Gesichtet

Charlie Hebdo: Langeweile und Hetze

Georg Immanuel Nagel hat für uns die seit Kurzem erscheinende deutsche Ausgabe des umstrittenen französischen Satiremagazins unter die Lupe genommen.

Am 7. Januar 2015 kam es bekanntlich zum islamischen Terroranschlag auf die Redaktion der linken Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“, in dessen Verlauf insgesamt zwölf Menschen zu Tode kamen. Seit dem ist die Postille, die vorher wohl nur von regionaler Bedeutung war, in aller Welt bekannt, was den Absatz naturgemäß nicht negativ beeinflusst. Mittlerweile hat man für den hiesigen Gutmenschenmarkt auch eine deutsche Ausgabe besorgt, welche seit Dezember des letzten Jahres erscheint.

Nach eigenen Angaben soll die erste Auflage eine stolze Höhe von 200.000 Stück gehabt haben. Offensichtlich spekuliert man darauf, dass das Blättchen von allen Bahnhofsklatschern und Berufsbetroffenen gekauft wird. Die Rechnung könnte jedoch nicht aufgehen, denn gelesen hatte die niveaulose Publikation wohl kaum jemand, der damals unreflektiert „Je suis Charlie“ verkündet hatte. Die Nachfrage bei verschiedenen Händlern hat ergeben, dass das Interesse wohl eher gering sein dürfte.

Realitätsverweigerung trotz Islam-Terror

Vier Euro kostet die billig produzierte Nr. 1275, die zum Jahreswechsel erschien. Schon das Titelbild macht die politische Orientierung und den niedrigen Anspruch der Redaktion deutlich, die auch der Terroranschlag offensichtlich nicht zu politischen Realitätseinsichten bewegen konnte, weshalb sie weiterhin genau die Politik unterstützt, die zur Ermordung ihrer Kollegen geführt hatte. Umringt von der Beschreibung „Kackgeschenke, die man loswerden möchte“ sieht man die Köpfe von Donald Trump und Wladimir Putin, die aus geöffneten Weihnachtspaketen herausschauen.

Neben den Cartoons gibt es auch Artikel ohne Bebilderung. In einem Kommentar echauffiert sich beispielsweise der Autor über die Forderung von „Rechten und Rechtsextremen“, die Grenzen zu schützen und das Schengen-Abkommen außer Kraft zu setzen, weil der islamische Attentäter vom Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt unbehelligt durch mehrere Länder reisen konnte, bis er in Mailand von einem Polizisten erschossen wurde. Zwar war dieser Täter ein „Flüchtling“, doch in Frankreich würden angeblich „so gut wie alle“ Anschläge von „französischen Staatsbürgern“ verübt, von „braven kleinen Franzosen“, die „zum Islam konvertiert und Fundamentalisten geworden sind“. Deshalb würde eine Schließung der Grenzen keine Lösung für das Problem darstellen. Der islamische Terrorismus kommt also hauptsächlich von Franzosen. Absurder kann man die Tatsachen gar nicht mehr verdrehen.

Selbstverständlich werden antinationale Töne angeschlagen: „Frankreich, du mieses Land!“, wird genauso proklamiert, wie deutschenfeindliche Klischees: „Genau Robert, du lässt dich nicht vom Jammern über die Artenvielfalt erweichen, du bist ein echter Hunne!“, heißt es etwa auf der links-grünen Umweltschutz-Seite. Auch die nationalkonservative Regierung Polens wird verteufelt und Seitenhiebe auf konservative Christen dürfen freilich ebenso wenig fehlen. Zudem wird Franz Josef Strauß ohne nähere Begründung als „Adolf-Nostalgiker“ bezeichnet. Kurzum, ein einseitiges Austeilen nur in eine Richtung des politischen Spektrums gehört zur festen Blattlinie von „Charlie Hebdo“.

Nicht einmal halblustige Cartoons

Kaum etwas ist so unlustig wie Charlie Hebdo. Die ersten Comic-Seiten haben das Thema „Köln, Eindrücke aus einer Stadt ohne Angst“, in der die Massenübergriffe orientalischer Grabsch- und Vergewaltigungsmobs auf deutsche Frauen verharmlost werden. Wie bei vielen der Bildchen wird aber nicht wirklich klar, was deren Schöpfer eigentlich aussagen wollen. Witzig ist es jedenfalls nicht wirklich. Gerne wird es aber vulgär. So gibt es etwa sprechende Genitalien zur Illustration eines Artikels, in dem über Konservative abgelästert wird, „die mit großem Starrsinn verkünden, dass jedes Kind ‚einen Papa und eine Mama’ braucht“.

Ein anderer Cartoon namens „Der Appetit kommt beim Essen“ zeigt eine nicht näher bestimmte Familie, die durch einen Fluchttunnel einen Stacheldrahtzaun überwindet, der ein Konzentrationslager sein könnte oder auch eine Grenzbefestigung. „Wir waren leider nicht so dünn wie die armen Juden“, heißt es, als Mutter und Vater im Tunnel feststecken. Die Tochter ist zwischen den Eltern gefangen und entschließt sich dann, sich durch den Vater durchzuessen. „Im Innern fand ich schlecht verdaute Sauerkrautreste“, äußert das Mädchen, dass der Erzähler der Geschichte und nun als Erwachsene die Betreiberin eines Wirtshauses ist. Ein dortiger Zuhörer muss daraufhin erbrechen. „Ihre Kotze wird morgen wieder aufgewärmt. Bei nem guten Koch geht nichts verloren“, kommentiert die Wirtin.

Langeweile und peinlich künstliche Provokation

Hetze gegen die Russen kommt ebenfalls nicht zu kurz. Zum Flugzeugabsturz, bei dem ein ganzer russischer Chor ums Leben kam, heißt es: „Schlechte Nachricht: Putin war nicht dabei“. Ebenso macht man sich über den Mordanschlag auf den russischen Botschafter in der Türkei lustig. Auch der islamische Terroranschlag von Berlin wird gleich mehrmals verhöhnt und ist damit sozusagen eines der „Hauptthemen“ dieser Ausgabe.

„Hätte man den LKW-Anschlag verhindern können? Ja, hätte man den Weihnachtsmarkt im Holocaust-Mahnmal aufgebaut!“, lautet die Beschriftung eines Bildchens, dass die hässlichen Stelen des Mahnmals mit den wegen des LKW-Anschlags allerorts aufgestellten Betonblöcken vergleicht. Diese Zeichnung ist noch die „lustigste“ im ganzen Blatt, wenngleich auch sie an sich langweilig ist. Aber immerhin versucht man ein politisch korrektes Tabu zu brechen und das ist die Voraussetzung für politische Satire, um wirklich aufzuregen und treffsicher zu sein. Im Allgemeinen macht „Charlie Hebdo“ das jedoch genau nicht, sondern teilt überwiegend nur dort aus, wo es auch von den Etablierten und Mächtigen gewollt ist, weshalb es auch kaum Kritik an dieser „Satire“ gibt, so geschmacklos sie auch sein mag. Ganz anders sähe es aus, wenn z.B. Björn Höcke einen solchen Mahnmal-Witz äußern würde.

Was neben den üblichen linken Gemeinplätzen von „Charlie Hebdo“ übrig bleibt, ist der allzu offensichtliche Versuch, auf möglichst plakative Art vulgär und beleidigend zu sein. Erreicht wird durch die gleichermaßen flachen Zeichnungen wie Texte jedoch hauptsächlich Langeweile. Wer wirklich bösen politischen Humor sehen will, der das Establishment provoziert, der begebe sich in die Gefilde der Alt-Right. Das Schundblatt der braven BoBos aus Paris ist jedenfalls zum Einschlafen.

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Jahrgang 1986, aus Wien, studiert Philosophie (MA) und ist regelmäßiger Autor bei der Blauen Narzisse, Zur Zeit und Der Eckart. Maßgeblich war er beteiligt an PEGIDA in Österreich. Zudem ist er Gründer und Obmann von "OKZIDENT - Verein zur Förderung von Rechtsstaatlichkeit".

2 Kommentare zu “Charlie Hebdo: Langeweile und Hetze

  1. Ich habe allgemein den Eindruck, dass Kabarett, Satire und Comedy immer ernster genommen werden, und zwar politisch ernster! Das kommt mir wie eine ›Infantilisierung‹ bitterernster Angelegenheiten vor. Man denke auch an das Theater um den geschmacklosen Böhmermann – ausgerechnet der wurde wie ein ernsthafter Opponent Erdogans gehandelt. Diese Sichtweise beginnt schon in der Schule, wenn Politik in erster Linie als Literaturinterpretation Thema wird und nicht vielmehr z.B. vor dem Hintergrund wirtschaftswissenschaftlicher oder demokratietheoretischer Inhalte.

  2. Carlos Wefers Verástegui

    Auf »Arte« habe ich einige Interviews französischer (Links-)Intellektueller (Philosophen, Literaten, Soziologen) gesehen, die von einer »neuen Qualität« des Terrorismus in Frankreich gesprochen haben, da die neuen Terroristen ja ausnahmslos Franzosen gewesen seien. Nun, bei einer solchen Zersetzung des Intellekts bei französischen (?) Linksintellektuellen wundert es mich nicht, dass so ein zündelndes Schundblatt wie »Charlie Hebdo« sich des gleichen Arguments bedient. Das ist natürlich alles ideologisch performt, weil die Täter eben »Franzosen« im Sinne des Selbstverständnisses der »Weltzivilisation« der laizistischen Linksrepublikaner und Kommunisten Frankreichs sein MÜSSEN. Also: nicht nur Zersetzung des Intellekts, sondern sogar des Menschenverstandes und, mit ihm, der privaten und öffentlichen Sittlichkeit. Ein echter Franzose würde weder im Sinne von Aristoteles´ noch von Carl Schmitts Politikverständnisses, weder Frankreich noch seinen Landsleuten so etwas antun.

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