Rezension

Wonder Woman: Kaiserliche Marine vs. weibliches 300

Neben Marvel gibt es einen zweiten Comicgiganten auf dem Markt: DC-Comics. Die Heimat von Superman, Batman und Wonder Woman schaut neidisch auf die Milliardeneinnahmen der Konkurrenz durch Kinofilme, Serien und das damit verbundene Merchandise.

Aus diesem Grund bastelt man ebenfalls an einem eigenen Filmuniversum, das die Fans regelmäßig in die Kinos locken soll und auf der derzeitigen Superheldenwelle schwimmt. Nach Man of Steel (2013), Batman v Superman: Dawn of Justice (2016) und Suicide Squad (2016) ist Wonder Woman der vierte Film der DC-Kinostrategie, die bis 2020 straff durchgeplant ist. Mit Wonder Woman muss sich die erste große Superheldin der Geschichte an den Kinokassen beweisen. Das weckt in der liberalen US-Filmszene natürlich Begehrlichkeiten.

Gegenentwurf zu männlichen Superhelden

Patty Jenkins ist die erste Regisseurin, die einen Superhelden-Blockbuster inszeniert. Bei fast jedem Interview muss sie geduldig Fragen zu Feminismus und Sexismus in der Filmbranche beantworten, denn ihre Hauptfigur ist nicht irgendeine Superheldin. Wonder Woman ist der erste dauerhaft erfolgreiche weibliche Comiccharakter, der nicht nur ein immer in Nöte geratendes Anhängsel eines starken Helden ist.

Diana Price alias Wonder Woman wurde 1941 vom Psychologen und Feministen William Moulton Marston als Gegenentwurf zu den zahlreichen männlichen Superhelden geschaffen. Die Amazonenprinzessin, die ihre nur mit Frauen bevölkerte antike Paradiesinsel verlässt und in der Welt der Menschen in den Zweiten Weltkrieg eingreift, sollte die moralische Überlegenheit der Frauen aufzeigen. Sie ist stark, moralisch, unbesiegbar und verlor ihre Kräfte (wie Superman beim Anblick von Kryptonit) in den frühen Comics nur, wenn ein Mann sie in Ketten legte.

Der Feminist, Comicautor und Bondage-Fan Marston übertrieb es in den 1940ern etwas mit dieser einzigen Schwäche der Amazonenprinzessin und mit den Fesselungsdarstellungen, was 1943 zu der unter Comicfans legendären Arbeitsanweisung führte, dass diese Art der Szenen in den Wonder Woman Comics um 50 bis 75% zu kürzen sind. Trotz dieser anfänglichen Schwierigkeiten wurde Wonder Women schnell das Symbol für die selbstbewusste weibliche Heldin. Diese herausragende Stellung ließ viele in Hollywood auf ein feministisches Statement der Regisseurin hoffen.

Die Deutschen als Superschurken

Zum Glück tappt Jenkins nicht in diese Falle und zeigt eine bewusst starke Heldin, die keinen Kniefall vor der political correctness machen muss. Jenkins dazu: „Ich wollte keinen Film über eine Frau machen, sondern einen über einen Helden, der zufällig eine Frau ist“. Dennoch gibt es ausreichend gelungene Anspielungen auf unsere Gesellschaft und ihre Probleme. Immerhin stammt Diana aus einem antiken rein weiblichen Matriarchat und landet im letzten Weltkriegsjahr 1918 in einer männlich dominierten Welt, die mit einer selbstbewussten Frau nicht umgehen kann.

Der Erste Weltkrieg bietet auch die Möglichkeit, die schlimmsten Superschurken der Geschichte zu reaktivieren – die Deutschen. Manipuliert vom Kriegsgott Ares überzieht das Deutsche Kaiserreich die Welt mit Zerstörung und Schrecken. So landet die kaiserliche Marine auf einer von Zeus versteckten Paradiesinsel und wir erleben einen Kampf zwischen mit antiken Waffen ausgestatteten Amazonen und den Truppen von Wilhelm II., allein das ist schon den Kinobesuch wert.

Wer die Zeitlupenszenen in 300 mochte, der wird diese irrwitzige Schlacht am paradiesischen Sandstrand lieben. Sie hat Action, tote Helden und viel Gefühl. Leider erkennt man diese Emotionsachterbahn nicht am Schauspiel der ehemaligen Schönheitskönigin Gal Gadot. Die bildschöne israelische Schauspielerin scheint nur einen Gesichtsausdruck zu kennen, egal ob die Deutschen ein belgisches Dorf zerstören, Amazonen massenweise sterben oder sie vor Glück den Sieg feiert. Selbst Doctor Poison, eine deutsche Wissenschaftlerin, gespielt von der Spanierin Elena Anaya, die ihr entstelltes Gesicht zur Hälfte verbergen muss, zeigt – trotz Maske – oft mehr Emotionen als Gadot, die in diesem Jahr noch einmal in der Rolle der Wonder Women zu sehen ist, beim Kinostart von Justice League im November.

Kein politisch korrektes Hollywood-Kino

Inhaltlich versucht der Film ab und an die Frage zu ergründen, warum wir Menschen uns immer wieder in blutigen Kriegen verlieren. Dass diese ehrenvolle Intention des Films nicht ganz ernst genommen werden kann, liegt leider an einigen sehr unterhaltsamen, aber zu trashigen Szenen. So erleben wir den legendären General Erich Ludendorff, aufgeputscht durch die Mittelchen von Doctor Poison und mit Superkräften ausgestattet, in einem für Superheldenfilme typischen Zweikampf zwischen Heldin und Schurke.

Auch die Begleiter von Diana und dem amerikanischen Spion Steve Trevor, gespielt vom aktuellen Captain Kirk-Darsteller Chris Pine, findet man in jedem Kriegsfilm. Da haben wir den kleinen Gauner mit Ethnohintergrund, der das Herz am rechten Fleck hat, den Soldaten, dessen Seele der Krieg zerrüttet hat und den stillen Kraftprotz. Interessante Charaktere wie die Amazonenkriegerin Antiope, gespielt von der genialen Robin Wright (House of Cards), die Diana das Kriegshandwerk lehrt, haben leider zu wenig Platz in der Geschichte. Bis zum Ende hofft man, sie wiederzusehen und dass sie Teil der großen abwechslungsreichen und ansatzweise politischen Story ist.

Wonder Woman ist zum Glück kein politisch korrektes Hollywood-Kino, obwohl man sich etwas weniger Sexismus manchmal wirklich wünscht. So gab es unter den Comic-Fans, die meist männlich, weiß und Teenager sind, doch ernsthaft die Diskussion, ob die Gadot wegen ihrer zu kleinen Oberweite geeignet für die Rolle ist. Das Paradoxe ist, dass die Comicfigur Wonder Woman gerade ihre kurzweilige Rolle als UN-Sonderbotschafterin verlor, weil sie einigen politisch korrekten Funktionären zu weiblich gebaut erscheint. Dieser ganze Irrsinn zeigt, welch wichtigen Platz diese 75 Jahre alte Figur in der Popkultur hat.

Faszination vom Krieg

Wer das Phänomen der Wunder-Frau im Kino erkunden will, den erwarten zwei Stunden gute Superheldenunterhaltung mit sehenswerten Schlachten und der Frage nach unserer Faszination vom Krieg. Und wen es stört, dass wir Deutschen mal wieder als Schurken herhalten müssen, der kann sich mit der Gewissheit trösten, dass wir anscheinend so herausfordernde Gegner sind, dass wir ohne die Hilfe von Wonder Woman und den anderen Helden in Strumpfhosen jeden Krieg gewonnen hätten. Das ist doch was.

SPOILER: Die Frage, warum der formwandelnde griechische Kriegsgott Ares, der ein Meister der Täuschung ist, in jeder Erscheinung an seinem 70er-Jahre Pornobalken festhält, ist eine der Mysterien, die einem am Ende von Wonder Woman einfach nicht loslassen.

(Bild: Warner Bros)

Verwandte Themen

Babylon Berlin Am 13. Oktober startete „Babylon Berlin“ als teuerste deutsche Serie aller Zeiten auf dem Bezahlsender Sky 1. Was wird euch erwarten? Der Start w...
Homosexualität und Pädophilie: Der Fall Kevin Spac... Die meisten dürften Kevin Spacey aufgrund seiner Rolle als Frank Unterwood aus „House of Cards“ kennen. 2017 war er außerdem mit dem Film „Baby Driver...
Ein Museum für die entartete Gesellschaft Die Kunst hat uns längst daran gewöhnt, dass im Museum auch Platz für Absonderliches ist. Woran wir uns nicht zu gewöhnen brauchen, ist das Absonderli...

5 Kommentare

  1. Zitat:
    „Diana Price alias Wonder Woman wurde 1941 vom Psychologen und Feministen William Moulton Marston als Gegenentwurf zu den zahlreichen männlichen Superhelden geschaffen.“
    Ein Psychologe und ein Feminist; da weiß man schon, woher der Wind weht!
    Besonders bescheuert ist der Film, weil die „Heldin“ am Ende General Ludendorff umbringt; lächerlich. Ich bin froh, dass ich mir diesen Schrott nicht angesehen, sondern nur bei Wikipedia durchgelesen habe.
    Mein Rat Leute; kauft euch lieber ein paar gute Bücher, anstatt Geld für diesen linksliberalen Mist im Kino auszugeben! Im BN-Shop finden sich welche, die sehr lesenswert sind 🙂
    Die neuen hole ich mir auch bald; aber da ich sie immer im dreierpack kaufe, warte ich noch ein wenig.

  2. Felix Menzel

    Das dritte Buch ist bereits in Arbeit und dürfte im Oktober erscheinen.

  3. Sehr geehrter Herr Menzel,
    das sind gute Nachrichten. Ich freue mich schon darauf. Es ist gut, dass das dritte Buch Oktober rauskommt; im Oktober habe ich Geburtstag und die drei wären ein gutes Geschenk 🙂
    Und keine Sorge, wie in Ihrer E-Mail erbeten, helfe ich kräftig dabei mit, dass die von Ihnen und der Blauen Narzisse mitbetriebene Seite „Einwanderungskritik“ viele neue Leser bekommt: http://einwanderungskritik.de/unser-ziel-eine-million-waehler-erreichen-unterstuetzen-sie-uns-dabei-mit-5-euro/#more-3321
    Es ist ja schließlich kein Problem, den Link an Freunde und Verwandte weiterzuleiten und diese ebenfalls um Weiterleitung zu bitten. Angesichts dessen, was ich dort gelesen habe, ist das auch dringend nötig:
    http://einwanderungskritik.de/2020-sind-die-jungen-deutschen-minderheit-im-eigenen-land/#comment-14570
    Wenn ich mich auf den Straßen von Berlin umschaue, kann ich nur feststellen, dass das leider stimmt 🙁
    Es ist klar, dass wir etwas dagegen tun müssen. Denn wie sagte schon Augustinus?:
    „Solange ich lebe kämpfe ich. Und solange ich kämpfe ist es ein Zeichen, daß der große
    Geist in mir wohnt und ich nicht unterlegen bin. Und wenn ich schon nicht als Sieger
    vor meinen Schöpfer trete, so doch wenigstens als Kämpfer.“
    Was wir tun müssen, haben Sie auch in der Mail geschrieben:
    „Es besteht jetzt die historische Chance, eine patriotische Kraft in den Bundestag zu hieven. Wirksamkeit kann diese Kraft jedoch nur entfalten, wenn es zugleich eine starke, nonkonforme Gegenöffentlichkeit gibt. “
    Dem stimme ich voll und ganz zu! Das mit dieser patriotischen Kraft die AfD gemeint ist, dürfte klar sein. Und natürlich werde ich sie auch wählen, aber ich denke nicht das das allein reicht; wir müssen auch für ein Umdenken bei den breiten Massen sorgen, die noch immer so naiv sind und CDU/SPD/Grüne/Linke/FDP wählen. Und wir müssen uns dafür einsetzen, dass die Asylanten und Masseneinwanderer wieder nach Hause gehen; hier findet sich etwas, womit man zumindest dafür kämpfen kann: https://einprozent.de/blog/aktiv/kehrt-nach-hause-zurueck-eure-heimat-braucht-euch/2074
    Der Text „Kehrt nach Hause zurück. Eure Heimat braucht euch“ ist bei „EINPROZENT“ als Aufkleber auf deutsch/arabisch kostenlos bestellbar.
    Wozu ich noch raten möchte, ist das „Handbuch zum Selbsterhalt von Dir und Deinem Volk“, welches kostenlos im Internet verfügbar ist: https://volksbetrugpunktnet.files.wordpress.com/2016/03/handbuch-selbsterhalt-von-dir-und-deinem-volk.pdf
    Dort stehen viele nützliche Tipps drin, wie wir für den Erhalt unserer Heimat kämpfen können. Und das müssen wir auch angesichts der „Lage der Nation“, über die der SPIEGEL vor kurzem ein hämisches Heft gebracht hat. Hämisch deshalb, weil er ja kräftig dabei mithilft unsere Nation abzuschaffen. Wir haben alle das Recht und vor allem die Pflicht uns dagegen zur Wehr zu setzen!

    Mit freundlichen Grüßen
    Christian Schwochert

  4. Michael Theren

    die deutsche Lust am Nationalmasochismus dürfte historisch völlig einzigartig sein und eine eigene Betrachtung verdienen (wo relevare doch dem Latein entstammt) – wie kann ein Patriot zeitlebens dabei zuschauen wie seine Kultur und seine Vorfahren pervertiert und abgeschlachtet werden? – ich konnte es nach 30 Jahren Medienkonsum dann irgendwann nicht mehr….

  5. Marlene Ott

    was haben die eroberer immer als erstes getan sprache und kultur zerstört – genau das machen jetzt die globalisten mit den völkern – nichts neues – erstäunlich ist nur, dass in zeiten des internets es sich die völker gefallen lassen – oder entsteht nur der eindruck durh die omnipräsenz der globalisten in den umerziehungsmedien

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.