Anstoß

Leserbrief vom SWR

Wir sind froh über jede Rückmeldung zu unserer Arbeit. Aus diesem Grund möchten wir einen Leserbrief abdrucken, den wir heute von einem SWR-Redakteur erhalten haben:

Sehr geehrter Herr Mensel,

was Sie da treiben ist ein durch und durch abgekartetes und perfides Spiel. Sie entlarven sich ja bereits bei der Namensgebung (durch die Anlehnung an die »Weiße Rose« von Sophie Scholl…) – und dem damit sich selbst verliehenen aber leider vermeintlichen Anstrich einer Widerstandsbewegung gegen ein Unrechtsregime)

Denn nicht alles was hinkt ist ein berechtitzer Vergleich – und mit diesem Versuch, die aktuelle Situation in unserem durch und durch demokratischen Deutschland mit dem Hitler-Regime gleichzusetzen, versuchen Leute wie Sie – das unterstelle ICH Ihnen hiermit – wissentlich und ganz bewusst, eine Situation zu befördern, in der es dann zu Krawallen und bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen in unserem eigentlich seit Jahren recht friedlichen Land kommen soll.

Einen Vorgeschmack erleben wir ja gerade in Chemnitz. Und auch hier ist das Spiel der »blauen Narzisse« nur allzu durchschaubar: Wie es in dem Text ja auch zu Anfang gesagt wird, nimmt man einfach »Einzelfälle« und leitet daraus »Regelmäßigkeiten« ab, die aber auch wenn sie immer wieder und von vielen Leuten aus unterschiedlichen Ecken so wiederholt werden, nicht stichhaltiger und wahrer werden. Angela Merkel mit Erich Honecker zu vergleichen ist unterste Schublade und das Ganze erinnert mich ziemlich fatal an das, was ich im Geschichtsunterricht von unserem hervorragenden Lehrer über die Weimarer Republik gehört habe.

Und ich habe mich bislang selbst immer zurückgehalten, die ganz große Nazi-Keule rauszuholen, wenn solche Diskussionen aufkamen (und habe das bei meinen grünen Parteifreunden auch stets angemahnt…) ABER noch ein zentraler Satz, meines verehrten Geschichts-Lehrers (einem bekennenden Sozialdemokraten): »Nazi-Deutschland wurde nicht durch zu viele Radikale möglich, sondern durch zu wenige Demokraten«. Und als Demokrat muss man einfach bereit sein, sich mit komplizierten, anstrengenden Sachverhalten auch ebenso angestrengt und aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu beschäftigen – und nicht gleich bei den ersten scheinbar einleuchtenden Antworten, die neuen »Heilsbringer« zu vermuten.

Wir leben in guten, aber in gefährlichen Zeiten – denn weltweit stellt sich die Frage, ob wir Menschen wirklich willens und in der Lage sind, »Demokratie zu leben«.

Mit freundlichem Gruß! (nicht ironisch gemeint, denn ich gebe die Hoffnung noch nicht auf, dass Leute – die so auf einen »Rechten Weg« gekommen sind, auch wieder für unsere freiheitlich-demokratische Gesellschaft zurückzugewinnen sind)

Howgh – ich habe gesprochen !

Frank-Winnetou Schanze

Lügenpresse SWR1 Rheinland-Pfalz Magazine und Musik
Redakteur


Unsere Antwort:

Lieber Herr Schanze,

danke für Ihren Leserbrief, den wir gern veröffentlichen, damit Sie zu Wort kommen. Nun zur Sache:

  1. Auf den Namen »Blaue Narzisse« sind wir im Jahr 2004 gekommen. Wir waren damals alle 16-18 Jahre alt und konnten strategisch noch nicht so hintersinnig denken, wie Sie es uns unterstellen. An die »Weiße Rose« haben wir keine Minute gedacht, sondern an Novalis und die deutsche Romantik, von der wir begeistert waren. Diese Begeisterung hat sich im Laufe der Jahre übrigens etwas gelegt. Inzwischen betrachten wir die Romantik deutlich differenzierter.
  2. Zu den Ereignissen in Chemnitz haben wir alles gesagt. Hier und hier. Was dort einige Neonazis aufgeführt haben, schadet der patriotischen Opposition. Wir sind darüber sehr verärgert.
  3. Der Merkel-Honecker-Vergleich: Politik ist immer polemischer Natur. Wenn ein JA-Funktionär einen solchen Vergleich bringt, ist dies deshalb etwas völlig Anderes, als wenn ein Historiker so etwas behauptet. Die politische Absicht hinter dem Vergleich ist nun offensichtlich: Es soll in der Tradition von 1989 zu einer patriotischen Wende kommen. Wir wären in der Tat erfreut, wenn es 2019, 30 Jahre nach dem Mauerfall, so weit ist. Diese zweite Wende muß sich mehr Meinungsfreiheit zum Ziel setzen, mehr Bürgernähe und mehr Mut, die Interessen den eigenen Volks durchzusetzen. Dieses Programm halten wir für demokratischer, als das, was Merkel 2015 gemacht hat. Zur Erinnerung: Sie hat, ohne das Volk oder Parlament zu befragen, eine historisch hoffentlich einmalige Masseneinwanderung zugelassen, die aus juristischer Sicht äußerst fragwürdig ist. Nur nicht für das feige und linientreue Bundesverfassungsgericht.
  4. Wir sehen aktuell keinen »Heilsbringer«. Wer soll das sein?
  5. Zum Bürgerkrieg haben wir unsere Argumente in ein kleines Büchlein gepackt. Einfach mal in Ruhe lesen! Wir warnen bereits seit Jahren vor Extremismus. Der Nährboden für ihn ist aber eine falsche Politik. Nur wer das verstanden hat, kann das Problem friedlich lösen, was wir selbstverständlich anstreben und im Falle von Chemnitz auch »eindringlich« betont haben. Die patriotische Wende kommt entweder durch gewaltlosen Protest oder es wird sie nicht geben.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihre BN-Redaktion


13 Kommentare zu “Leserbrief vom SWR

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