Rezension

Batman (IV): Ideale für das Volk schaffen

Im letzten Teil seiner Trilogie: The Dark Knight Rises hat Christopher Nolan die Dialektik von Mythos und Wirklichkeit zu einer Aufhebung gebracht, die nicht im Wahnsinn endet.

Der Joker begreift die Dialektik von Mythos und Wirklichkeit nicht und verfällt so dem Wahnsinn. Die Gesellschaft der Schatten benutzt den Mythos nur als Werkzeug zur Zerstörung. Sie selbst glaubt an ihren eigenen Mythos und das gibt ihren Kämpfern die Kraft dem Tod ins Auge zu blicken, solange sie eben blind glauben.

Batman bleibt am Rand

Was ist dann mit Batman? Wie geht er mit diesen Problemen um? In einem Wort: Er integriert sich in die Struktur Gothams, ohne sich von ihr absorbieren zu lassen. Anders als der Joker oder die Gesellschaft der Schatten ist er kein völlig Fremder. Doch ist er auch kein richtiger Teil von Gothams Gesellschaft, nicht einmal als Bruce Wayne. Er steht am Rand. Eine der Folgen davon wird zu Beginn des zweiten Films gezeigt, seine Wut auf die Nachahmer.

Der eigentliche Grund für Batmans Existenz liegt darin, das Volk von Gotham zu inspirieren. Aber das heißt nicht, daß die Leute ihn kopieren und mit nachgemachten Fledermausmasken auf Verbrecherjagd gehen sollen. Batman will nicht, daß die Leute „LARPen“. Um eine Kraft elementarer Freiheit bleiben zu können, muß der Mythos ein Mythos bleiben. Das heißt nicht, daß er nichts mit der Wirklichkeit zu tun hätte. Ein Mythos kann weit wirklicher sein, als sogenannte harte Tatsachen. Doch er hat seinen eigenen Platz in der Ordnung der Welt.

Im dritten Film inspiriert der Mythos des Batman die Revolution, repräsentiert durch in Kreide gezeichnete Fledermäuse auf den Straßen und Wänden und schließlich eine gigantische brennende Fledermaus auf einem Brückenturm. Diese Revolution ist das Gegenteil der beiden, die der Joker und Bane lostraten. Zunächst ist es eine Revolution der Polizei (aber nicht der Politiker), die die Stadt vom Abschaum zurückerobert. Es ist eine Revolution von Recht und Ordnung. Und obwohl diese Männer von einem Mythos inspiriert sind, wissen sie doch genau, wofür sie kämpfen: Für ihre Stadt und ihre Familien.

Der Mythos begründet die Gemeinschaft

Nach der Niederlage der Gesellschaft der Schatten werden wir Zeugen der Enthüllung einer massigen Batmanstatue. So wird der Mythos des Batmans Teil der Grundfesten des neuen Gothams. Comissioner Gordon weiß, warum er der Öffentlichkeit nicht enthüllt, daß der scheinbar tote Bruce Wayne in Wirklichkeit Batman war. Als John Blake klagt, daß niemand erfahren wird, wer die Stadt gerettet hat, antwortet er nur: „Sie wissen es. Es war Batman.“ Der Mythos muß eine gewisse Distanz waren, sonst wird er zu real. Doch ohne den Mythos würde Gotham wieder dahin zurückfallen, wo es stand, bevor Batman den Kampf gegen seine Verwesung aufnahm.

Vorbilder für die Seele

Batman hat keine neue Gesellschaft geschaffen, kein Utopia verwirklicht. Die Menschen sind nicht besser geworden und einen „Neuen Menschen“ gibt es erst recht nicht. Batman hat etwas viel bewunderungswürdigeres getan als all dies. Er gab einem wirklichen Volk mit einer wirklichen Gesellschaft ein Ideal, zu dem es aufblicken kann und der Stadt Gotham einen Mythos für seine Seele.

Der dunkle Ritter wird Gothams wachsamer Beschützer in einem Sinne, der wichtiger ist als das Verprügeln von Gangstern in dunkeln Straßen. Er ermöglicht den Bürgern Gothams ihr eigenes Schicksal zu gestalten, nicht indem er ihnen das Wahlrecht verschafft oder zum Anwalt von Bürgerrechten wird, sondern indem er die überpersönlichen Grundlagen einer Gemeinschaft legt.

Befreiung der Herzen aus der Apathie

Er schafft nicht die Gesetzmäßigkeiten ab, nach denen die Gesellschaft funktioniert, doch er befreit die Herzen aus der Apathie und ermutigt die Leute zum Handeln. Vor allen Dingen diejenigen, die in der Verantwortung stehen, wie den Deputy Comissioner Peter Foley, der fällt, als er seine Männer in den Kampf führt.

Wir erfahren nichts darüber, wie sich Gotham auf lange Sicht entwickeln wird. Vielleicht hatte die Gesellschaft der Schatten recht und die soziologische Schwerkraft wird Gotham rasch wieder in den Verfall ziehen. Vielleicht wird das Batmandenkmal nichts sein als eine Touristenattraktion. Vielleicht war alles, was Batman erreicht hat, ein kurzer Moment der Freiheit vom überwältigenden Druck der Strukturen. Wir wissen es nicht. Wie Batman bleibt die Freiheit in den Schatten. Freiheit ist nichts als ein Mythos. Doch darum ist sie nicht weniger wirklich.

Zu Teil eins, zwei und drei geht es hier.

(Bild: charlieanders2, flickr, CC BY-SA 2.0)


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