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»Wir haben ja systematisch ein akademisches Proletariat herangezüchtet«

Der NDR im Gespräch mit einer Aktivistin gegen die gleichmacherische Schulreform in Hamburg.

Dass einfach nicht alle für die Universität geeignet sind, sieht ein Blinder mit nem Krückstock, der durch eine x-beliebige deutsche Massenuniversität schlendert. Wunschdenken führt leider zu nichts, außer vielleicht zu mehr Wahnsinn für alle. Es ist beruhigend, dass auch noch andere klar sehen. Wir wünschen den Hamburgern viel Erfolg für den Volksentscheid »Wir wollen lernen«.

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15 Kommentare zu “»Wir haben ja systematisch ein akademisches Proletariat herangezüchtet«

  1. Ich sage seit geraumer Zeit »an-akademisiertes Proletariat«.

    Ich habe in den 90igern studiert und ich weiß, daß wir frisch Diplomierten, Doktoranden und junge Habilitierte (die frustriert waren, weil ihre 68er-Professoren gut besoldet auf den Lehrstühlen klebten) aber auch die jüngere Führungsschicht in den Unternehmen ziemlich desillusioniert war.

    Es wurde ernsthaft diskutiert, ob nicht ein Mittelweg zwischen BRD (rd. 25% Abiturientenquote) und DDR (8, 9, 10%) zu finden sei, denn es war offensichtlich, daß etliche (Jung-)Akademiker geradezu zwangsläufig keinerlei Karriere machen konnten …

    … nicht deshalb, weil DER KAPITALISMUS dies verhinderte, sondern weil die Vielzahn der Absolventen den »Industriekaufmann mit Uni-Diplom« produzierte … und heute massenweise »Praktikanten« im Bereich Medien, Kultur, Soziales schafft.

    Zu den Hambuger Eltern kann man nur sagen: Es geht um ALLES.
    Das Regime braucht ihre Kinder, um den kompletten Durchgriff auf das Bildungssystem zu haben und die notwendigen »Integrationsleistenden« zu bekommen. So wenig ich »überehrgeizige« Eltern mag, muß man ihre Panik verstehen, daß die Polit- und Kultusapparatschiks ihre Kinder verheizen.

  2. Sorry,

    ich kann das Geschreie nach Elite, Elite, etc. nicht mehr hören – wer sich unter der Bedingungen einer deutschen Massenuniversität OHNE Pflichtveranstaltungen, also mit allen Versuchungen der »Freiheit«, durchgeboxt hat, der hat seinen akdemischen Titel mindestens genauso verdient, wie bspw. jemand, der unter Vollbetreuungsbedingugnen einer US- Elite-Universität studiert hat, wo ihm ein Tutor sagt, wann er lernen soll und wann er einen trinken darf – Idee der DEUTSCHEN Universität war es einmal, keine verlängerte Werkbank der Industrie zu sein, denn dafür gabs mal die gute alte FH, sondern vielmehr einen Menschen mitzubilden, der selbstverantwortet mit sich und auch mit »Freiheit« umgehen kann – Das unter den Bedingungen des selbstorganisierenden Studiums viele scheitern, ist normal und in einem gwissen Sinn auch ok.

    Wir deutsche konnten international absolut mithalten – wer manche der Super Typen aus dem Anglo-amerikanischen Bereich mal kennengelernt hat, der weis, dass das oft Leute sind, die sich blendend verkaufen können und entsprechend arrogant und selbstsicher auftreten – mehr aber auch nicht. Wir deutsche haben unsere eigenen, sehr guten Leistungen aufgrund unserer Minderwertigkeitskomplexe nur schlecht geredet. Das Ergebnis haben wir jetzt: »Bachelor«- Juristen statt staatlich examinierter Juristen. »Master« statt dem guten, alten Dipl. Ing., »MBA« Statt »Diplom- Kaufmann« – wir ziehen also unsere eigenen Leistungen gerne in den Dreck, nur um international schick zu sein.

    Der ganze Ruf nach nummerus clausus etc. kommt meist von Schulstrebern, die einen Vorteil aus ihrem ach so guten Abi ziehen wollen und gut gepampert weiterstreben wollen statt sich den Realitäten einer echten Universität ausetzen zu wollen – aber was glauben die Herren, wie das Leben außerhalb von »Bildungseinrichtungen« denn aussieht? Direkte Fortführung des Komforts in klimatisierten Büros? Nein, wer das auch z.T. chaotische einer deutschen Uni- erlebt hat und erfogreich durchgestanden hat, den schockt so schnell auch nicht der Alltag.

    Es weis jeder, der einen Uni-Abschluss schon gemacht hat, dass das Abitur recht wenig mit dem Studium zu tun hat. Ich bspw. habe Einser- Abiturienten nicht nur »duchmaschieren« sondern auch bitter scheitern sehn – auf der anderen Seite hat manch durschnittlicher Abiturient an der Uni richtig losgelegt ….

    was ich sagen will: An der Uni werden die Karten neu gemischt und das war bislang eigentlich ganz gut so – nur wir deutsche finden ja immer alles schlecht und alles »neue« und »ausländische« gut …

    Ich persönlich war froh, nicht mehr auf einer »Schule« zu sein und bin, nachdem mir klar wurde, wie der Hase lang läuft, sehr gut mit der alten Massenuni der 90er Jahre zurecht gekommen.

    Und, Himmel, was ist so schlimm daran, wenn bspw. Kinder bis zur 6 Klasse zusammenbleiben, statt früh getrennt zu werden?

    Andere Länder kommen damit prima klar. Mit einem »Gymnasium« um des »Gymansiums« willens wird auch nicht alles automatisch gut.

    Wichtiger wäre, dass die Klassen von Anfang an kleiner werden und die Lehrer besser ausgebildet werden – dazu klare Sonderschulen, für Leute, die kein deutsch können und damit wären die meisten der sog. »Bildungsprobleme« gelöst …

  3. @ Martin

    Wir sind uns da im Kern einig. Die Massenuniversität ist erst schlecht geworden, als das Abitur aufhörte eine Reifeprüfung zu sein.
    Ich habe mein Abitur 2004 mit 1,1 gemacht. (Sagen wir es ist objektiv betrachtet, nach ordentlichen Maßstäben, vielleicht eine 2,0 gewesen.)
    Soweit so gut. Da waren aber Leute dabei, die die Hochschulreife erhalten haben und nicht mal in der Lage waren im Grundfach Mathematik eine einfache Kurvendiskussion vorzunehmen. So manches war da lächerlich. Die hätten einen ordentlichen Realschulabschluss 10. Klasse gebraucht, um einen vernünftigen (Ausbildungs-)Beruf jenseits der Hochschule zwei Jahre früher zu beginnen, aber nicht das Gedränge seitens Eltern und Lehrern unbedingt die höhere Schule zu besuchen. Das ist auch das, was mit akademischem Proletariat gemeint ist. Es gibt einen Haufen Juristen, die gut im Argumentieren und Auswendiglernen von Fallkonstellationen sind, die aber niemand in der Zahlenstärke braucht. Es kann auch nicht sein, dass es ein Heer von Soziologen gibt, aber gute Handwerkermeister fehlen.

    In der 5. und 6. Klasse waren drei Mitschüler und ich die besten in der Klasse. Wir hatten 4 Halbjahre (!) überall ne eins (gut ich hatte in Sport ne zwei). Warum?
    Ich sags dir: Weil die anderen im Verhältnis so langsam im Begreifen waren. Wir vier haben uns spielerisch herausgefordert und unsere Wissbegierigkeit gefördert. Ich glaube auch, dass die anderen Mitschüler zum Teil, wenn nicht neidisch, dann aber vielleicht enttäuscht waren. Es war für die also nicht unbedingt von Vorteil mit uns in einer Klasse zu sein.
    Bei einer vernünftigen Siebung und Motivation (Vorbild Humanistisches Gymnasium Mitte 19. Jhd.) spräche ich heute vermutlich nicht nur Englisch und hätte das Latinum, sondern dazu Französisch und könnte Altgriechisch. Es kann einfach nicht sein, dass man Einserschülern nicht ihre Grenzen aufzeigt – durch mehr Lernstoff wohlgemerkt.

    Das würde mir heute das Studium etlicher Bücher massiv erleichtern. Nunja es ist, wie es ist, und mit guten Anlagen kann man viel wieder herausholen, aber im Rückblick ist es für den deutschen Staat eine Schande.

    Statt nun aber die bestehende Selektion inhaltlich zu optimieren, tun die Progressisten nachgerade so, als wäre weiterer Breitenzugang zu den höheren Schulformen nötig. DAS IST EINFACH FALSCH, weil das jeweilige Niveau – bei im Übrigen gleichen Bedingungen – weiter fiele. Manche Mitstudenten sind in Bezug auf ihr Allgemeinwissen so zurückgeblieben, dass es einem schlecht werden könnte. Und die lernen gut und werden dann Richter. Das ist skandalös. Was ich auch für Studentengespräche schon in der Mensa belauscht habe – unterirdisch.

  4. Es steht bei diesen Erwägungen selbstverständlich auch außer Frage, dass cirka die Hälfte des gymnasialen Lehrpersonals ausgetauscht werden müsste:
    Ich hatte ne ganz liebe, nette und auch hübsche Physiklehrerin in der 7ten Klasse. Die war extrem klug. Wir behandelten die Optik. In meinen kindlichen Forscherdrang fragte ich in Bezug auf irgendwas, was mir gerade nicht mehr einfällt, ob das bei einem Schwarzen Loch auch so sei. Darauf erhielt ich die verstörende Antwort: »Wie Schwarzes Loch? Die Pupille ist doch auch ein schwarzes Loch.«
    Tut mir leid. Aber DAS tut einfach weh. (Und es tat auch mir mit 12/13 schon weh.)

  5. Aus dem Bereich anekdotische Evidenz:

    Während meines Studiums habe ich Leute im Dutzend kennengelernt, die sich kaum artikulieren konnten, obendrein faul waren und denen man allgemein nicht nachsagen konnte, sie wären für irgendetwas nütze. Wie auch immer, diese Leute haben alle einen recht ansehnlichen Hochschulabschluß erreicht.

    Vor einigen Tagen sah ich eine Reportage aus den 70ern, wo sich gemeine Bergleute auf eine Art ausgedrückt haben, sowohl mit einer gedanklichen wie auch sprachlichen Klarheit, die man heute bei vielen Studenten vergeblich sucht.

    Intelligenter sind wir, und das habe ich daraus gefolgert, also keineswegs geworden. Die Schulabschlüsse werden lediglich verschleudert und haben jeglichen Wert verloren.

  6. @Martin ist – ich denke, wir können offen reden – »der Grund«, warum es in Deutschland aussieht, wie es aussieht: zu satt/faul/eitel/gleichgültig.

    BÜRGER würden erwarten, daß die Staatsbürokratie NACHWEIST, daß etwas funktioniert – der Wohlstandsbundesdeutsche zieht sich längst auf Kalendersprüche zurück

    »Und, Himmel, was ist so schlimm daran, wenn bspw. Kinder bis zur 6 Klasse zusammenbleiben, statt früh getrennt zu werden? Andere Länder kommen damit prima klar.«

    Welche Länder (sic !) kommen »damit« gut zurecht ?
    Das einzige Land, das heute(!) damit zurechtkommt, ist Finnland – Schweden liegt bei *PISA* hinter Deutschland, Dänemark hinter Polen, Norwegen hat eines der schlechtesten Ergebnisse und liegt im wesentlichen nur noch vor Italien und Mexiko.

    Vor dem Fall der Mauer kam bspw. auch die DDR »zurecht«. (Daß jeder DDR-Bürger wußte, auf welche Schulen einer Stadt die Bonzen ihre Kinder sandten, muß nicht erwähnt werden.) Gemeinsames Merkmal von Finnland und der DDR: Weitgehender Verzicht auf Armutseinwanderung … die eben auch häufig Ergebnis »mangelnder kognitiver Fähigkeiten« (O-Ton pc-LehrerInnen) ist.

    »Länger gemeinsam lernen« funktioniert heute nicht auf den Gesamtschulen und funktionierte bereits vor 30 Jahren auf den Grundschulen nicht, weshalb dort »Sonderkurse« spätestens ab der 4. Klasse eingeführt wurden.

    Wenn ein Lehrer heute offen erklärt, daß seine schwächeren Schüler in der siebten Klasse auf dem Niveau der zwoten sind, ist gemeinsames Unterrichten illusorisch.

    »Kleine Klassen« ? »Förderunterricht« ? »Hilfestellungen« ?
    Wie wäre es mit einem Schuß Realität ?
    Psychologen gibt es auf best. Schulen seit Ende der 70iger; Sozialpädagogen heute bereits auf Grundschulen. Kleine Gruppen mit 2, 3 leistungsschwächeren Schülern sind häufig, tlw. greift man auf Einzelunterricht(!) zurück. Ergebnis: Kaum meßbar !

    »Sprachunkundige« bei hier geborenen Bundesbürgern zu unterstellen, zeigt die Dimension des Dramas, für (Spät-)Einwanderer gibt es an den meisten Schulen Sonder- und Parallelveranstaltungen, um sie (auch sprachlich) an ein (Lehr- und Lern-)Niveau zu führen.

  7. @Druide: »Ich hatte ne ganz liebe, nette und auch hübsche Physiklehrerin«

    Das fing wohl Anfang der 80iger an, als die Absolventen der neuen Reformuniversitäten in die Bürokratien – und eben auch Schulen – strömten, die längst nicht mehr die charakterliche und Bildungs(!)-«Reife« wie ihre Vorgänger hatten.

    @Tim, wenn man sich alte TV-Berichte ansieht, ist man geradezu erschlagen … und auch ein bißchen beschämt … wie gebildet »einfache Leute« damals waren. Die DDR hatte sich Reste davon bis 1989 bewahrt.

  8. @ derherold
    Ach das war ne »Ost«lehrerin. Zu ihrer Verteidigung muss man sagen, dass sie auch nur für die Unterstufe eingesetzt wurde. Aber das war bereits zuviel! Realschule hätte genügt. (Habe in Erfurt Abitur gemacht.)

    Man kann sich darüber mit echten Lehrern mal unterhalten. Mein Onkel ist Lehrer für Mathe und Physik an einer Gesamtschule. Er sagte mir, dass echter Unterricht gar nicht mehr möglich sei, nachdem die Lehrpläne massiv umgestaltet wurden. Er schreibt heute in der 11. Klasse Mathe einen Test im Leistungsfach, der früher in der 10ten lief.
    Auch Karlheinz Weißmann könnte sich über das Thema stundenlang auslassen.

    Und fast kriminell wirds, wenn sich Eltern und Schüler gegen die Lehrer verbünden oder die Dumm-/Faulheit ihrer Bälger mit Hochbegabtengutachten zurechtrücken wollen. Aber das würde jetzt zu weit führen.

  9. @derherold:

    Aus meiner Grundschulklasse haben gerade einmal 2 Personen letztlich das Abitur gemacht – von immerhin 36 Schülern. Das war in Bayern Ende der 70er Jahre. Heute dürfen vielleicht 10 aufs Gymnasium – aber bei immer noch deutlich über 30 Schülern in der Klasse!

    So geht »Selektion« aus meiner Sicht in die »Hose«. Wir habe nicht mehr die Masse an jungen Menschen, dass wir es uns erlauben können, Talente zu vergeuden, wie das früher mal war.

    Und: Kinder merken diesen »Schnitt« nach der vierten Klasse sehr genau – Freunde musst ich mir bspw. dann erst mal im Gymnasium wieder neue suchen – die alten haben nicht mehr mit einem geredet. Ist das etwas, was wir in einer ohnehin sch laufend entsolidarisierenden Gesellschaft wirklich brauchen, dass kleine Kinder schon sehr bald den »Verlierer Stempel« aufgedrückt bekommen, denn als genau das erleben dies die Kinder, wenn andere »aufs Gymnasium« kommen und sie nicht … egal, ich will mich nicht in klein- klein verlieren, aber ich bin der Meinung, dass man in der Gurndschule max. 20 Kinder in einer Klasse haben sollte – ein gute Lehrkraft kann so sowohl die starken als auch die schwachen halbwegs bedienen und Kompromisse müssen eben beide Gruppen, die starken wie die schwachen machen – wirkliche Perfektion gibts im Bildungsbereich nicht und Ziel und Stärke der deutschen Bildungseinrichtung war schon immer, dass man eine gute, qualifizierte breite »Mitte« hatte. Diese Feststellung muss sein, ohne sie als Freibrief für »alles ist prima« gelten zu lassen.

    Im Übrigen kommt es nicht auf die Stoffülle an, sondern darauf, dass man das, was man lernt auch kann.

    In der heutigen Zeit wird oft der Begriff der »Bildungsbullimie« gebraucht, der es ganz gut trifft – viel lernen in kurzer Zeit, dann in der Prüfung auskotzen und danach vergessen ….

    Ich bin nicht bei Ihnen, was den Vorwurf der »Faulheit« an die heutige Jugend angeht. Zumindest auf einem bayerischen Gymnasium muss heute mehr gelernt werden, als das bspw. zu meiner Zeit war. Die Kinder und Jugendlichen arbeiten hart, nur, ob dadurch etwas besseres erzielt wird, wage ich zu bezweifeln …. womit wir wieder beim Thema »Bildungsbulimie« wären …

    Es gab zu jeder Zeit Leute, die ein Abitur hatten und schlichte, gewöhnliche und zum Teil auch absolut antiintellektuelle Persönlichkeiten waren – auch in den 20er Jahren wurde bei weitem nicht aus allen Abiturienten ein Künstler, Schöngeist, Mediziner und allgemeingebildeter Jurist. Die, die Neigung zum über den Tellerrand hinaus schauen hatten, gab es immer und wird es immer geben – sie waren aber schon immer die Minderheit und in der heutigen hochspezialiseirten Zeit haben sie es schwerer als früher. Akademiker waren immer die Führungseliten in unserem Land und unser Land sieht so aus, wie es eben die Führungseliten der letzten hundert Jahre und von heute eben hinterlassen haben und gestaltet haben – ergo: die heutige, »faule« Jugend konnte noch gar nicht viel verpfuschen, es waren die Generationen zuvor, die sich aber regelmäßig zum Maß der Dinge erklären.

    Auf der anderen Seite bricht »unten« alles zusammen.

    Während früher ein durchschnittlicher Hauptschüler zumeist eine gestochen scharfe Handschrift hatte, halbwegs fehlerfrei schreiben konnte und die vier Grundrechenarten zzgl. Prozentrechnung beherrschte und damit eigentlich das hatte, was man für einen Beruf als Basis brauchte, scheint heute dort alles wirklich daneben zu gehen.

    Man könnte noch ewig zu dem Thema schreiben – aber eins steht für mich fest: Die heutige Jeugend ist die, die wir verdient haben – sie ist nicht schlechter, als die Jugend zuvor. Ich kenne einfach zu viele Vollpfosten (mit und ohne Uni-Abschluss) bis ins Greisenalter hinein, als dass ich den Stab über mir folgende Generationen brechen will.

  10. D.h., daß wenn @Martin nicht schon nach vier, sondern erst nach sechs Jahren auf der Rampe selektiert worden wäre, hätte er sich keine neuen Freunde suchen müssen(?).

    Es wurden auch keine Talente vergeudet, weil »Karriere durch Berufserfolg mit/ohne Abendabitur und Studium« möglich war: Bis in die 80iger gab es Bankvorstände, die nur mit einer Lehre die Karriereleiter erklommen haben … und in den 90igern (s.o.) Akademiker, die auf Sachbearbeiterposten saßen – nur daß sie halt anders im Ö-D »in der freien Wirtschaft« nicht nach ihrer vermeintlichen Qualifikation bezahlt werden.

    … im übrigen bedeuten die kleineren Jahrgänge insgesamt – auch Fliesenleger, Sekretärinnen, etc. – weniger Berufsanfänger. Warum die besser (bezahlt werden) sein sollen, wenn sie einen bachelor vorweisen können, ist mir schleierhaft. Denn vom bachelor reden wir: Die hohen »Akademikerquoten« anderer Länder beziehen sich nicht auf master-Studiengänge, was einigen mgl.weise nicht bewußt ist.

    Nicht nur das: Hat der *bachelor of management* die gleichen berufl. Perspektiven wie der alte Industriekfm., hat er Vermögenseinbußen, da er statt 13 (10 Schuljahre plus Ausb.) nunmehr 13 (Schule bis Abitur) + X (3, 4, 5) Jahre bachelor-Studium hat.

    »Während früher ein durchschnittlicher Hauptschüler zumeist eine gestochen scharfe Handschrift hatte, halbwegs fehlerfrei schreiben konnte und die vier Grundrechenarten zzgl. Prozentrechnung beherrschte und damit eigentlich das hatte, was man für einen Beruf als Basis brauchte, scheint heute dort alles wirklich daneben zu gehen.«

    Nein, es geht nicht »alles daneben«. Die heutigen Lehrer sind *pi mal Daumen* nicht schlechter (nur besser bezahlt) als ihre Vorgänger oder ihre ausl. Kollegen. Sie sind allerdings genausowenig in der Lage, »den IQ« anzuheben. Dreißig Jahre link(sliberal)e Bildungspolitik, vierzig Jahre »head start« in den USA haben daran nichts ändern können.

    Es gibt KEIN Schulsystem, KEIN Land, KEINE Bildungspolitik, KEINE »frühkindl. Förderung«, die aus IQ 70 eine *100* oder wenigstens *85* machen konnte . Das ist die Realität.

    Wenn »länger gemeinsam lernen« erfolgreich wäre, warum sind dann die Gesamtschulvorreiter HH, HB, NRW hinter BY und BW, warum M-V und BRB hinter Sachsen und Thüringen ?

    Antwort: Wegen der Abwanderung der Intelligenz.
    In Bremen können Schulkinder auch 20 Jahre »länger gemeinam lernen« und werden never ever vor Sachsen liegen. … es sei denn, man flutet den Freistaat mit den Unterschichten div. Länder. (Was im Ruhrgebiet »inoffiziell« auch ganz unverhohlen gefordert wird.)

  11. Der IQ steigt – zumindest statistisch – seit Jahrzehnten im Durchschnitt über die gesamte Bandbreite an.

    Der IQ allein macht es nicht – man muss ihn auch ausschöpfen, bzw. Gelegenheit zur Aussschöpfung geben – da hapert es dann wohl.

    Und auch bei längerem gemeinsamen Lernen können die selben Ergebnisse erzielt werden, wie bei kürzeren da andere Faktoren, wie Klassengröße, Sprachkompetenz der Schüler, Eltern etc. entscheidender sind.

    Wo Sie recht haben, ist die Verzerrung durch Zuwanderung von Leuten, die dem Unterricht schon alleine sprachlich nicht folgen können. Hier haben eher »homogene« Gegenden wie in den »fnL« Vorteile.

    Dennoch: Die Schulbildung ist ein Teil – die Studierfähigkeit eine andere. Ich kann es nur wieder aus eigener Anschauung sagen: An meiner Universität, in meinem Studiengang waren wir aus Bayern die Minderheit. Schon damals wurde in Bayern überheblich über das »Schmalspurabitur« aus Hessen und anderen Ländern gelästert. An der Uni war davon aber kein großer Unterschied zu merken – die Leute, die es geschafft haben, haben es ziemlich unerheblich von ihrem Abitur geschafft.

    Das Ganze ist auch eher gesamtgesellschaftlich zu sehen – wenn die Eltern wert auf Bildung legen, es mehr Bücher im Haushalt als DVDs gibt etc. und sie den Kindern auch vermitteln, dass man einmal konzentriert über eine Sache bleiben muss und ansatzweise Disziplin anfordern, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder recht erfolgreich ihren Weg durch die Bildungsinstitutionen – egal wie diese ausgestaltet ist – recht hoch.

    Wenn Leute in Hamburg jetzt »ihr Gymnasium« fordern, dann habe ich dafür wenig Verständnis, wenn Sie nicht gleichzeitig »Ross und Reiter« nennen – und das ist für mich, dass das Gymnasium eher als Exit aus der Schulsprengelbindung von Sprengeln, in denen es kaum noch deutsch sprechende Einwohner gibt, angesehen wird. So gehts aus meiner Sicht nicht. Auf der einen Seite schön politisch korrekt »Multi-kulti« und Hamburg als wie auch immer zu verstehendes Tor zur Welt abfeiern, aber bei der Bildung dann bitteschön will man über ein vorgeschobenes Schulwegsystem nichts mehr damit zu tun haben.

  12. wir vom bluthilde-blog treten aus praktischen gründen – wo findet man heute überhaupt noch einen klassenbewussten arbeiter? – schon längst für die diktatur des akademiker-proletariats ein.

    da unser blog offenbar in den schulbehörden der hansestadt begierig gelesen wird, wird die proletarische bewusstseinsbildung auch zielgerichtet betrieben: http://bluthilde.wordpress.com/2010/03/31/hamburger-schule-betreibt-proletarische-bewusstseinsbildung/

  13. Als ich Ende der 90er mein Studium begonnen habe, fragte ich mich: Welches Studienziel ist besser – Magister, Diplom oder Lehramt. Ich habe mich dann in den Kursen umgeschaut: In den Magister-Kursen waren die Lebenskünstler zu finden, in den Diplom-Kursen die zumindest etwas Karriereorientierten und in den Lehramtskursen antwortete man mir auf meine Frage, warum man gerade auf Lehramt studiere: Weil es am einfachsten ist. Und solche Bildungsversager werden seit den 70ern als Pädagogen auf Deutschlands Kinder losgelassen. Kein Wunder, daß unsere Bildung nicht mehr viel wert ist.

  14. Der »IQ« stieg über Jahrzehnte, was mit der permanenten Konfrontation der gesamten Gesellschaft mit »Medien« und »technischen Anwendungen« erklärt werden könnte. Seit Mitte der 80iger steigt er – zumindest in Deutschland – nicht mehr… was irrtierend ist, da sich erst ab diesem Zeitpunkt die fortschrittlichen Kräfte voll entfalten konnten.

    In den SAT-Tests der USA konnten nur mühsame Verbesserungen bei mathematischen Kenntnissen erreicht werden, schriftlich/verbal schmierten die Werte seit Beginn der 70iger ab.

    Zumindest nennen die bewußten Eltern Hamburger Eltern so deutlich »Roß und Reiter«, daß sie im *Spiegel* vom entsprechenden Fachpersonal als DUMPF bezeichnet werden – also als Nazis.

    »… wenn die Eltern wert auf Bildung legen, es mehr Bücher im Haushalt als DVDs gibt etc. und sie den Kindern auch vermitteln, dass man einmal konzentriert über eine Sache bleiben muss und ansatzweise Disziplin anfordern, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder recht erfolgreich ihren Weg durch die Bildungsinstitutionen (…) recht hoch.«

    Ja, das stand als Sinnspruch auch in meinem Kalender …
    … ist nur leider durch keinerlei meßbares Ergebnis belegt.

    Im Moment werden vom Staatsapparat und den freundlich zugetanenen Redaktionsstuben zwei offizielle Sprachregelungen angeboten:

    1. Gerade Eltern mit Migrationshintergrund legen viel Wert auf »Bildung«
    2. Gerade Eltern mit Migrationshintergrund legen wenig Wert auf »Bildung« … was allerdings nicht ihre Schuld ist, da man ihnen seit 1973 Aufklärung über das hiesige Schulsystem verweigert.

    Es war Heiner »Attaco« Geißler, der vor rd. 15 Jahren einem gerührten TV-Publikum mehrfach erklärte, daß gigantische Bildungserfolge zu erwarten seien, da die Kinder mit Migrationshintergrund besonders begabt und beseelt …
    … für diesen Blödsinn darf er jetzt auch den medialen »Alterspräsident of the United States of Desinformaion« geben.

  15. Bastian,

    in diesem Punkt ist die Abiturnote dann doch aufschlussreich:

    Leute mit schlechten Abiturnoten studieren überproportional oft Lehramtsstudiengänge. Boshaft ausgedrückt bleiben Systemversager wohl gerne im System.

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