinbar kommt auch niemand auf die Idee, dass der soziale Internationalismus (Europäische Union, Armutszuwanderung, Flüchtlingskrise, Ausgleichszahlungen, Bankenrettung, Entwicklungshilfe) für den deutschen Michel ein drängenderes Problem darstellt als für die Rechte jemenitischer Homosexueller einzutreten. Christoph Facius thematisierte bereits die Schwäche der „internationalen Sozis“.

Die Linke war nicht immer realitätsfremd

Wie auch immer internationale Hilfe aussehen mag: Ist diese ökonomischer Natur, wird die Bevölkerung aller Herren Länder weiter wachsen und anschließend in Länder mit höherem Lohnniveau und Wohlfahrtstaat drängen. Mit Gewalt. In unseren Ländern kann man nur einem allerkleinsten Bruchteil helfen, alle anderen werden in steigender Abhängigkeit von der Entwicklungshilfe leben und wiederum mehr Nachkommen gebären.

Eine Einsicht in diesen elementaren Zusammenhang ist genauso komplex, wie zu begreifen, dass Wasser den Berg runter läuft. Entweder sind die internationalen Linken also strunzdumm, verweigern neues Wissen oder wollen Deutschland und Europa bewusst vernichten. Vermutlich von allem ein wenig.

Dass diese Ansichten jedoch nicht auf den viel gescholtenen 68ern beruhen, sollte jedem klar werden, der schon länger Zeitung liest oder ab und zu in alten Publikationen stöbert. 1984 scheint beispielsweise der Spiegel noch nicht vom multikulturellen Kollektiv-Hirntod befallen worden zu sein. Nein, diese neulinken, quasireligiösen Heilsgedanken ohne Sinn und Verstand sind ein Phänomen des 21. Jahrhunderts und die Historiker werden sich damit befassen müssen, was Stokowski, Lobo und Konsorten antrieb. Aber zurück zu den Autoren von LUXEMBURG.

Sie selbst sind das Problem

Spannend ist nun zu beobachten, dass die Denker den letzten Schritt ihrer gedanklichen Kette nicht machen. Sie wirken wie Schulkinder, die eine Gleichung souverän gelöst haben, jetzt stehen sie vor der letzten Umformung. Da steht 27-14. „13“ ist allerdings eine Pechzahl und den Eleven stockt der Stift. Die Lehrer haben vorher gesagt: Wer „13“ als Lösung herausbekommt, muss die Schule verlassen.

Also hebt und senkt sich der Stift und die klugen Köpfe wissen einfach nicht mehr, was sie machen sollen. Lösung und Rettung der Wahrheit? Oder Verweigerung und schlechte Noten, wenn man dann nur noch etwas länger im Boot bleiben darf. Die meisten Autoren versuchen in hegelianischer Manie zu synthetisieren: Sie fordern Minderheitenschutz UND Identitätspolitik UND Sozialpolitik UND Basispolitik, wollen, dass Klassen auch sexuelle Sonderlinge mit einschließen, UND, dass der Kampf gegen den Kapitalismus von Deutschen UND Einwanderern gemeinsam geführt werden müsse.

Dass solche Meta-Kollektivstrategien nur funktionieren, wenn genügend Ressourcen und der Wille der Beteiligten vorhanden sind, muss eigentlich jedem klar werden. Außer den studierten Neolinken. Die traditionellen linken Forderungen wurden einem akademischen Kindergarten geopfert, die Papas und Papa-Staats Geld verpulvern, nur um sich selbst zu profilieren und Minderheiten zu vertreten.

Wer das nicht glaubt, kann ja mal versuchen als Akademiker bei Arbeiterschaft und Prekariat gut anzukommen. Am besten mit den Forderungen weitere Geschlechter einzuführen und alle immer schön mit Arbeiter-Strich-Innen anzusprechen. Im Extremfall klingt das dann wie bei einem der Autoren, der ist nämlich „Bio-Bauer im Berliner Speckgürtel und ehrenamtlicher Queertheoretiker. Thematisch ist er auf vielen Feldern unterwegs: Sexualität, Herrschaft, Ästhetik sowie intersektionale Analyse von Heteronormalität. Zur Zeit arbeitet er an einem Projekt zur Pädofrage in der Schwulen- und Lesbenbewegung.“

Aufgeblähter Stiftungswahn vom verrückten Leviathan

Zuletzt ein Blick auf die Rosa-Luxemburg-Stiftung. Sie versteht sich als geistiges Sprachrohr des demokratischen Sozialismus und bewegt sich irgendwo zwischen der linken Grenze der freien demokratischen Grundordnung und dem linken Flügel der SPD hin und her, ist dementsprechend theoretisch breit aufgestellt. Praktisch breit aufgestellt ist die Stiftung hingegen ganz und gar nicht. Schaut man sich die Struktur der „gemeinnützigen“ Organisation an, fällt einem eine Unregelmäßigkeit ins Auge: Die RLS beschäftigt über 200 Mitarbeiter – und hat 146 Stiftungsmitglieder.

Wie geht denn sowas? Geht man davon aus, dass die Mitarbeiter im Schnitt 1.000 Euro verdienen (wohl eher mehr), fallen in einem Jahr allein Personalkosten von 200.000 Euro an. Ohne Gewinn aus etwaigen Geschäften müssten also die 146 Mitglieder im Monat über 1.300 Euro an Beiträgen und Spenden abzwacken. So solidarisch sind nicht einmal die Linken. Aber da fehlt noch einiges. Die RLS fördert momentan über 1.000 Studenten und Doktoranden, im Jahr 2017 unterstützte sie weit über 50 Projekte mit durchschnittlich 5.000 Euro.

Man ahnt es schon, das Geld muss irgendwo herkommen. Von Ihnen liebe Leser. In einem „Skandälchen“ kam vor längerem heraus, dass diverse Bundesministerien die parteinahen Stiftungen gehörig unterstützen. Allein im Jahr 2015 förderte der Staat die Stiftung mit insgesamt 47 Millionen Euro. In Sachen zwanghafter Umverteilung ist die Stiftung also nicht nur theoretisch ganz vorne, sondern arbeitet auch praktisch nah an ihren geistigen Vätern.

Ein letzter Rat an die Linken und die RLS: Unterstützt die Grenzschließung und kümmert euch um eure eigenen Klassen, soziale Gerechtigkeit und Arbeitnehmerrechte – euren Markenkern, wie es so schön heißt. Mittlerweile versagt ihr sogar immer häufiger dabei, jedwede Gruppe jenseits der Universitäten zu vertreten. Mit jedem Tag, in dem ihr euch über Genderquark, Unisextoiletten, Homosexualität und neuen Vorschriften beschäftigt, die einfach nur 99 Prozent der Bevölkerung auf den Sack gehen, wandern wieder mehr Leute zu der von euch verhassten AfD.

In jeder Sekunde denken ein paar Wankelmütige darüber nach. Schnips! Und wieder einer: Schnips! Gleich der Nächste: Schnips! Und irgendwann, wenn die staatliche Zwangsfinanzierung euren komatösen Korpus nicht mehr am Leben erhält, und Mainstreammedien und die Altpolitik bemerken, dass sie die AfD brauchen und aufhören die „Nazis“ schlechtzuschreiben, werdet ihr bei eurem jetzigen Kurs implodieren. Die Fäulnisgase werden entweichen und ihr schrumpft zusammen auf 346 Fettzellen und ein paar gequetschte Gastautoren. Wieso 346? 200 Mitarbeiter und 146 Mitglieder. Viel Erfolg!

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(Bildhintergrund: Vwpolonia75, Wikipedia, CC BY-SA 3.0)


14 Kommentare zu “Warum die Linken keinen Erfolg mehr haben

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