Gesichtet

Wer gehört zu Deutschland?

Der Islam gehört zu Deutschland! Der Islam gehört zu Deutschland? Die einen sagen „Ja“, die anderen „Nein“, oder „ein bisschen“.

Aber fragt man die Leute, kommen die Antworten wie aus der Pistole geschossen. Dabei ist die Frage gar nicht so einfach. Gefragt wurde nämlich nicht: „Findest du den Islam blöd oder toll?“ Sondern ob eine Religion zu einem Land gehört. Und schon fangen die Probleme an.

Wir wissen selbst nicht, was Deutschland ist …

Was heißt denn dazugehören? Was ist ein Land? Und was ist der Islam? Sollte die Frage nicht lauten: „Soll ein politischer Islam die Geschicke eines traditionell nichtislamischen Volkes mitbestimmen?“ Die Antwort ist eindeutig: „Nein“. „Gehören Menschen einer anderen Religion, die in Deutschland geboren wurden, zur staatlichen Verwaltungseinheit?“. Die Antwort lautet ganz klar: „Ja“.

Wohlgemerkt wurde hier weder von Volkskörper, noch Nation, noch Land gesprochen. Da könnte die Antwort wieder ganz anders ausfallen. Seit Jahrhunderten sind wir, auf unserem „deutschen Sonderweg“ auf der Suche nach „Deutschland“. Wenn wir selbst nicht einmal wissen, was das ist, wie kann dann jemand Fremdes, oder der Nachbar, dazugehören? Oder nicht dazugehören? Sie als Leser denken sich wahrscheinlich: „Völlige Haarspalterei! Deutschland ist natürlich X; Ein Deutscher ist natürlich Y!“ Aber sind Sie sich sicher, dass die anderen Leser das auch unterschreiben würden?

Zwischen Lokalpatriot und Weltbürger: Abstammung oder Geburtsort

Gründe für die Unsicherheit bezüglich der „Deutschheit“ oder des „Deutschseins“ liegen im Zeitgeist. Das „Zeitfenster“ der Deutschen ist begrenzt, viel kürzer als in anderen Nationen. Vor 150 Jahren sagte man noch: „Ich bin Pfälzer!“ oder „Ich bin Sachse!“ Erst seit 1914 konnte man überhaupt rechtlich ein „Deutscher“ sein. Nach einhundert Jahren scheint sich die „deutsche Periode“ dem Ende zuzuneigen.

Heute sagen die (verbildeten) Leute: „Ich bin Europäer!“ Oder noch besser: „Weltbürger“. Der Begriff ist an Absurdität kaum zu überbieten. Bin ich jetzt in jedem Land mit Bürgerrechten ausgestattet? Nur weil ich am Wochenende nach Tokio fliege und einen Urlaub in Afrika mache, heißt das nicht, dass ich ein „Kosmopolit“ bin. Bei den Griechen lebten die meisten Menschen ihr Leben lang in einer Polis, waren aber nicht Mal mit Rechten ausgestattete Vollbürger.

Im Zuge der Einwanderung und Globalisierung hatten wir in Deutschland ein größeres Problem als andere Länder. Im germanischen Raum galt seit langer Zeit das „Abstammungsrecht“. Deutscher ist, wer deutsche Eltern hat. Erst unter Rot-Grün wurde das Prinzip aufgeweicht. Man wurde automatisch Deutscher, wenn man in Deutschland geboren wurde und sich ein Elternteil „seit acht Jahren gewöhnlich und rechtmäßig in Deutschland aufhält“. Zugleich darf das Kind die Nationalität der Eltern beibehalten und musste sich bis 2014 in der sogenannten „Optionspflicht“ erst später für eine Nationalität entscheiden. Die Optionspflicht wurde schließlich auch abgeschafft.

Zeitenwende

Wir befinden uns also in einem Transitstadium aus althergebrachtem Blutrecht und neu implementiertem Bekennungs- oder Bodenrecht. Klar sein sollte aber auch, dass man mit diesen polit-juristischen Gesetzesänderungen nicht wirklich weit kommt. Demnach bin ich ein Deutscher, wenn mein Vater seit acht Jahren in Deutschland lebt (rechtmäßig). Womöglich spricht er jedoch kein Wort Deutsch. Da er meine Mutter im Urlaub nur geschwängert hat, spricht sie ebenfalls kein Wort Deutsch. Sie wurde lediglich zu meiner Geburt nach Deutschland geholt. Welch grandioser Kokolores …

Eine Rückkehr zum reinen Abstammungsprinzip wäre eine Möglichkeit, ist aber praktisch schwer umzusetzen. Wird ein biologischer Halbdeutscher, der sein Leben in Deutschland verbracht hat, auch ein Deutscher? Muss der Vater oder die Mutter deutsch sein? Man stelle sich den Aufschrei vor, man würde die jüdisch-orthodoxe Einstellung adaptieren, nur die Mutter bestimme die Zugehörigkeit. Im Zeitalter der Unterwerfung gegenüber dem Islam könnte dies zudem folgenschwere Probleme bereiten.

Deutschlandhasser, Auswanderer und Kämpfer für Deutschland

Aber wie sieht es denn mit unseren eigenen weißen, „blutsreinen“ Deutschen aus, die innerhalb Deutschland leben, aber „Deutschland verrecke“ skandieren? Sind das auch Deutsche? Gar keine so leichte Frage. Was ist, wenn biologische Halbdeutsche das gleiche rufen? Oder Passdeutsche mit Viertelanteilen? Was macht man mit Passdeutschen ohne deutsche Vorfahren, die auf der anderen Seite der Absperrung stehen, bei PEGIDA mitlaufen und „Volksverräter“ brüllen? Ich will keinem Ausländer, der mehr Mumm und Weitsicht vorweist als 99 % der gesamten Bevölkerung, sagen müssen, er habe das Land zu verlassen.

Ganz kompliziert wird es bei Auswanderern. Sind die Auslandsdeutschen, beispielsweise in Namibia oder Südafrika, genauso deutsch, wie wir hiesigen? Sind sie so deutsch, wie jemand der aufgrund der aktuellen Entwicklung nach Asien, Kanada oder die USA auswandert um dort zu arbeiten und zu leben. Ist das nicht eher eine Flucht vor der Verantwortung? War es das vor 140 Jahren nicht vielleicht auch? „Wer sein Vaterland abstreift, wie einen alten Rock, ist für mich kein Deutscher“, sagte einst Bismarck.

In den letzten Jahren hat sich eine spannende Wende vollzogen. Im Unterbewusstsein vieler Deutscher entscheidet mehr und mehr die politische Einstellung über die Zugehörigkeit. In der AfD gehen Ausländer ein und aus. Imad Karim und Abdel Samad stehen stellvertretend für eine konservative „Deutschlandfront“ von tausenden „Ausländern“. Beispielhaft war auch das kürzlich geführte Interview von Robin Classen. Wen würde man vorziehen? Antifa-Malte-Sören mit Ariernachweis, der „Bomber Harris, do it again“ ruft, oder sich um Deutschland verdient gemachte Ausländer? Beispielsweise ist Petr Bystron nach dem reinen Blutrechtsprinzip ein Tscheche.

Deutscher ist, wer Deutschland liebt?

Also könnte man einen französischen „Bekennungsgedanken“ als Gradmesser der Integration oder der Zugehörigkeit heranziehen. Ernst von Salomon sagte dazu: „Deutschland ist da, wo um es gerungen wird.“ Ein romantischer Gedanke der 20er, aber fraglich, ob er sich im 21. Jahrhundert bewährt. Damals gab es brennendere Fragen als einige wenige Immigranten. Hypothetisch: Hätte ein schwarzer AfD-Abgeordneter bei Salomon Werbung für Deutschland gemacht, hätte er ihn als Neger beschimpft und vom Hof gejagt?

Ja, heute sind wir da liberaler. Ob aber das reine Bekenntnis zum Land als Zugehörigkeitsmerkmal politisch umsetzbar ist, ist in hohem Maße fragwürdig. Möglich wäre eine Unterwanderung durch Personen, die angeblich Deutschland lieben. Man kennt die Situation aus dem Urlaub: Je größer die Geldbörse ist, desto mehr lieben die Leute Deutschland. Im Großen läuft das nicht anders ab.

Aber auch mit gesteuerter Immigration, würden die biologischen Deutschen auf kurz oder lang aussterben. Selbst wenn man nach harten Kriterien die Zuwanderung oder die Einbürgerung bestimmt, muss klar sein, dass nach einer gewissen Anzahl an Zuwanderern – die ebenfalls durch die Dauer bestimmt ist – irgendwann keine biologisch Deutschen mehr in Deutschland leben. Beispiel: Kommen dürfen nur noch Leute mit einem IQ von über 120, einer abgeschlossenen Hochschulausbildung und genügend Vermögen (Vergleich Australien). Innerhalb von Jahrzehnten würden Ostasiaten unser Land bevölkern. Die Wirtschaft würde florieren, aber was hat das noch mit Deutschland zu tun?

Der neue Volksdeutsche

Etablieren könnte sich auch eine Teilung der „Deutschen“. Im sprachlichen Sinne. Die Entstehung des „Biodeutsche“, übrigens von Seiten der Grünen, als beleidigende Begrifflichkeit, war der erste Schritt in diese Richtung. Man merkt, von linker wie von rechter Seite, dass der „Deutsche“ einfach nicht mehr existiert, der Begriff entfremdet, entleert und ausgelutscht wurde. Viel älter ist der Begriff der „Volksdeutschen“, der aufgrund des böse klingenden Volkes und der nationalsozialistischen Aufladung des Begriffes kaum noch Verwendung findet. Das Gegenstück zum Biodeutschen ließ nicht lange auf sich warten: Plötzlich gab es den „Passdeutschen“, der de facto schon seit Jahrzehnten hier lebt, aber nie wirklich etikettiert wurde. Vor wenigen Jahren hieß es einfach nur „Ausländer“ oder „Kanacke“.

Was ist die Steigerung des Passdeutschen? Seit einigen Monaten kursiert die Formulierung des „Merkeldeutschen“ – ein Pendant zu den „Goldstücken“, die Merkel einlud und in ihrer „Jetzt sind sie eben hier-Mentalität“ am liebsten direkt mit dem deutschen Pass ausstatten würde. Auch die Bezeichnung „Ausländer“ ist mittlerweile dermaßen begriffsentleert, dass niemand etwas damit anfangen kann, ohne den Inhalt zu definieren.

Selbst NPD und Republikaner haben kein Problem mit einem integrierten Dänen. Der ist, juristisch wie sprachlich, aber genauso ein Ausländer, wie Terroristen-Ali aus dem Sudan. Die Sprache muss differenzierter werden, allerdings ist „Sprache“ und „muss“ bereits ein Gegensatz in sich. Vorsichtig sollte man auch bei Verschleierungen sein. „Deutscher mit Migrationshintergrund“ ist eine solche Scharade, die zwar differenziert, aber nichts wirklich klarer macht und nur aus Gründen der „political correctness“ eingeführt wurde.

Logischer Deutschenverstand

Klar sollte aber auch sein, dass diese Gedanken abstrakt und theoretisch sind und wir momentan von allerhand drängenderen Problemen gebeutelt werden, als mit Gen- und Ideologietest zu überprüfen, wer denn genau was ist. Auch glaube ich, dass in diesen Erörterungen, die im Kopf jedes Einzelnen stattfinden, das Problem der Deutschen zu Grunde liegt: Wir wollen alles klassifizieren, kategorisieren, einteilen. „Kann denn nicht mal endlich jemand klare Regeln aufstellen“, schreit unser Großhirn uns an. In Zeiten der babylonischen Volksverwirrung ist das kaum mehr möglich.

Zwar haben alle eine unterschiedliche Meinung zum „Deutschen“ aber, und davon bin ich überzeugt, kann jeder Deutsche innerhalb weniger Sekunden, durch Instinkt und logischen Menschenverstand entscheiden, wer dazugehören sollte und wer nicht. Klar muss aber auch sein: Dazugehören als was? Dazugehören zu was? Und damit geht der Kelch an uns selbst.

(Bild: Pixabay)

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14 Kommentare zu “Wer gehört zu Deutschland?

  1. Interessante Betrachtung – hatte solchen Fragen mir auch noch nicht gestellt.
    Aber ich habe eine einfache Antwort (bitte nicht wieder hetzen und mich in die »rechte« Ecke stellen):
    Ich bin aufgewachsen in einem deutschen Staat, der nicht mehr existiert – dennoch stehe ich zu Deutschland, weil in der Tat (!)einst(!) bestimmte Werte im Vordergrund – auch in meiner Erziehung standen. Respekt und Würde, Rechtsbewusstsein und Ehrlichkeit, Verantwortung und Pflichtbewusstsein, Achtung des Lebens und der Toten, Hilfsbereitschaft und Solidität waren die wichtigsten Prämissen meines Lebens seit 1954. Oft kam man mit diesem oder jenem Punkt in Konflikt aber in einer solidarischen werte-orientierten Gesellschaft sollte man niemanden mit sich selbst allein lassen ihn unterstützen oder von seinem Teil etwas abgeben.
    Ich hatte noch die Solidarität zu anderen Völkern anerzogen bekommen, obwohl wir eingeengt (eingesperrt) waren.
    Doch vorleben und schützen muss es der vom Volk gewählte Staat und seine Organe – er muss die Rahmenbedingungen für Ordnung, Sicherheit und freier Entfaltung menschlichen Tuns und Denkens ermöglichen, er muss die Gesellschaft bündeln um jedem ein Gefühl der Geborgenheit zu geben. Der Name des Landes selbst unwichtig – die Qualität seiner Gesellschaft ist entscheidend.
    Doch was finden wir heute vor?
    Dekadenz in allen Ebenen,
    Verlogenheit und Betrug,
    Missachtung der Sicherheit,
    Vernachlässigung der Ordnung,
    Städte und Strassen verdrecken,
    Armut und Ungerechtigkeit,
    Kriminalität ohne Grenzen,
    Entmachtete Polizei,
    Ein politisiertes Rechtssystem,
    Korruption & Bereicherung bis zur Kanzlerin,
    Dummheit und Schwachsinn der Volksvertreter,
    Geduldeter Mord und Terror durch Migranten,
    Lügende Medien,
    Und Arschgeigen mit der Antifa-Fahne dürfen marodierend die Bevölkerung terrorisieren.

    Habe ich was vergessen?

  2. Robert Wagner

    Wie wäre es mit dem Vorschlag, den ganzen biologistischen Quatsch über »Volksdeutsche«, »biologische Halbdeutsche«, »Passdeutsche mit Viertelanteilen (deutschen Blutes)« und »Volkskörper« nach den historischen Erfahrungen des 20. Jhs. hinter sich zu lassen und seine intellektuelle Energie und sein politisches Engagement auf die positive Ausgestaltung der deutschen Gesellschaft auszurichten? Ich sehe keinerlei Veranlassung am heutigen Staatsbürgerrecht wesentlich etwas zu verändern. Als Zuwanderer muss man viele Voraussetzungen erfüllen, um die Staatsbürgerschaft zu erlangen, und als hier geborenes Kind von seit vielen Jahren hier lebenden Zuwanderern ist man selbst kein Migrant, sondern wird als integraler Bestandteil der Gesellschaft geboren, unabhängig davon, ob die Eltern Deutsch sprechen oder ob die Mutter im Urlaub geschwängert wurde. Dass diese Kinder über das ius solis die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten, ist im Sinne einer Gesellschaft, die auf den Grundprinzipien der Solidarität und Teilhabe basiert (und nicht auf der Fiktion eines »blutreinen Volkskörpers«), naheliegend und sinnvoll. Ich wünschte dieses Recht hätte schon zu meiner Zeit bestanden…

    Wesentliche Richtschnur für das Staatsbürgerrecht müssen Fragen sein wie die nach dem Bekenntnis zum Grundgesetz (nicht zu einer ominösen, diffusen »deutschen Gesinnung«)oder die nach dem Stand der Sprachkenntnisse. Natürlich lässt sich v. a. Ersteres nicht zu hundert Prozent zuverlässig feststellen – wie auch? –, aber deswegen gibt es ja auch relativ strenge Voraussetzungen, die zumindest eine gewisse Auslese in diesem Sinne erlauben. Was in keiner Demokratie eine Rolle spielen sollte, sind Fragen nach den Anteilen »deutschen Blutes«. Das sollte gerade in diesem Land, in dem solche Fragen einst sogar über Leben und Tod entscheiden konnten, jedem bewusst sein.

  3. Klaus-P. Kurz

    @famd:
    Hut ab! Mir gefällt Ihr Kommentar. Besonders sein letzter Teil. Ob Sie etwas vergessen haben? Ich denke, ja.:
    Im Artikel steht: »Das „Zeitfenster“ der Deutschen ist begrenzt, viel kürzer als in anderen Nationen. Vor 150 Jahren sagte man noch: „Ich bin Pfälzer!“ oder „Ich bin Sachse!“ Erst seit 1914 konnte man überhaupt rechtlich ein „Deutscher“ sein.« Geht es denn wirklich darum, ob man rechtlich Deutscher ist? Nach welchem Recht, bitteschön?
    Vor mehr als 1000 Jahren, unter Otto dem Großen, entstand im Herzen des Abendlandes der deutsche Staat. Nach wie vor nannten sich seine Menschen zunächst nach ihrer Stammeszugehörigkeit Sachsen, Franken, Bayern usw., aber da war schon wesentlich mehr: Das Gefühl »Diutscher« zu sein. In Italien hat man schon damals »die Deutschen« »Tedesci« genannt, also sie nicht nach ihrer Stammeszugehörigkeit bezeichnet. Und woher kam dieses neue Zusammengehörigkeitsempfinden? Daher, daß der König und Kaiser sie nach außen hin beschützte. Man denke an: »An der Saale hellem Strande stehen Burgen stolz und kühn.« Die meisten schon unter seinem Vater erbaut, als Schutz gegen die vorher immer wieder vorkommenden Einfälle aus dem Osten. Wir Deutschen haben also eine wesentlich längere Geschichte, nicht nur als Nation, sondern auch als Staat.
    Das sollten wir nicht vergessen, wenn wir die heutigen Defizite unserer Sicherheit betrachten. Ja, mit welchem Recht nennt man sich heute »deutsch?«
    Nur nach dem Paßgesetz etwa?
    Dann sind wir heute schlechter dran als vor 1000 Jahren, als die Bauern respektvoll aufsahen, wenn da ein Reitertrupp des Königs vorbeikam, denn sie wußten: Der garantiert unsere Sicherheit.
    Doch, doch, Deutsche sind wir schon so lange wie die Franzosen Franzosen sind und länger als die Spanier Spanier.

  4. Robert Wagner

    @ Klaus-P Kurz:

    Da muss ich kurz einhaken. So etwas annähernd ähnliches wie ein deutsches Nationalgefühl entstand tatsächlich schon im Hochmittelalter – allerdings erst im 11. Jh., zumindest stammen die frühesten Belege aus dieser Zeit –, aber ein deutscher Staat lag damals noch in sehr weiter Ferne. Die unter Otto d. Großen im 10. Jh. erfolgte Reichsgründung, auf die Sie anspielen, war die Fortführung der Idee des Römischen Kaisertums, die im Jahr 800 vom Krankenkönig Karl d. Großen nach Jahrhundeten wiederbelebt wurde. Dieses Kaisertum war anders als in der Antike kein Staat im eigentlichen Sinne, sondern wenig mehr als ein Titel, der seinem Träger auf der Grundlage von dessen Hausmacht eine Vorrangstellung gegenüber den anderen Fürsten bzw. deren Gefolgschaft garantierte.

    Noch viel weniger als ein Staat war dieses Imperium Romanum seinem Wesen nach in irgendeiner Weise deutsch, sondern es stand über den einzelnen Stämmen oder Völkern und war dezidiert universal – das machte das klassische römische Kaisertum ja erst aus. Nachdem es im 12. Jh. unter Friedrich I. Barbarossa zum Sacrum Imperium (Heiliges Reich) wurde und man – zumindest nach den Quellen gehend, tatsächlich sicherlich schon vorher – ab dem 13. Jh. vom Sacrum Romanum Imperium (Heiliges Römisches Reich) sprach, wurde es erst im späten 15. Jh. durch den Zusatz Nationis Germanicae zu einem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Unter diesem ausformulierten Namen firmierte es seit dem 16. Jh. Die Attribuierung als ein Reich deutscher Nation hatte allerdings keinen Alleingültigkeitsanspruch – es gehörten immer auch nichtdeutsche, also anderssprachige Gebiete zu diesem Reich, die sogar von zentraler ideeller Bedeutung waren (Oberitalien) – und machte aus diesem Reich auch noch keinen Staat im eigentlichen Sinne. Die Staatlichkeit formte sich auf der Ebene darunter, auf der der Landesfürsten aus, weshalb man sich eben die allerlängste Zeit nicht als Deutscher, sondern eben als Sachse, Kurhesse oder Hannoveraner etc definiert hat. Die deutsche Nation wurde noch nicht politisch verstanden – das stand gerade der universalen Reichsidee ja entgegen –, sondern lediglich kulturell, vor dem 18. Jh. sogar nur im Sinne einer Sprachgemeinschaft.

    Ich glaube, ich gehe zu weit ins Detail. Kurz: Einen deutschen Staat im Sinne von DEM deutschen Staat gibt es erst seit 1871.

  5. Klaus-P. Kurz

    @ Robert Wagner,
    ich denke, Sie haben mich nicht richtig verstanden, wahrscheinlich, weil Sie nicht verstehen wollen. Das ist heutzutage – im Zeichen der PC- ja nicht unüblich. Macht aber nichts: Wir Auslandsdeutschen wissen schon, wo’s in der Alten Heimat hakt: Man will einfach nicht sehen, was andere Staaten, Nationen, Völker, problemlos erkennen. Schauen Sie einfach mal über Ihren Tellerrand hinweg, und schon ergibt die Geschichte Ihres Landes einen anderen Sinn: Mal bei den Franzosen, bei den Skandinavieren usw. reinschauen, dann wird alles viel klarer. Nur Mut!

  6. Robert Wagner

    @ Klaus-P Kurz:

    Ich weiß ehrlich gesagt nicht, inwiefern politische Korrektheit in der seriösen (mediävistischen) Geschichtswissenschaft irgendwie relevant sein sollte. Sie irren sich, ich möchte Sie richtig verstehen. Wenn Sie aber schreiben:

    »Vor mehr als 1000 Jahren, unter Otto dem Großen, entstand im Herzen des Abendlandes der deutsche Staat. […] Wir Deutschen haben also eine wesentlich längere Geschichte, nicht nur als Nation, sondern auch als Staat.«

    kann ich nicht anders, als anzunehmen, dass Sie die Kaiserkrönung Otto des Großen 963 und die damit verbundene Wiederbelebung des mittelalterlichen Kaisertums Karls des Großen als Gründung des deutschen Staates verstehen. Das ist aber völlig ahistorisch, da die Idee eines deutschen Vaterlandes erst im späten 18. Jh. aufkommt und erst im 19. Jh. politisch wirklich relevant und durch Bismarck schließlich realisiert wird (zum universalen Charakter dieses Reiches s. meine Ausführungen oben). Diesen Grundtatsachen deutscher Geschichte werden Sie doch sicherlich zustimmen, oder?

    Oder meinen Sie mit dem Wort Staat in diesem Zusammenhang etwas völlig anderes? Ich möchte Sie wirklich verstehen, kann aber mit dem Verweis auf Frankreich oder Skandinavien, die ja eine ganz andere Geschichte haben, wenig anfangen. Vielleicht wissen Sie ja etwas, das ich nicht weiß, kann ja auch sein.

  7. „Die Wahrheit wird siegen“ – ABER NUR, WENN WIR SIE AUSSPRECHEN UND WEITERGEBEN.

    Kleiner Denkanstoss den man auf jeden Fall ausdrucken und weitergeben / liegen lassen sollte. So fand auch ich zur Wahrheit

    http://s4.imgload.info/3zg7wxwduadwnhx.png

    Die wissenschaftliche Variante.

    https://archive.org/details/Die-verbotene-Wahrheit

    Ohne die Wahrheit, keine Rettung Europas und der Weissen bzw. Deutschen.

  8. Klaus-P. Kurz

    @ Robert Wagner:
    Heutzutage ist PC in allen Bereichen unseres Lebens allgegenwärtig. Nicht nur in der sogenannten Geschichtswissenschaft. Ja, Sie haben recht: Mit „Vor mehr als 1000 Jahren, unter Otto dem Großen, entstand im Herzen des Abendlandes der deutsche Staat. […] Wir Deutschen haben also eine wesentlich längere Geschichte, nicht nur als Nation, sondern auch als Staat.« verbinde ich die Gründung des deutschen Staates. Ob das »ahistorisch« ist, wie Sie sagen, oder nicht, tut nichts weiter zur Sache, denn die jeweils geltende Lehrmeinung ist sehr häufig eben von jener PC abhängig und gedeckt. Wenn Sie sich z.B. die zur Zeit gültige Auffassung von Israels Staatsgründung ansehen, werden Sie verblüffende Parallelitäten entdecken. Versuchen Sie mal die Menschheitsgeschichte unter der Lupe des »Cui bono?« zu betrachten und Sie werden erkennen, was ich meine. Viel Vergnügen kommt dabei jedoch nicht auf. Seien Sie gewarnt!

  9. Die nationalsozialistischen Herrscher des Dritten Reiches gaben u.a. die Parole aus: Du bist nichts, dein Volk ist alles. Die internationalsozialistischen Herrscher der Bundesrepublik geben die Parole aus: Du, das Deutsche Volk, bist nichts, der, die, das Fremde ist alles. Anders gesagt: Es hat sich nur das Vorzeichen geändert. Ansonsten hat sich nichts geändert: Diktatur, Zensur, Umerziehung, Demokratiefeindlichkeit – von 1933 bis heute!

    Linksfaschistischer Rassismus wird bei uns mittlerweile befohlen, während gleichzeitig so getan wird, als gäbe es nur rechtsfaschistischen Rassismus. Nur ein Beispiel unter vielen: In Stellengesuchen für den Öffentlichen Dienst zeigt unser Parteienstaat seinen Rassismus mittlerweile auch schon offen (und mit demselbem Stolz wie vor ihnen die Nazis): »Ausländer/innen bevorzugt«! Das ist linksfaschistischer Rassismus! Auch dieses Beispiel verdeutlicht, daß aus der Geschichte nicht gelernt worden ist, sondern umgekehrt, weil lediglich die Vorzeichen geändert worden sind. Vielleicht wird ja bald auch auf den Öffentlichen Bänken der Satz zu lesen sein: »Nur für Semiten«

    Man ist doch nicht einfach deshalb ein »besserer Mensch«, weil man vom Haß auf irgendeine »fremde Rasse«, irgendein »fremdes Volk«, irgendeine »fremde Nation« zum Haß auf die »eigene Rasse«, das »eigene Volk«, die »eigene Nation« gewechselt hat. Im Gegenteil!

    „Jeder Deutsche hat die Freiheit, Gesetzen zu gehorchen, denen er niemals zugestimmt hat; er darf die Erhabenheit des Grundgesetzes bewundern, dessen Geltung er nie legitimiert hat; er ist frei, Politikern zu huldigen, die kein Bürger je gewählt hat, und sie üppig zu versorgen – mit seinen Steuergeldern, über deren Verwendung er niemals befragt wurde. Insgesamt sind Staat und Politik in einem Zustand, von dem nur noch Berufsoptimisten oder Heuchler behaupten können, er sei aus dem Willen der Bürger hervorgegangen.“
    Hans Herbert von Arnim, Das System – Die Machenschaften der Macht, 2001

  10. Robert Wagner

    @ Klaus-P Kurz:

    Vielen Dank für Ihre Klarstellung.

    Ich kann also festhalten: Sie halten die durch Otto den Großen im 10. Jh. initiierte Fortführung des fränkisch-römischen Kaisertums Karls des Großen, das eine universale, d. h. über Sprach- und Volksgrenzen stehende, auf dem Kaisertum der römischen Spätantike beruhende und theologisch gerechtfertigte KaiserIDEE war und an sich übrigens noch gar keinen eigenen Staat darstellte, allen Ernstes für die Gründung eines deutschen Staates, obwohl Sie damit jeder Erkenntnis der Geschichtswissenschaft diametral widersprechen.

    Auf welchen Quellen gründet denn Ihre Anschauung? Anscheinend scheinen Sie über welche zu verfügen, die der Geschichtswissenschaft unbekannt sind, und auf irgendwelchen Quellen muss Ihre Meinung ja basieren; denn anders als Sie behaupten, ist es sehr wohl von Bedeutung, ob eine These zu historischen Fragestellungen auf belastbaren Quellen gründet oder nicht, also historisch oder eben ahistorisch ist. Ansonsten könnte ja jeder Dinge behaupten und die Geschichte umschreiben, wie er lustig ist. In Ihrem Fall müssten das allerdings überaus überzeugende und revolutionäre Quellen sein, da Sie etwas behaupten, das die gesamte europäische Geschichte der letzten 1000 Jahre in einem völlig anderen Licht erscheinen lassen würde.

    PS: Ich weiß, dass Ihnen der Begriff der zur leeren Worthülse verkommenen politischen Korrektheit, der ursprünglich mal etwas mit politischem Anstand zu tun hatte und inzwischen von gewissen Kreisen zu einem propagandistischen Kampfbegriff umfunktioniert wurde, sehr wichtig ist. Aber glauben Sie mir, die Arbeit eines Historikers kreist nicht darum, ob seine Forschungsergebnisse politisch korrekt sind oder nicht.

    PPS: Ähnlichkeiten zwischen der Kaiserkrönung Otto des Großen 963 und der Gründung des Staates Israel nach dem Zweiten Weltkrieg knapp Tausend Jahre später 1948 vermag ich beim besten Willen nicht zu erkennen.

  11. Klaus-P. Kurz

    verehrter Robert Wagner,

    vielen Dank für Ihre Ausführungen. Offenbar hapert’s bei Ihnen (als offenbar den sogenannten »Geisteswissenschaften« Nahestehendem) allerdings am Grundverständnis darüber, was echte Forschung ausmacht. Ich selbst bin Naturwissenschaftler (Geologie, Ozeanographie) und habe leider kein Verständnis für Leute, die sich ganze Zeiträume unserer Geschichte zurecht interpretieren, weil sie meinen, sich z.B. auf Quellen einiger obskurer Mönche aus den Klöstern Corvey oder Cluny verlassen zu können, die eben damals genau dasselbe taten, was heutige »Geschichtswissenschaftler« auch gerne tun, weil sie von höheren Instanzen (Papst, resp. »Westl. Wertegemeinschaft«) abhängig waren und sind: Die keineswegs als propagandistisch anzusehende, heute PC genannte und damals als systemkonform zu bezeichnende offizielle Version politischer Ereignisse zu pflegen.
    Wissenschaft ist etwas anderes.

  12. Robert Wagner

    @ Klaus-P. Kurz:

    Ich bin erstaunt. Vorgeblich legen Sie Wert auf korrektes wissenschaftliches Arbeiten, tatsächlich aber biegen Sie sich die Geschichte im erstaunlichen Ausmaß im Sinne einer kruden nationalistischen Ideologie zurecht, um nicht Otto von Bismarck (19. Jh.), sondern schon Otto den Großen (10. Jh.) zum Gründer des vereinigten deutschen Vaterlandes deklarieren zu können; das alles natürlich, ohne die geringsten Belege, also Quellen, für diese ertaunlich unverfrorene Geschichtsumdeutung zu haben. Oder worauf gründet nun ihre »interessante« These, das Heilige Römische Reich wäre ein deutscher Staat gewesen? Können Sie überhaupt irgendetwas in diese Richtung liefern? Oder ist Ihr einziges Argument ernsthaft, dass die Historiker von heute wie die Mönche von damals alle Protagonisten oder Opfer einer Verschwörung sind? Die »Geschichtswissenschaftler«, wie Sie abfällig schreiben, legen Ihrer Arbeit wenigstens authentische Quellen zugrunde, die mit der angemessenen Quellenkritik betrachtet und keineswegs einfach »geglaubt« werden, statt nach Belieben völlig ahistorische, ideologisch motivierte Behauptungen aufzustellen.

    Ich gebe Ihnen einen guten Rat: Bleiben Sie besser bei Ihren Steinen und Meeren, denn von Geschichte und Geschichtswissenschaft haben Sie offenbar nicht die geringste Ahnung. Ich kann Sie jedenfalls nicht mehr ernst nehmen und verbuche Sie unter der Rubrik »Verschwörungstheoretiker«; die sollen im völkischen Lager ja ab und an vorkommen.

  13. Klaus-P. Kurz

    dito, Robert. Weiterhin viel Spaß bei Ihren narzistischen. aber vergeblichen Bemühungen um Anerkennung wenigstens in der Welt des Internets. Anderswo hört man Ihnen sicher schon lange nicht mehr zu.

  14. Robert Wagner

    Sie könnten ja statt Verschwörungstheorien auch mal so etwas wie ein Argument anführen. Aber warum wundert es mich nicht, dass Sie dazu nicht in der Lage sind… Und glauben Sie mir, ich mag noch viele Dinge im Leben erstreben – Anerkennung von Verschwörungstheoretikern oder autoritären Völkischen gehört sicher nicht dazu.

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